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15.12.2012
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Darß im Winter

Wo sich Seeadler und Wildsau gute Nacht sagen

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TMN

Auf dem Bodden Schlittschuhlaufen, gefrorenen Sand unter den Füßen spüren: Der Darß hat in der kalten Jahreszeit nicht nur eisige Winde zu bieten, sondern auch echten Winterzauber. Wanderer finden ihn in verlassenen Bootshäfen, eisigen Schilfgürteln - und in Form von hölzernen Urwaldruinen.

Kaum vorstellbar, dass die Badegäste hier im Sommer zu Tausenden liegen. Der feinsandige und weitläufige Darßer Weststrand ist im Winter beinahe menschenleer. An manchen Stellen ist er auch nur noch wenige Meter schmal. Und auf einigen Abschnitten gleicht er einem undurchdringlichen Dickicht. Die Herbst- und Winterstürme haben zahllose Bäume auf den Strand geworfen. Denn der Darßwald reicht hier bis fast ans Wasser.

Wer nicht kilometerweit durch den Wald wandern will, findet am Parkplatz Drei Eichen einen guten Ausgangspunkt für Winterwanderungen am Weststrand. An Werktagen stehen dort nur wenige Autos. Zwischen dem Seebad Ahrenshoop und dem am Bodden gelegenen Dorf Born beginnen die geführten Wanderungen der Nationalpark-Ranger. Sie vermitteln auf den Touren alles Wissenswerte über den Darß und den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

Wen es auch im Winter schnell ans Wasser drängt, braucht etwa 20 Minuten zu Fuß. Ein paar Schritte noch durch den windgeschützten Wald: Dann braust ohne lange Vorwarnung der eisige Nordostwind über den Strand. Wo keine umgestürzten Kiefern und Buchen den Weg versperren, lässt es sich auf dem festgefrorenen Sand auch gegen den Wind herrlich laufen.

Hier und da stöbern warm angezogene Sammler an der Wasserkante im Schwemmgut. Manche suchen Bernstein, andere ungewöhnliche Hölzer oder Hühnergötter, wie die Steine mit Löchern genannt werden. Wind und Wellen haben ganze Arbeit geleistet: An vielen Stellen hat sich die Küstenlinie verändert. Der Sand, der hier am Weststrand abgetragen wird, landet am Darßer Ort, einer Landzunge, die sich immer weiter in die Ostsee hinaus verlängert.

Zurück nach Drei Eichen geht es auf einem der vielen Pfade durch den Darßer Urwald. Überall riesige alte Buchen, dazwischen Eichen und Birken. Hier und da ragen von Pilzen besiedelte Bäume als hölzerne Ruinen gen Himmel. Andere Stämme in der sogenannten Kernzone des Nationalparks sind vor Altersschwäche umgestürzt und schon halb vermodert. Die Gräben rechts und links der Wege sind randvoll mit dunkelbraunem, moorigem Wasser, das von einer dünnen Eisdecke überzogen ist. Der Wald wirkt hier fast ein wenig unheimlich.

Schlitterpartie am Bodden

Mit dem Auto ist man in wenigen Minuten in Wieck, einem kleinen staatlich anerkannten Erholungsort am Bodden. Alte Häuser stehen hier und neue, die sich an den alten Stil anlehnen, viele mit Rohrdach. Im Zentrum des Ortes steht die Darßer Arche, ein kleines Museums- und Ausstellungsgebäude. Dort findet man auch das Nationalpark- und das Gästezentrum.

Viel los ist nicht. Auch im Bootshafen herrscht Winterschlaf. Und auch in Sachen Gastronomie haben Besucher nicht viel Auswahl. Das touristische Leben des Dorfes scheint sich um diese Jahreszeit auf ein einzelnes Hotel zu konzentrieren, das sich der regionalen Küche verschrieben hat: Fisch aus dem Bodden, Wild aus dem Darßwald, Käse und Gemüse in Bioqualität.

