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Reise

Fahrradurlaub an der Müritz

Kleines Meer, große Fische

Mehr als tausend Seen gibt es in der Mecklenburgischen Seenplatte - der größte von ihnen ist die Müritz. Eine Radtour führt rundherum, zu Müritzfischern, Fischbrötchenbuden und Kranichen.

Jens Schulze / SRT
Mittwoch, 02.08.2017   08:03 Uhr

Morgens um neun Uhr inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte. Müritzfischer Steffen Steinbeck und seine Kollegen begrüßen Urlauber, die mit Rute und Kescher in ihrem Revier an der Bolter Schleuse angeln wollen.

Das Highlight für viele der Hobbyangler wäre wohl, einen der bis zu 1,50 Meter langen Welse aus den Fischteichen hier zu ziehen. Auch Karpfen, Störe und Schleie schwimmen in den Gewässern. "Vor allem die Kinder sind begeistert", sagt Steinbeck. Der Mann mit dem imposanten weißen Vollbart freut sich besonders über die Neugierde der Kleinen, die beim Fischausnehmen über die dünnhäutige Schwimmblase staunen oder die Kiemen begutachten. "Das ist Natur live - das kann das Internet nicht toppen."

Wer keine Lust oder Geduld zum Angeln, aber Appetit auf Fisch hat, der kann ihn hier auch frisch oder geräuchert kaufen. "Zu DDR-Zeiten war der geräucherte Aal eine Art Währung", erzählt Steinbeck. "Dafür hat man schon eine Ladung Ziegelsteine oder einen großen Sack Zement bekommen."

Jedes Jahr reisen rund zwei Millionen Urlauber zur Mecklenburgischen Seenplatte, etwa ein Drittel von ihnen kommt an die Müritz. Wer keine Lust zum Fischen hat, geht segeln, paddeln, wandern - oder fährt Rad. Die Tour um die Müritz ist knapp 90 Kilometer lang. Wer will, der schafft sie an einem Tag - doch es gibt jede Menge Gründe, sich Zeit zu lassen und unterwegs ein bis zwei Übernachtungen einzuplanen.

Maränen im Müritzeum

Die gut ausgeschilderte Radstrecke führt durch Waldstücke, an Feldern entlang, durch Dörfer und Städtchen. Steigungen gibt es kaum - dafür zahlreiche Gelegenheiten, um im glasklaren Wasser zu baden, den Seeadler beim Fischefangen zu beobachten oder an einer ruhigen Stelle die Picknickdecke auszubreiten. Wer keinen Proviant dabeihat, kann sich unterwegs versorgen - mit Fischbrötchen an der Imbissbude oder raffinierten Gerichten in Hotelrestaurants.

Die meisten Radfahrer beginnen ihre Tour am nördlichen Ende des Sees in Waren. Das staatlich anerkannte Heilbad ist das touristische Zentrum der Müritz. Bevor es in den Sattel geht, empfiehlt es sich, den 54 Meter hohen Turm der St. Marienkirche zu erklimmen. Von hier sind die restaurierte Altstadt und der See gut zu überblicken.

Wer mehr über die Region wissen möchte, der taucht im Müritzeum in eine gigantische Aquarienlandschaft für heimische Süßwasserfische ab. Vor dem zweigeschossigen Becken mit dem silbrig glänzenden Maränenschwarm fragt ein kleines Mädchen fast ein wenig ängstlich: "Schwimmen diese Fische auch dort, wo ich immer baden gehe?" Ihr Vater schüttelt den Kopf und lächelt.

Vorbei am großen Stadthafen, in dem im Sommer Hunderte Boote liegen, führt der Radweg durch ursprünglichen Eichen-, Kiefern- und Buchenwald im Müritz-Nationalpark. Im Herbst rasten hier Tausende Kraniche vor dem Weiterflug nach Süden. Die Naturpark-Ranger bringen Besucher zu Unterständen, aus denen sie die Tiere beobachteten können.

Ein beliebtes Ausflugsziel im Müritz-Nationalpark ist der Aussichtsturm auf dem 100 Meter hohen Käflingsberg. Von einer Plattform genießen Schwindelfreie hier einen weiten Blick über die umliegende Wald- und Seenlandschaft, bevor es weitergeht nach Röbel.

Mehr als tausend Seen

Der zweitgrößte Ort an der Müritz gehört mit seinen schmucken Fachwerkhäusern und seinen beiden frühgotischen Backsteinkirchen zu den schönsten der Region. Im Heimatmuseums werden Dokumente über die 77 Hexenprozesse und die Saufgelage der Fischer im 17. Jahrhundert gezeigt.

Nicht weit vom Museum entfernt legt im Hafen ein Ausflugsdampfer an. Nebenan lichtet ein Segler den Anker und zwei Paddler stechen in See, lautstark begleitet von einer neugierigen Möwe. Die Müritz liegt in einem weit verzweigten Netz von Wasserstraßen, das mehr als tausend Seen verbindet.

Auf dem Radweg geht es weiter nach Klink - mit Fotostopp vor dem imposanten Hotelschloss, das 1898 im Stil der Neorenaissance als Herrenhaus erbaut wurde. Von Klink sind es nur noch knapp zehn Kilometer bis nach Waren - und die Runde um das 117 Quadratkilometer große Gewässer ist fast geschafft.

In der Sprache der slawischen Ur-Mecklenburger bedeutete Müritz übrigens "Kleines Meer". Fischer Steinbeck spricht von "meinem Haussee", der mitunter ganz schön hohe Wellen hat. Und wie war das mit der Legende von der Nixe, die in der Müritz einen großen Bernstein bewacht und Boote, die über diese Stelle fahren wollen, stundenlang wie von Geisterhand festhält? "Alles Seemannsgarn!", sagt Steinbeck dazu, lacht und winkt ab.

Katrin Schreiter, srt

insgesamt 1 Beitrag
ancoats 02.08.2017
1. Unbedingt zu empfehlen!
Fahrradtouren im Bereich der Müritz sind tatsächlich eine großartige Sache - gerade auch für weniger Geübte oder Kinder. Man muss ggf. auch nicht die ganze Müritz-Umrundung per Fahrrad stemmen: man kann alternativ von Waren [...]
Fahrradtouren im Bereich der Müritz sind tatsächlich eine großartige Sache - gerade auch für weniger Geübte oder Kinder. Man muss ggf. auch nicht die ganze Müritz-Umrundung per Fahrrad stemmen: man kann alternativ von Waren aus durch den Nationalpark bis Röbel fahren und von dort dann per Boot zurück nach Waren, ist auch sehr nett. Ein Besuch im Nationalpark wert ist auch das Infocebter Federow: dort gibt es u.a. eine Livekamera zu einem Fischadlerhorst sowie viele gute, auch kindgerechte Infos. Die Müritzlandschaft ist ein wirklich tolles Gebiet.
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