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26.11.2012
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Komplizierte Technik

Bahn rechnet beim ICE 3 mit weiteren Verzögerungen

dapd

Siemens-Werk: Software-Ingenieure stehen vor Schwierigkeiten

Der ICE 3 erinnert immer stärker an den Pannenflughafen in Berlin-Schönefeld: Ein neuer Liefertermin folgt dem anderen. Jetzt heißt es in Bahnkreisen, dass vor Juni wohl kaum mit einem Einsatz der neuen Highspeed-Züge zu rechnen sei.

Berlin - Die Auslieferung der neuen Schnellzüge für die Deutsche Bahn wird zu einem noch späteren Zeitpunkt erfolgen als bisher schon bekannt. Nach Einschätzung aus Bahnkreisen dürften die Velaro D genannten ICE 3 erst im Juni zur Verfügung stehen - statt wie ursprünglich geplant Anfang Dezember.

In der vergangenen Woche hatte Bahn-Technikvorstand Volker Kefer noch von einer Verzögerung von mindestens zwei Monaten gesprochen. Ein Siemens-Sprecher wollte die neuerlichen Lieferschwierigkeiten nicht kommentieren. Ein konkreter Termin sei überhaupt noch nicht festgelegt, sagte er.

Am vergangenen Mittwoch hatte Siemens mitgeteilt, dass die Lieferung der acht ICE 3 nicht wie geplant vor dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember erfolgen könne. Der Grund ist die komplexe Elektronik für die Leit- und Sicherungstechnik. Der Velaro muss insgesamt zehn verschiedene Systeme beherrschen, weil er in drei Ländern unterwegs sein soll.

Ein Problem ist, dass die Züge der neuesten ICE-Baureihe ohne Grund Notbremsungen einleiten oder Bremsbefehle des Lokführers nur verzögert umgesetzt werden. Bei einer Notbremsung aus voller Fahrt würde ein Zug dadurch erst 70 Meter später zum Stehen kommen.

Die Absage des ursprünglich vereinbarten Liefertermins sorgt bei der Bahn für großen Verdruss, weil man ursprünglich gehofft hatte, die Schnellzüge im Winter als zusätzlichen Sicherheitspuffer einsetzen zu können. Die derzeitige Flotte ist mit dem vorgesehenen Programm bereits weitgehend ausgelastet. Der Ausfall eines oder mehrerer Züge macht sich daher sofort bemerkbar. Auch die Zahl der Sonderzüge für den Weihnachtsverkehr dürfte geringer ausfallen als ursprünglich geplant. Das bedeutet unterm Strich volle Züge an Tagen mit vielen Reisenden.

Auch neue Achsen verzögern sich

Auch die Modernisierung der 63 ICE-3-Züge, die schon seit Jahren unterwegs sind, bereitet unerwartete Probleme. In der Flotte sollen alle rund 1200 Antriebsachsen nach und nach ausgetauscht werden. Das würde die Bahn entlasten. Denn die neuen Achsen müssen nach Bahnangaben nur noch alle 160.000 Kilometer per Ultraschall durchleuchtet werden. Bisher ist das aus Sicherheitsgründen alle 30.000 Kilometer nötig, entsprechend länger sind die Aufenthalte in der Werkstatt.

Noch im Sommer hatte es geheißen, dass bis zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember zehn der Hochgeschwindigkeitszüge umgerüstet sein sollten. Daraus wurde nichts, weil das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die neuen Achsen noch nicht zugelassen hat. Die Bahn hofft darauf, dass dies bis zum Jahresende geschehen wird. Die Austauschaktion wird gut zwei Jahre dauern, weil die Bahn möglichst wenige Züge aus dem laufenden Betrieb herausnehmen will.

Nach den Lieferverzögerungen bei den ICE-3-Zügen von Siemens wegen Softwarefehlern gibt es nun auch Probleme bei den Regionalzügen Talent 2. Der Hersteller Bombardier habe die Bahn am Donnerstag über Schwierigkeiten bei der geplanten Zulassung von 22 neuen Zügen beim EBA informiert, berichtete die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Industriekreise.

Eigentlich hätten demnach die ersten der 22 roten Talent-Züge in Hessen zum Winterfahrplan am 9. Dezember eingesetzt werden sollen. Die Bahn hatte im Jahr 2007 bei Bombardier 320 Züge im Wert von einer Milliarde Euro bestellt. 119 Züge sind inzwischen im Einsatz, hieß es in dem Bericht weiter.

mik

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