Nach dem ausgiebigen Frühstück steht am nächsten Tag eine Wanderung auf der Boddenseite der Halbinsel auf dem Programm. Ausgangspunkt ist der Hafen von Althagen. Auf dem Deich führt der Weg Richtung Niehagen. Links davon erstrecken sich zugefrorene Wasserflächen, auf denen zwei Schlittschuhläufer ihr Glück versuchen. Auch Spaziergänger wagen ein paar Schritte auf das Eis.

Hinter Niehagen führt der Weg in weitem Bogen zwischen Wiesen und Schilfgürtel Richtung Wustrow. Der Wind bläst kräftig über das weite, flache Land und den im Sonnenlicht glitzernden Bodden. Auf uralten Äckern scharren Hirsche nach Futter.

Von Weitem ist die Backsteinkirche von Wustrow zu sehen. Der Turm, der den besten Blick über die Halbinsel ermöglichen soll, ist an diesem Tag geschlossen. Auch im Ort herrscht Ruhe. Nur wenige Wintergäste spazieren auf die Seebrücke, die 240 Meter weit in die Ostsee ragt. Im Kneipenrestaurant am Strand sind sogar Fensterplätze mit Blick aufs Wasser frei. Nach Grünkohl oder Waffeln mit heißen Kirschen führt der Weg dann am Ostseestrand oder oben, am "Hohen Ufer" entlang nach Althagen zurück.

Schweinelegende vom Darßwald

An manchen Tagen haben Winterwanderer den Strand von Prerow fast für sich. An einer sanft geschwungenen Bucht verbirgt sich einer der größten und wohl schönsten Campingplätze der deutschen Ostsee. Wo im Sommer das Leben pulsiert, bestimmen jetzt Möwen und Schwäne das Bild. Die Wellen haben kleine Eisschollen zu Barrieren zusammengetrieben. Dahinter blinkt grünblaues Wasser.

Am Ende der Prerower Bucht dümpelt der Seenotrettungskreuzer "Theo Fischer" auf dem Wasser und wartet auf Einsätze. Auf einem Holzsteg kann man das Hafenbecken überqueren. Auf der anderen Seite leben Wildschweine. Überall ist der Boden durchwühlt. Vor Jahren gab es einmal die Meldung, im Darßwald hätten sich Wanderer vor einer angreifenden Wildsau auf einen Baum gerettet. An diesem Tag ist kein Schwein zu sehen.

Ein neuer Plankenweg führt durch sumpfiges Gelände und die sonnenbeschienene Dünenlandschaft Darßer Ort. Es ist still, weit hinten zieht am Himmel ein Seeadler seine Kreise. Der Steg endet am Strand, wo der Leuchtturm steht, der 1991 restauriert wurde und mehr als 30 Meter hoch ist.

Wer die rund 120 Stufen bewältigt, kann über Darßwald, Strand und Ostsee blicken. Im Winter ist der Turm allerdings ebenso wie das nahe, zum Meeresmuseum Stralsund gehörende Natureum nicht jeden Tag geöffnet. Wer hier vor verschlossener Tür steht, muss sich aber nicht grämen. Auf dem Rückweg nach Prerow wartet eine andere Attraktion: der einsame Darßwald.

