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Reise

Alternativziele

Tausche Venedig gegen Chioggia

Venedig ist toll, Mallorca wunderschön - und sollte man nicht einmal den Yellowstone Park gesehen haben? Doch die Reiselust vergeht, wenn zu viele Urlauber die gleichen Pläne haben. Hier sind Alternativen.

Armin Herb / SRT
Mittwoch, 11.04.2018   05:19 Uhr

Immer mehr Menschen gehen weltweit auf Reisen - und für einige Orte bedeutet das schon: zu viele. Die Bewohner von Venedig, Barcelona oder Mallorca etwa sind vom Andrang überfordert, Touristen von der Fülle genervt. Wer also Ruhe statt Rummel sucht, sollte Alternativen ins Auge fassen:

Menorca statt Mallorca: Stressfrei in Maó

2017 kamen rund 13 Millionen ausländische Urlauber auf die Balearen. Die allermeisten davon, rund zehn Millionen, verbrachten ihren Urlaub auf Mallorca. Zu wenig Trinkwasser und zu viel Müll waren die Folge. Der Run auf die größte der Baleareninseln gefährdet ernsthaft die Umwelt. Der Inselrat denkt über eine Begrenzung der gegenwärtig 400.000 Hotelbetten nach.

Bedeutend gemütlicher geht es hingegen auf Menorca zu. Mit etwa 50 Kilometer Länge und 20 Kilometer Breite sowie rund 90.000 Einwohnern ist das Eiland viel kleiner als die große Schwester im Süden. Außerdem erklärte die Unesco 1993 die Insel zum Biosphärenreservat und bewahrte somit Menorca vor Zersiedelung und Massentourismus. Zwar genießen immer mehr Urlauber die schönen Strände im Süden der Insel, und es gibt Pläne, mehr Kreuzfahrtschiffe hier ankern zu lassen. Doch vorerst ist Urlaub auf Menorca mit seiner idyllischen Hauptstadt Maó noch stressfrei.

Chioggia statt Venedig: Strand vor der Haustür

Venedig wird jährlich von fast 30 Millionen Besuchern geradezu überrannt. Viele sind Tagestouristen. Vor allem die Kreuzfahrtschiffe, die durch die Lagune fahren, sind Anliegern und Naturschützern ein Dorn im Auge. Innerhalb weniger Stunden spülen sie Tausende von Reisenden in die Stadt, verpesten die Luft und bringen die auf Holzpfählen gebauten Gebäude buchstäblich ins Wanken.

Wer verstopften Gassen, schwitzenden Menschenmassen und genervten Anwohnern entgehen will und auch keine Lust hat, sich für die Besichtigung des Markusdoms anzustellen beziehungsweise auf dem Markusplatz für einen Cappuccino ein kleines Vermögen zu bezahlen, der weicht auf Chioggia aus.

Die kleine Fischerstadt liegt im Süden von Venedigs Lagune, lockt mit einer übersichtlichen Altstadt inklusive Kanälen, Brücken, Stegen und viel Flair. Natürlich ist die Ponte Vigo nicht vergleichbar mit der Rialtobrücke, aber dafür drängelt keiner hinter einem, weil er auch fotografieren will. Zudem hat Chioggia mit Sottomarina einen ortseigenen Badestrand, den man zu Fuß erreichen kann.

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Alternativziele: So wie Mallorca, nur leerer

Split statt Dubrovnik: Paläste und Piazzas

Unesco-Welterbe zu sein und als "Perle der Adria" zu gelten, ist Fluch und Segen zugleich. Dubrovnik, vor allem die Altstadt, ist klein und wirklich malerisch. Aber mehr als 1,5 Millionen Urlauber pro Jahr stehen nur rund 40.000 Einwohnern gegenüber. Auch hier verärgern zu viele Kreuzfahrtpassagiere die Einheimischen: Sie sind nur kurz da, geben kaum Geld aus, aber hinterlassen viel Müll. Die Unesco drohte bereits, der Stadt den Titel zu entziehen. Deswegen ist die Beschränkung von 8000 Kreuzfahrtbesuchern pro Tag geplant.

Auch Split hat jede Menge Touristen. Aber die Stadt ist bedeutend größer und daher verteilen sie sich besser. Römer, Venezianer, Osmanen und Habsburger - wie in Dubrovnik - haben hier alle ihre kulturellen Spuren hinterlassen. Wer also gerne von Palast zu Palast bummelt, auf den Piazzas in den Cafés entspannt und sich an der Uferpromenade "Riva" die sanfte Brise um die Nase wehen lässt, sollte sich freuen, dass er dem Trubel und der Enge Dubrovniks entkommen ist. Auf keinen Fall versäumen: Der Diokletianpalast aus dem vierten Jahrhundert zählt wie das Rathaus zum Unesco-Welterbe.

Chicago statt New York: Skyscraper mit Historie

Fußballer Bastian Schweinsteiger und seine Familie fühlen sich sehr wohl in der drittgrößten Stadt der USA. Wolkenkratzer, Wasser und jede Menge Warenhäuser: Chicago hat alles, was auch New York hat. Es ist nur viel kleiner, und nicht alles konzentriert sich auf der Halbinsel Manhattan, sondern dehnt sich entlang des Michigansees aus.

Architekturgeschichte schrieb die Stadt mit dem Sears Tower, der bis 1998 das höchste Gebäude der Welt war. Inzwischen wurde er verkauft und in Willis Tower umbenannt. Die höchsten Hochhäuser stehen zwar in Asien. Aber Chicago bleibt ein Zentrum der Architektur. Apropos Museen, Theater, Parks und vor allem die kreative Restaurantszene - viele Urlauber fragen sich nach ihrem Besuch, warum die Metropole in Illinois so lange für sie kein Thema war.

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Stanley in Idaho

Stanley in Idaho statt Yellowstone Park: Chillen in heißen Quellen

Alljährlich strömen über vier Millionen Besucher in den Yellowstone Park, der größtenteils in Wyoming liegt. Vor allem Geysire und bizarre Kalkterrassenlandschaften gehören zu den Attraktionen. Hinzu kommen Bisons, Rentiere und Bären. Weil die meisten Besucher vor allem in der warmen Jahreszeit in den US-Nationalpark reisen und die Unterkünfte begrenzt sind, geht ohne Vorbuchungen gar nichts, und an den interessanten Stellen wird es voll. Zum Beispiel zum Sonnenuntergang, wenn Geysir Old Faithful vor dem gleichnamigen Hotel in regelmäßigen Intervallen riesige Wasserfontänen in die Luft schießt.

Ruhiger geht es dagegen rund um Stanley in Idaho zu. Mit unter 100 Einwohnern ist das Nest guter Ausgangspunkt, um die grandiose Natur zu erleben. Sie hat Ähnlichkeit mit Yellowstone, nur dass dies eben kein Nationalpark mit strengen Vorschriften und überfüllten Herbergen ist. Stattdessen chillen die Besucher in den heißen Quellen von Kirkham. Oder sie fischen Lachs in einem der klaren Seen oder reiten durch unberührte Wälder.

Tinga Horny, srt

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