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Reise

Platzmangel

Verkehrsverbünde fordern Bahnhofsumbauten

Tausende Reisende und jede Menge Shops: Am Bahnsteig ist es oft richtig voll. Zu voll, wenn es nach den Verkehrsverbünden geht. Sie fordern die Deutsche Bahn zum Umbauen der Bahnhöfe auf.

DPA

Frankfurter Hauptbahnhof

Freitag, 11.01.2019   10:47 Uhr

Angesichts von immer mehr Fahrgästen könnte es auf den großen Umsteigebahnhöfen in Deutschland nach Einschätzung der Verkehrsverbünde bald zu eng werden. Es müsse mehr Platz geschaffen werden, sagt der Hauptgeschäftsführer des Dachverbands der Träger des regionalen Bahnverkehrs (BAG-SPNV), Frank Zerban. Spätestens wenn der geplante "Deutschlandtakt" komme, bräuchten die Fahrgäste kurze und ausreichend dimensionierte Wege für schnelles Umsteigen.

An stark frequentierten Bahnhöfen sollten "als kurzfristige Maßnahmen Kioske und Automaten auf Bahnsteigen entfernt werden, die das Ein-, Aus- und Umsteigen behindern. Denn schon heute sind viele Bahnsteige zu schmal für die Menge an Fahrgästen." Außerdem: "Fahrgast-Informationen sollten nicht direkt am Ende von Treppen oder Rolltreppen installiert werden, weil sich die Reisenden dort sonst stauen."

Die Deutsche Bahn räumt den Umbaubedarf ein. Man habe die Kapazitäten der Bahnhöfe aber schon länger im Blick, sagte ein Konzernsprecher.

Die Bundesregierung strebe laut Koalitionsvertrag bis zum Jahr 2030 doppelt so viele Bahnfahrgäste an wie zuletzt - daran erinnert der Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonen-Nahverkehrs. Bereits von 2002 bis 2016 sei die Fahrgastzahl um 46 Prozent gestiegen. "Das ist ein Durchschnittswert", sagt Frank Zerban. "In den Ballungszentren war der Zuwachs noch größer."

Für stark genutzte Bahnhöfe sei "eine konkrete Analyse der Verkehrsströme" nötig: "Wo kommen die Fahrgäste an, wo wollen sie hin, wo kreuzen sich ihre Wege?" Es dürfe jedoch nicht bei einer Status-quo-Betrachtung bleiben. Auch künftige Änderungen wie der sogenannte Deutschlandtakt müssten einbezogen werden.

Hoffnungsschimmer: Deutschlandtakt

Darunter wird ein Fahrplanmodell verstanden, bei dem die Züge an wichtigen Umsteigestationen gleichzeitig eintreffen und kurz darauf wieder abfahren. Lange Umsteigezeiten von einer halben Stunde und mehr soll es dann nicht mehr geben. Als Zielmarke für die engere Verzahnung von Nah- und Fernverkehr hat die Bundesregierung das Jahr 2030 genannt.

"Der Deutschlandtakt wird schrittweise kommen, mit jedem Fahrplanwechsel wird es Verbesserungen geben", sagte Zerban. "Wenn die Knoten-Ausbaupläne realisiert sind - vor allem in Köln, Frankfurt und Hamburg -, wird es einen deutlichen Schub geben." Nach der Analyse sei zu prüfen, wo zusätzliche Zugänge gebraucht werden. "Die Planung muss rechtzeitig beginnen, weil solche Projekte Jahre in Anspruch nehmen." Das zeige das Beispiel des Hamburger Hauptbahnhofs, der bis 2030 umgebaut werden soll.

Die Bahn steht bei der Umrüstung der Bahnhöfe vor unterschiedlichen Herausforderungen. Bei Neubauten wie den Hauptbahnhöfen in Berlin und Stuttgart könne man größere Reisendenzahlen bereits einplanen, sagte der Sprecher. Gehe es um historische Gebäude wie den Hamburger Hauptbahnhof, versuche man erst einmal, Freiräume für mehr Laufwege zu schaffen. Anbauten seien oft schwierig zu verwirklichen, weil die Grundstücke ringsum meistens nicht der Bahn gehörten.

