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Reise

Warnstreik am Frankfurter Flughafen

Zehntausende Passagiere von Flugausfällen betroffen

Der Ver.di-Warnstreik am Frankfurter Flughafen beeinträchtigt den Verkehr massiv. 90.000 Passagiere sind von Ausfällen betroffen, eine Landebahn konnte stundenlang nicht benutzt werden.

DPA
Dienstag, 10.04.2018   15:23 Uhr

London - annulliert, Oslo - annulliert, Erbil - annulliert. Die Anzeigetafel im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens zeigt, dass hier nur sehr wenige der geplanten Maschinen starten können. Grund ist ein Warnstreik der Gewerkschaft Ver.di für mehr Geld im öffentlichen Dienst von Bund und Ländern.

Am größten deutschen Flughafen heißt das: massive Einschränkungen bei den Sicherheitskontrollen und beim Bodenpersonal auf dem Vorfeld. Auch Teile der Flughafenfeuerwehr stellen die Arbeit ein, was bedeutet, dass für knapp fünf Stunden die gesamte Nordwest-Landebahn nicht benutzt werden kann.

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Warnstreiks: Ausfälle an vier Flughäfen

Direkt betroffen von den Streiks sind auch die Flughäfen München, Köln und Bremen, andere Airports bekommen die Ausstände indirekt zu spüren. In Köln geht wegen eines Streiks der Flughafenfeuerwehr über Stunden gar nichts. Auch Eltern von Kindergartenkindern müssen am Dienstag umplanen, genau wie Berufspendler, die auf dem Weg zur Arbeit vielerorts auf den ÖPNV verzichten müssen.

Von den in Frankfurt gestrichenen Flügen sind mehr als 90.000 Passagiere betroffen, von ursprünglich vorgesehenen 1441 Flügen entfallen 659, so der Stand am Mittag. Am stärksten trifft es die Lufthansa. Schon am frühen Dienstagmorgen stehen Reisende an deren Schalter für Umbuchungen an. Eine Durchsage informiert über "Streikaktivitäten" und ihre Auswirkungen.

Kein Chaos in den Terminals

Von langen Schlangen oder gar Chaos ist nichts zu sehen - ganz im Gegenteil. Einige haben bei den Umbuchungen Glück. Jochen Kühn kann nun über Zürich nach Mallorca in den Urlaub fliegen. Das Reisebüro habe ihn rechtzeitig informiert; ursprünglich wäre sein Abflug erst um 16 Uhr gewesen. Für den Warnstreik zeigt er Verständnis: "Die Leute müssen auch ihr Geld verdienen."

Glück hat auch ein älteres Ehepaar, das nun ziemlich gestresst in Richtung der Lufthansa-Schalter eilt. "Wir kommen über Zürich weiter und sollen jetzt zum Automaten zum Einchecken. Ich habe es schon über das Internet versucht, das ist halt alles ein Problem, wenn man älter wird", sagt der Mann.

Durch eine der Abflughallen des Terminals 1 zieht sich ein blaues Absperrband. Wegen des Warnstreiks der Sicherheitskontrolleure geht hier nichts mehr. Fraport-Mitarbeiter stehen vor der Absperrung und weisen Passagieren den Weg. Viele der Fluggäste sind schon vorher informiert worden, gehen zu ihren Ausweichflugsteigen oder sind im Inland gleich auf den Zug umgestiegen.

Fraport erklärt, annulliert worden seien vor allem Deutschland- und Kontinentalverbindungen. Viele Airlines planten, Interkontinentalflüge nach Ende des Warnstreiks am Abend nachzuholen.

In der Schlange vor dem Umbuchungsschalter steht Amy Burns mit ihrer Familie. Sie sind auf dem Rückweg aus Rom, wollen über Frankfurt heim nach Atlanta in den USA fliegen. "Wir müssen umbuchen oder was immer es für eine Möglichkeit gibt", sagt sie.Ein junges Paar aus Norwegen ist auf dem Heimweg aus Singapur. "Das ist jetzt schon ein bisschen unangenehm", sagt die junge Frau. Den Warnstreik trägt sie mit Fassung, so etwas gebe es in ihrem Heimatland auch.

Fraport: Wieder normaler Flugverkehr am Abend

Draußen vor der Tür wird es unterdessen laut: Ver.di hat einen Protestmarsch organisiert, an der Spitze Gewerkschaftschef Frank Bsirske. Die harte körperliche Arbeit der Flughafenbeschäftigten müsse so entlohnt werden, dass sie auch bei den hohen Mieten im Rhein-Main-Gebiet über die Runden kommen könnten, hat er zuvor auf einer Kundgebung gefordert.

Mit insgesamt rund 2000 Warnstreikenden rechnet Ver.di an diesem Tag am Flughafen, weit mehr als 100.000 sollen es bundesweit in dieser Woche werden. Zuvor haben vor dem Terminal schon die Feuerwehrleute ihre Sirenen erklingen lassen. "Es ist Warnstreik, da zeigen wir, was wir können", sagt ein Gewerkschaftsmitglied zu dem ohrenbetäubenden Lärm.

Was tun bei Streik?

INFORMATIONEN
Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.
STORNIEREN, UMBUCHEN ODER UMSTEIGEN
Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, weil ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder mit Bussen.
VERSPÄTUNG
Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer kürzeren Flugstrecke von maximal 1500 Kilometern haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Betreuungsleistungen, also Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen von 3500 und mehr Kilometern liegt die Grenze bei vier Stunden. Gegebenenfalls muss auch eine Übernachtung im Hotel bezahlt werden. Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.
ENTSCHÄDIGUNG
Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks - wie zum Beispiel auch miserables Wetter - aber als außergewöhnlichen Umstand. Entschädigung gibt es daher nicht.

Flughafenbetreiber Fraport rechnet damit, dass sich der Flugverkehr am Abend wieder normalisiert. Ver.di habe das Ende des Warnstreiks für 18 Uhr angekündigt, sagte Fraport-Sprecher Alexander Zell am Mittag. "Wir gehen dann davon aus, dass es noch etwa 45 bis 60 Minuten dauert, bis alle Prozessstellen wieder voll besetzt sind und dann wird es auch wieder in den Regelbetrieb übergehen." Über die Kosten des Streiks kann der Betreiber am Dienstag noch nichts sagen.

Isabell Scheuplein, dpa/abl

insgesamt 1 Beitrag
ulnibo 10.04.2018
1. Eurowings ist der Skandal (mal wieder)
Eurowings hat ohne jede Information der Passagiere heute nahezu jeden Flug ab Köln storniert, und das ohne jeden Anlass. Lufthansa (wie selbst Ryan Air) haben den Betrieb sofort wieder aufgenommen, als der Streik der Feuerwehr [...]
Eurowings hat ohne jede Information der Passagiere heute nahezu jeden Flug ab Köln storniert, und das ohne jeden Anlass. Lufthansa (wie selbst Ryan Air) haben den Betrieb sofort wieder aufgenommen, als der Streik der Feuerwehr beendet war. Der Umgang mit den Kunden stößt bei Eurowings schon lange negativ auf, aber den Flugbetrieb einfach einzustellen ist der Gipfel. Dass die Lufthansa es zuläßt, dass Ihr Tochterunternehmen schlechter performt, als jeder Billigflieger, verwundert umso mehr.

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