Karte

Matthias Brunnert/dpa/jus

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insgesamt 5 Beiträge
1. Der Darß, der himmlische Darß !
spejismo 15.12.2012
Seit ich in Wustrow und Ahrenshoop war, spiele ich regelmäßig Lotto. Ein Traum würde sich realisieren, wenn ich dort ein Häuschen, direkt am Baltikum, hätte. In Sommer jedoch würde ich einen ruhigeren Ort aussuchen.
Zitat von sysopAuf dem Bodden Schlittschuhlaufen, gefrorenen Sand unter den Füßen spüren: Der Darß hat in der kalten Jahreszeit nicht nur eisige Winde zu bieten, sondern auch echten Winterzauber. Wanderer finden ihn in verlassenen Bootshäfen, eisigen Schilfgürteln - und in Form von hölzernen Urwald-Ruinen. Darß im Winter: Wandern und Radfahren zwischen Dünen und Wäldern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/deutschland/darss-im-winter-wandern-und-radfahren-zwischen-duenen-und-waeldern-a-873035.html)
Seit ich in Wustrow und Ahrenshoop war, spiele ich regelmäßig Lotto. Ein Traum würde sich realisieren, wenn ich dort ein Häuschen, direkt am Baltikum, hätte. In Sommer jedoch würde ich einen ruhigeren Ort aussuchen.
2. Keine Reklame bitte!
opa klaus 15.12.2012
Wir fahren seit 1992 auf den Darß nach Prerow, denn da ist man schnell mit dem Rad am Weststrand oder zu Fuß am Nordstrand. Für unseren Geschmack ist der Darß die schönste Ostseeküste von Deutschland, speziell im Herbst, wenn ca. [...]
Wir fahren seit 1992 auf den Darß nach Prerow, denn da ist man schnell mit dem Rad am Weststrand oder zu Fuß am Nordstrand. Für unseren Geschmack ist der Darß die schönste Ostseeküste von Deutschland, speziell im Herbst, wenn ca. 70000 Kraniche dort rasten und es Pilze ohne Ende gibt. Nur leider wird es immer voller!
3. Darss
Wilder Eber 15.12.2012
Meine Freundin ist auf dem Darss aufgewachsen, ich finde es da auch ganz ok, gerade zum Radfahren. Trotzdem finde ich das Angebot auf Usedom insgesamt besser. Der Darss könnte mit ein wenig mehr Angebot/Massnahmen (z.B. [...]
Zitat von sysopAuf dem Bodden Schlittschuhlaufen, gefrorenen Sand unter den Füßen spüren: Der Darß hat in der kalten Jahreszeit nicht nur eisige Winde zu bieten, sondern auch echten Winterzauber. Wanderer finden ihn in verlassenen Bootshäfen, eisigen Schilfgürteln - und in Form von hölzernen Urwald-Ruinen. Darß im Winter: Wandern und Radfahren zwischen Dünen und Wäldern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/deutschland/darss-im-winter-wandern-und-radfahren-zwischen-duenen-und-waeldern-a-873035.html)
Meine Freundin ist auf dem Darss aufgewachsen, ich finde es da auch ganz ok, gerade zum Radfahren. Trotzdem finde ich das Angebot auf Usedom insgesamt besser. Der Darss könnte mit ein wenig mehr Angebot/Massnahmen (z.B. kleine Bars auf dem Strand, wie in Binz) erheblich an Attraktivität gewinnen.
4. Wustrow
mikaelas 15.12.2012
bin in Wustrow zur Seefahrtschule gegangen. Im Sommer ging die Post ab, gleich nach dem Unterricht ging es an den FKK Strand, der befand sich nur 100 m entfernt.
bin in Wustrow zur Seefahrtschule gegangen. Im Sommer ging die Post ab, gleich nach dem Unterricht ging es an den FKK Strand, der befand sich nur 100 m entfernt.
5. Eine wirklich traumhafte Gegend
earl grey 17.12.2012
Ich fahre ab und zu mal auf ein Wochenende nach Zingst, dann fahren wir mit dem Rad dort herum. Eine wirklich traumhafte Gegend. Nur das mit dem Häuschen habe ich mir nach Studium der Immobilienpreise schnell verkniffen; die [...]
Zitat von spejismoSeit ich in Wustrow und Ahrenshoop war, spiele ich regelmäßig Lotto. Ein Traum würde sich realisieren, wenn ich dort ein Häuschen, direkt am Baltikum, hätte. In Sommer jedoch würde ich einen ruhigeren Ort aussuchen.
Ich fahre ab und zu mal auf ein Wochenende nach Zingst, dann fahren wir mit dem Rad dort herum. Eine wirklich traumhafte Gegend. Nur das mit dem Häuschen habe ich mir nach Studium der Immobilienpreise schnell verkniffen; die sind weit überzogen. Im Sommer wird es wohl in Zukunft noch etwas voller; die Zufahrtstrasse, bisher 1 Spur pro Richtung, wird gerade ausgebaut... es ist jetzt schon im Sommer zu voll. Wo sollen dann die ganzen Autos hin? Die Verantwortlichen müssen aufpassen, die Gegend nicht im Tourismus zu ersticken.

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