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05.12.2012
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Deutschlands schönste Rodelbahnen

Abwärts!

Stefan Herbke

Schlitten schnappen und den Hang hinab: Rodeln wird immer beliebter. Experte Stefan Herbke erklärt die Faszination des Sports, sagt, wo Deutschlands schönste Bahnen liegen und worauf man beim Rodeln mit Kindern achten sollte.

SPIEGEL ONLINE: Herr Herbke, Sie sind ADAC-Rodelbahn-Tester und haben jetzt ein zweites Buch über Rodelbahnen verfasst. Was mögen Sie an dem Sport?

Herbke: Beim Rodeln kann meine ganze Familie mitmachen. Wir sind draußen in der verschneiten Bergwelt, haben Spaß am Gleiten und an der Geschwindigkeit - das alles macht süchtig.

SPIEGEL ONLINE: Rodeln kann ja sehr schweißtreibend sein - wenn man erst die Hänge hochstapfen muss, die man hinterher abfährt…

Herbke: Ich persönlich finde die Bahnen, bei denen man vorher den Berg hochlaufen musste, sich die Abfahrt also erarbeitet hat, am interessantesten. Wenn der Schnee knirscht, die Schneekristalle in der Sonne glitzern, die Luft kalt ist und der Himmel blau - dann ist die Winterlandschaft wunderbar. Mit Kind ist es aber oft besser, die Gondel zu benutzen statt zwei Stunden zu Fuß hochzulaufen. Sonst gibt es eine gewaltige Nörgelei.

SPIEGEL ONLINE: Warum wird Schlittenfahren eigentlich immer beliebter?

Herbke: Skifahren ist im Verhältnis ein teurer Sport: Je nach Familiengröße muss man drei bis fünf Tagesskipässe kaufen, dazu kommt die ganze Ausrüstung, die man sich entweder anschaffen oder leihen muss. Das summiert sich. Beim Rodeln aber brauche ich neben der normalen Winterausrüstung nur einen Schlitten. Auch gehen immer mehr Skifahrer abends auf eine beleuchtete Rodelbahn.

SPIEGEL ONLINE: Was ist für Sie die perfekte Rodelstrecke?

Herbke: Je länger, desto besser. Sie muss aber auch abwechslungsreich mit vielen Kurven und Geraden sein. Und dann zählt für mich der Ausblick.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es denn in Deutschland eine Rodelhochburg?

Herbke: Ja, das Berchtesgadener Land. Da habe ich rund um den Talkessel vier, fünf Strecken. Und dann das Allgäu mit dem Imberger Horn in Bad Hindelang. Auf den Berg führt eine Gondelbahn, die kein Ski-, sondern ein Rodelgebiet erschließt. Oben an der Bergstation habe ich die Wahl zwischen drei Bahnen.

SPIEGEL ONLINE: Eine Gondel nur für Wanderer und Rodler - waren Rodelbahnen nicht bisher eher ein Zusatzgeschäft für Bergbahnen?

Herbke: Ja, aber in einigen kleinen Gebieten, die sonst nicht mehr konkurrenzfähig waren, haben die Bahnbetreiber inzwischen umgestellt. Sie haben sich gefragt: Wir können nicht mehr Lifte bauen, Schnee gibt es auch nicht mehr genug - und was gibt es anderes? Das Gebiet am Wallberg zum Beispiel, am Münchner Hausskiberg, hat vor einigen Jahren aufgehört, die Pisten zu präparieren und eine Rodelbahn gebaut. Die kommt so gut an, dass die Seilbahn nun mit den Schlittenfahrern ausgelastet ist und der Wallberg einer der beliebtesten Rodelberge Bayerns wurde.

SPIEGEL ONLINE: Was ist denn Ihre Lieblingsbahn?

