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Paris klagt gegen Airbnb und Wimdu

Immer wieder werden die Auflagen gegen Airbnb verschärft - doch oft halten sich die Gastgeber nicht daran. Die Stadt Paris droht Unterkunftsportalen jetzt mit hohen Strafen.

Getty Images/EyeEm

Paris (Symbolbild)

Donnerstag, 12.04.2018   12:36 Uhr

Die Stadt Paris zieht gegen die Unterkunftsvermittler Airbnb und Wimdu vor Gericht. Sie wirft den Onlineplattformen vor, die Regeln für die kurzzeitige Vermietung möblierter Wohnräume an Touristen nicht einzuhalten.

Seit Dezember brauchen Privatleute, die in der französischen Hauptstadt gelegentlich Zimmer oder Wohnungen über solche Plattformen vermieten, eine Registrierungsnummer von der Stadtverwaltung. Doch nur rund 16 Prozent der 60.000 Pariser Anzeigen auf Airbnb führten eine entsprechende Nummer auf, teilte die Stadt mit.

Vergangenen Monat hatte die französische Regierung Pläne für Strafzahlungen angekündigt - so sollen die Plattformen 1000 Euro pro Tag für jede Anzeige zahlen, die dort ohne Registrierungsnummer steht, plus 5000 Euro pro Tag für jedes neue Angebot ohne Nummer.

Gerichtstermin am 12. Juni

Unter Verweis auf die Wohnungsknappheit in Paris bemüht sich die Stadtverwaltung schon länger, die Vermietung über Onlineplattformen stärker zu regulieren. In fünf Jahren habe Paris 20.000 Mietwohnungen verloren - die meisten davon seien in Ferienwohnungen umgewandelt worden, heißt es von Seiten der Stadt. Sie fordert nun per Eilverfahren, die Plattformen zu verpflichten, Anzeigen ohne Registrierungsnummer nicht mehr zu veröffentlichen. Ein Gerichtstermin sei bereits für den 12. Juni angesetzt.

Der in Berlin ansässige Anbieter Wimdu äußerte sich auf Anfrage "mehr als überrascht": "Wir haben seit einigen Wochen eine vertrauensvolle Kommunikation mit der Pariser Stadtverwaltung geführt, um die neuen Anforderungen besser zu verstehen."

Dabei habe das Unternehmen deutlich gemacht, dass es seine Gastgeber anhalten werde, die Nummern einzutragen, was natürlich etwas Zeit erfordere. "Wir sehen eine erhebliche Verletzung unserer Rechte und die unserer Gastgeber, wenn man uns nicht einmal die Chance für ein faires Verfahren gibt", teilte Wimdu mit.

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Airbnb vermittelt über sein Portal einzelne Zimmer bis hin zu ganzen Häusern an Touristen. Paris gehört zu den am meisten besuchten Städten der Welt und ist damit auch einer der Hauptmärkte für Airbnb. Insgesamt bietet der Vermittler in der französischen Hauptstadt rund 65.000 Unterkünfte an.

Das Unternehmen reagierte "enttäuscht" auf die Entscheidung der Stadt und kritisierte, die Regeln in Paris seien "komplex, verwirrend und für professionelle Anbieter und Großunternehmen gemacht".

Inzwischen gehen viele Städte gegen Airbnb vor. Auch Amsterdam verschärfte seine Auflagen Anfang des Jahres. Das Abgeordnetenhaus in Berlin hingegen nahm eine Änderung des Zweckentfremdungsverbotes für Wohnraum an. Ab 1. Mai wird es dadurch wieder einfacher, in der deutschen Hauptstadt eine Wohnung über Airbnb anzubieten.

Doch nicht nur in Europa gibt es Probleme mit der Plattform: In Singapur hat ein Gericht erstmals zwei Airbnb-Gastgeber mit einem Bußgeld für unerlaubtes Vermieten belegt. Insgesamt müssen sie 60.000 Singapur-Dollar (knapp 37.200 Euro) zahlen.

kry/dpa/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
frenchie3 12.04.2018
1. Es ist ja auch verdammt schwer
ein Pflichtfeld für Nummern in das Anzeigenformular zu packen. Vermutlich wissen 98 Prozent der Vermieter ohnehin daß sie die Nummer haben und angeben müssen, was will WIMDU und Co da diskutieren? Wer die Wohnlage in Paris [...]
ein Pflichtfeld für Nummern in das Anzeigenformular zu packen. Vermutlich wissen 98 Prozent der Vermieter ohnehin daß sie die Nummer haben und angeben müssen, was will WIMDU und Co da diskutieren? Wer die Wohnlage in Paris kennt begrüßt diese Maßnahme
modman 12.04.2018
2. Sooo unfair
...„Um die neuen Anforderungen besser zu verstehen“... sagt schon alles! Was gibt es da zu verstehen? AirBnB verschärft den Wohnungsmarkt in vielen Metropolen. Warüber reden wir denn da noch?
...„Um die neuen Anforderungen besser zu verstehen“... sagt schon alles! Was gibt es da zu verstehen? AirBnB verschärft den Wohnungsmarkt in vielen Metropolen. Warüber reden wir denn da noch?
der_rookie 13.04.2018
3. Hm
Die technische Lösung mit einem Pflichtfeld für neue Angebote wäre lächerlich einfach. Die Tatsache, dass die Firmen dies nicht eingeführt haben zeigt dass sie die Vorgaben in Paris nicht ernst genommen haben. Nun müssen [...]
Die technische Lösung mit einem Pflichtfeld für neue Angebote wäre lächerlich einfach. Die Tatsache, dass die Firmen dies nicht eingeführt haben zeigt dass sie die Vorgaben in Paris nicht ernst genommen haben. Nun müssen sie halt die Konsequenzen tragen.
alstro46 13.04.2018
4. Gefahr in Verzug?
Vielleicht befürchten aber diese Terror geplagten Städte auch nur das untertauchen von gefährlichen Personen!? Dieses dürfte in privaten Unterkünften auch leichter sein als im Hotel. Unter diesem Aspekt sehe ich die deutsche [...]
Vielleicht befürchten aber diese Terror geplagten Städte auch nur das untertauchen von gefährlichen Personen!? Dieses dürfte in privaten Unterkünften auch leichter sein als im Hotel. Unter diesem Aspekt sehe ich die deutsche Leichtigkeit eher kritisch.

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