Eine Möglichkeit, um den vorhandenen Platz besser zu nutzen, sei auch die Koordination der ein- und ausfahrenden Züge, sodass nicht gleichzeitig aus zwei Zügen Passagiere aussteigen. Der Deutschlandtakt könne, wenn dann insgesamt mehr Züge unterwegs seien, zu einer besseren Verteilung der Fahrgastströme und geringen Spitzenbelastung der Bahnhöfe führen.

jus/dpa

insgesamt 18 Beiträge
giostamm11 11.01.2019
1. elektronischer Wagenhinweis
in Italien gibt es bei der HG Reservationspflicht. Der Zug hält perfekt genau an und am Steig gibt es Anzeigen zur Wagennummer. Jeder weiss vor Einfahrt genau wo er hin muss. Es gibt kein Gedränge. Ein Halt dauert kürzeste [...]
in Italien gibt es bei der HG Reservationspflicht. Der Zug hält perfekt genau an und am Steig gibt es Anzeigen zur Wagennummer. Jeder weiss vor Einfahrt genau wo er hin muss. Es gibt kein Gedränge. Ein Halt dauert kürzeste Zeit. Niemand hadtet herum und im Zug gibt es nur die Bewegung vom Eingang zum Platz, höchstens einen halben Waggon. Damit ist die Hochfrequenz möglich
giostamm11 11.01.2019
2. Deutschlandtakt
der wird nie kommen. Dazu ist weder die deutsche Politik, noch die Deutsche Bahn gerüstet. Denn das heisst perfekte Organisation, keine Verspätungen und keine Zugausfälle. Das ist in Deutschland unmöglich mit der [...]
der wird nie kommen. Dazu ist weder die deutsche Politik, noch die Deutsche Bahn gerüstet. Denn das heisst perfekte Organisation, keine Verspätungen und keine Zugausfälle. Das ist in Deutschland unmöglich mit der unpünktlichsten Bahn Westeuropas. Da müsste einiges passieren vorher
Marvin__ 11.01.2019
3. Die Bahnsteige wären mehr als ausreichend, wenn
1. Die Züge halbwegs pünktlich führen. Voll wird es, wenn sich auf dem Bahnsteig die Fahrgäste von mehreren Zügen sammeln, die eigentlich schon lange mit ihren Zügen weggefahren sein sollten. 2. Die [...]
1. Die Züge halbwegs pünktlich führen. Voll wird es, wenn sich auf dem Bahnsteig die Fahrgäste von mehreren Zügen sammeln, die eigentlich schon lange mit ihren Zügen weggefahren sein sollten. 2. Die Wagenstandsinformationen einigermaßen zuverlässig wären. Wenn der Zug für das vordere Bahnsteigende angekündigt ist und am hinteren Ende hält, müssen ein paar hundert Fahrgäste mit Gepäck über den Bahnsteig rennen. Noch schlimmer es, wenn in letzter Minute der Zug an ein anderes Gleis umgeleitet wird. Und völliges Chaos herrscht regelmäßig, wenn wegen vieler verspäteter Züge die Bahnsteige überfüllt sind und dann Gleise oder Haltepunkte kurzfristig geändert werden. Zumindest die Informationen könnte man kurzfristig und ohne Umbauten verbessern.
kreuzschnabel 11.01.2019
4. Ich glaube nicht an Paradigmenwechsel.
Bisher wurde ich in Sachen Bahn von vorne bis hinten belogen. In der Schlichtung zu S21 wurde ein sogenannter Deutschlandtakt vehement von der DB und ihren Politikern wegen Deutschlands Topographie als unrealisierbar und utopisch [...]
Bisher wurde ich in Sachen Bahn von vorne bis hinten belogen. In der Schlichtung zu S21 wurde ein sogenannter Deutschlandtakt vehement von der DB und ihren Politikern wegen Deutschlands Topographie als unrealisierbar und utopisch zurückgewisesen. Jetzt soll es trotz unveränderter Topographie und schlechterer Infrastruktur (S21 mit popeligen acht Gleisen) doch gehen? Ich glaube an solch einen Paradigmenwechsel erst, wenn entsprechende Infrastruktur dafür geschaffen wurde - mit hohlem Geschwätz kann man keinen Deutschlandtakt herbeireden, nur mit Taten: wenn das Umsteigen so schnell wie möglich erfolgen soll, dann muss man die zu Einkaufszentren verkommenen Bahnhöfe wieder zu echten Bahnhöfen umbauen. Immerhin hat man jetzt, ca. 20 Jahre nach mir, erkannt, dass die Verkaufsbuden in Unterführungen und auf Bahnsteigen den Verkehrsfluss behindern. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt.
zwischendominante 11.01.2019
5. In den Niederlanden
checkt man mit dem Ticket schon ein, bevor man den Bahnsteigsbereich betritt, damit kommen nur Reisende auf die Bahnsteige, zusätzliche Ticketkontrollen fallen weg. In Japan gab es schon vor gut 20 Jahren eine Markierung des [...]
checkt man mit dem Ticket schon ein, bevor man den Bahnsteigsbereich betritt, damit kommen nur Reisende auf die Bahnsteige, zusätzliche Ticketkontrollen fallen weg. In Japan gab es schon vor gut 20 Jahren eine Markierung des Haltes der richtigen Waggontür am Bahnsteig. Mir drängt sich zunehmend das Gefühl auf, in Deutschland will man gar keine wirklich gut durchdachten und modernen Lösungen für die Bürger.

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