Herbke: Das ist die im österreichischen Neukirchen am Wildkogel, sie ist mit 14 Kilometern eine der längsten Strecken der Alpen. Wenn ich da oben stehe, sehe ich auf der einen Seite in die schroffen, über 3000 Meter hohen Berge des Nationalparks Hohe Tauern und auf der anderen in die eher sanften Kitzbüheler Skiberge. Mehr als 1200 Höhenmeter tiefer liegt das langgezogene Oberpinzgau-Tal - macht mindestens eine halbe Stunde Abfahrt bis da unten.

SPIEGEL ONLINE: Und die beste Bahn in Deutschland?

Herbke: Hier ist der Hirscheckblitz am Toten Mann meine neue Lieblingsrodelbahn, sie hatte im vergangenen Winter Premiere. Sie liegt auf einem sanften Waldhügel mit wunderschönem Ausblick auf die Gipfel des Berchtesgadener Landes. Bei der Bahn selbst sind viele Kriterien in punkto Sicherheit und Orientierung umgesetzt, sie ist kurzweilig und schnell. An der Streckenführung hat auch der Ex-Rodelprofi Georg Hackl mitgewirkt. Das ist eine etwas sportlichere Bahn, da sollte man schon mal auf dem Schlitten gesessen haben.

SPIEGEL ONLINE: Also nichts für Anfänger...

Herbke: Generell gilt: Wenn man beim Rodeln das Tempo seinem Können anpasst, dann passiert eigentlich nichts. Wenn man aber über seine Verhältnisse fährt, dann ist Rodeln schon ein gefährlicher Sport. Man hat ja keine Knautschzone.

SPIEGEL ONLINE: Was muss man beachten, wenn man mit Kindern auf eine Naturrodelbahn geht?

Herbke: Kleinere Kinder hat man in der Regel vor sich auf dem Schlitten, im Falle einer Kollision wäre das Kind also der Airbag. Daher muss man unbedingt die Geschwindigkeit unter Kontrolle haben. Außerdem müssen die Füße des Kindes auf den Kufen stehen. Sonst ist die Verletzungsgefahr sehr hoch, wenn man in eine Bodenwelle hineinfährt. Wenn das Kind alt genug ist, um selber einen Schlitten zu lenken, gilt zunächst auch hier: Tempo dosieren.

SPIEGEL ONLINE: Welcher Schlitten eignet sich denn für Kinder am besten?

Herbke: Man sollte einen Schlitten mit einer stabiler Eisenbremse nehmen und keinesfalls einen Plastikbob, bei dem auch die Bremsen aus Plastik sind. Der ist gut für einen kleinen Rodelhügel hinterm Haus, aber nicht für eine Naturrodelbahn in den Bergen.

SPIEGEL ONLINE: Wie müssen Rodler ansonsten ausgerüstet sein?

Herbke: Man braucht wind- und wasserdichte Winterausrüstung und einen Helm, auch wenn dieser bisher keine Pflicht ist. Und sehr wichtig sind Bergschuhe mit rutschfester Profilsohle, nur damit kann ich auch bremsen. Mit Turnschuhen oder Moonboots hat man keine Chance, auf einer vielleicht vereisten Bahn zu bremsen oder zu steuern.

SPIEGEL ONLINE: Und welche Art Schlitten sollte es sein?

Herbke: Der Klassiker ist der Davoser Schlitten. Für den Anfang besser ist der Hörnerrodel, bei dem die Kufen nach oben hin verlängert und gut zu greifen sind. Hier liegt der Nachteil in den relativ schmalen Kufen, mit denen man im weichen Schnee leicht einsinkt. Schneller sind die Sportrodel mit ihren breiten, beweglich aufgehängten Kufen, mit denen man weniger einsinkt, die aber schwerer zu lenken sind. Deutlich bequemer und leichter zu steuern ist der Tourenrodel, ein abgespeckter Sportrodel, mit dem man auch flott unterwegs ist.

