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Reise

Orkantief "Friederike"

Bahn stellt Fernverkehr ein

Die Deutsche Bahn hat den Fernverkehr in ganz Deutschland vorerst lahmgelegt - wegen des Orkantiefs "Friederike". Der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnet dies als "übervorsichtig" und "undifferenziert".

DPA
Donnerstag, 18.01.2018   15:54 Uhr

Die Deutsche Bahn hat den Fernverkehr wegen des Orkans "Friederike" gegen 16 Uhr bundesweit eingestellt. Züge würden aus Sicherheitsgründen nicht mehr losfahren, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Züge, die noch unterwegs seien, sollten aber soweit möglich bis zum Zielbahnhof fahren.

Lediglich einige internationale Verbindungen nach Tschechien, Polen, Österreich, Schweiz, Ungarn und Italien werden noch aufrechterhalten. Der Stopp dürfte den gesamten restlichen Tag andauern. Auch für den morgigen Freitag kündigte der Konzern bereits deutliche Einschränkungen im Zugverkehr an. Die Bahn bat die Kunden, Reisen - wenn möglich - zu verschieben.

Im Laufe des Tages hatte die Bahn zudem dem Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nordhessen, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt komplett eingestellt. In vielen anderen Bundesländern kam es zu Streckensperrungen. Am Abend lief der Nahverkehr langsam wieder an: Einzelne Züge seien zwischen Bremen und Norddeich Mole gestartet, teilte die Deutsche Bahn über den Twitter mit. Auch einige S-Bahnen, etwa von Hannover nach Hildesheim und von Celle nach Hannover, fuhren wieder.

Bahnkunden sollten sich vor Reiseantritt auf der Webseiteüber die Verbindung zu informieren. Seit Mittag ist eine kostenlose Sonderhotline unter 08000 996633 eingerichtet.

Auch am Freitag noch Einschränkungen

Die Bahn nannte das Einstellen des Fernverkehrs eine Sicherheitsmaßnahme, weil etwa umgestürzte Bäume oder andere Gegenstände auf den Gleisen liegen könnten. So solle verhindert werden, dass Züge auf offener Strecke stehen blieben und Fahrgäste nicht betreut werden könnten.

An den betroffenen Bahnhöfen verstärkte die Bahn ihr Personal. Außerdem wurden für wartende Reisende in mehreren Städten Aufenthaltszüge bereitgestellt, darunter in Köln, Dortmund, Hannover, Kassel, Bremen und Hamburg. An den Informationsschaltern können sich Betroffene über die Ausgabe von Hotel- und Taxigutscheinen informieren.

Die Deutsche Bahn erstattet gestrandeten Reisenden die Kosten für nötige Übernachtungen. Das gilt, sofern die Fortsetzung der Fahrt am selben Tag unmöglich oder unzumutbar ist. Das schreiben die Fahrgastrechte der Bahn vor. Alternativ ersetzt die Bahn die Kosten für ein anderes Verkehrsmittel in Höhe von maximal 80 Euro, wie das Unternehmen erklärt. Organisiert die Bahn ein anderes Verkehrsmittel oder eine Übernachtungsmöglichkeit, so hat dies Vorrang vor einer selbst organisierten Alternative.

Auch am Freitag wird der Bahnverkehr noch deutlich eingeschränkt sein. Betroffene Strecken müssten erst mit Hubschraubern abgeflogen werden, um mögliche Schäden zu sichten, erklärte ein Bahnsprecher. Dann müsse eine Lok ohne Fahrgäste die Strecke abfahren, bis klar sei, dass die Gleise nutzbar sind. Erste Reparaturtrupps waren den Angaben zufolge schon am Donnerstag im Einsatz, um Oberleitungen zu reparieren und Bäume von Gleisen zu räumen.

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Unwetter: "Friederike" erschwert das Reisen

Kritik an dem sturmbedingten bundesweiten Stopp des Fernverkehrs kommt vom Fahrgastverband Pro Bahn: "Vorsicht ist natürlich immer eine gute Sache, aber man kann auch übervorsichtig sein", sagte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. Dort, wo der Wind schwächer sei und keine Bäume an den Gleisen stünden, müsse der Betrieb nicht eingestellt werden.

Die Nutzung sogenannter Aufenthaltszüge in den Bahnhöfen seien zwar besser, als unterwegs zu stranden. "Aber wenn ich weiß, dass die Strecke noch frei ist, sollte ich versuchen, die Leute noch nach Hause zu bringen. Das kann man mit reduzierter Geschwindigkeit machen." Der Bahn-Stillstand in ganz Deutschland sei "undifferenziert", sagte Naumann weiter. "Man muss dort den Verkehr einstellen, wo es nicht geht und wo Gefahr droht. Und wenn die Gefahr nicht überall droht, dann muss man auch den Verkehr nicht überall einstellen."

Ausfälle bei innerdeutschen Flügen

Der Sturm sorgt auch für Flugausfälle. Der Flughafen Köln/Bonn unterbrach den Flugbetrieb am Mittag für eine Stunde, in Düsseldorf gab es 18 Annullierungen. Am Flughafen Paderborn musste wegen Gebäudeschaden ein Terminal evakuiert werden, der Betrieb wurde eingestellt. Auch in München und Hamburg blieben Flugzeuge am Boden.

"Die Wetterlage im Westen Deutschlands hat sich verschärft", sagte am Nachmittag der Sprecher der Berliner Flughäfen, Lars Wagner. Nachdem am Vormittag bereits Verbindungen zwischen Amsterdam und Berlin gestrichen wurden, sind nun auch mehrere innerdeutsche Strecken betroffen.

Da an mehreren Flughäfen im Westen Maschinen am Boden blieben, fehlten sie am Flughafen Berlin-Tegel für Flüge zurück in die betroffenen Städte. Je zehn Ankünfte und Abflüge in der Hauptstadt seien gestrichen, weitere Ausfälle seien nicht ausgeschlossen.

abl/fok/dpa/AFP

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