Das Interview führte Antje Blinda

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insgesamt 16 Beiträge
1. Gut*
pillorello 05.12.2012
* dass sie das mal aufgeschrieben haben. Sonst wäre das längst gewusste wieder in vergessenheit geraten.
* dass sie das mal aufgeschrieben haben. Sonst wäre das längst gewusste wieder in vergessenheit geraten.
2. mit einer kreek im schinkels park..
spargel_tarzan 05.12.2012
rüschen ist rodeln auf höchstem niveau. alles andere sind kaffeefahrten.
Zitat von sysopStefan Herbke Schlitten schnappen und den Hang hinab: Rodeln wird immer beliebter. Experte Stefan Herbke erklärt die Faszination des Sports, sagt, wo Deutschlands schönste Bahn liegen und worauf man bei Rodeln mit Kindern achten sollte. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/rodelbahnen-in-deutschland-a-870750.html
rüschen ist rodeln auf höchstem niveau. alles andere sind kaffeefahrten.
3. Ach nee!
Niamey 05.12.2012
Das hätte ich jetzt aber nicht gedacht! Irgendwie war mir so als wäre ich früher auch Rodeln gegangen. Meine Kinder auch. Und das man dazu vorher erst mal ein Buch lesen soll um zu wissen wie anstrengend das sein kann, ist [...]
Zitat von sysopStefan Herbke Schlitten schnappen und den Hang hinab: Rodeln wird immer beliebter. Experte Stefan Herbke erklärt die Faszination des Sports, sagt, wo Deutschlands schönste Bahn liegen und worauf man bei Rodeln mit Kindern achten sollte. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/rodelbahnen-in-deutschland-a-870750.html
Das hätte ich jetzt aber nicht gedacht! Irgendwie war mir so als wäre ich früher auch Rodeln gegangen. Meine Kinder auch. Und das man dazu vorher erst mal ein Buch lesen soll um zu wissen wie anstrengend das sein kann, ist mir nie richtig aufgegangen. Ob nun Rodeln oder Schlitten fahren, ist mit Kindern immer eine tolle Sache. Das kann jeder Papa auch ohne Führerschein vom Experten ;-)
4.
Stäffelesrutscher 05.12.2012
Bremse??? Rodel mit Bremse??? Also bitte ...
Zitat von sysopStefan Herbke Schlitten schnappen und den Hang hinab: Rodeln wird immer beliebter. Experte Stefan Herbke erklärt die Faszination des Sports, sagt, wo Deutschlands schönste Bahn liegen und worauf man bei Rodeln mit Kindern achten sollte. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/rodelbahnen-in-deutschland-a-870750.html
Bremse??? Rodel mit Bremse??? Also bitte ...
5.
achim68 05.12.2012
Also wirklich... Sie haben aber pädagogisch garnichts verstanden^^. Selbstverständlich gehört ein Kind heute auf dem Rodel in Protektoren eingepackt. Schußsichere Weste für den Fall von Terroranschlägen, hochwertiger [...]
Zitat von StäffelesrutscherBremse??? Rodel mit Bremse??? Also bitte ...
Also wirklich... Sie haben aber pädagogisch garnichts verstanden^^. Selbstverständlich gehört ein Kind heute auf dem Rodel in Protektoren eingepackt. Schußsichere Weste für den Fall von Terroranschlägen, hochwertiger Motorrad-Integralhelm mit selbstverdunkelndem Sichtschutz und Antarktistauglische Hightechstiefel. Sonst sind Sie als Vater wirklich unverantwortlich. *gg Fragen Sie mich bitte nicht wie ich (wir?) die 70er überlebt haben. Jeans, Gummistiefel, angeknackter Holzschlitten den schon Opa benutzt hat... und nichteinmal ein Handy mit aktivierter GPS Ortung... wirklich ein Wunder dass es uns noch gibt...

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Zur Person

  • Iris Wörnlein-Herbke
    Stefan Herbke, 45, ist Reisejournalist mit Schwerpunkt Bergsport und wohnt in Beilngries im Altmühltal. Bisher hat er zwei Führer zu Rodelbahnen in Deutschland und den Alpen herausgegeben, beim ADAC-Rodelbahnen-Test war er einer der Prüfer.

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