Lade Daten...
22.12.2012
Schrift:
-
+

Krimitour durch Münster

Weitergehen! Hier gibt's viel zu sehen!

Fotos
TMN

In Münster hat das Verbrechen Konjunktur - zumindest im Fernsehen. Das "Tatort"-Duo Thiel und Boerne ermittelt in der westfälischen Stadt genauso erfolgreich wie der ZDF-Detektiv Wilsberg. Fans der Serien können hier ebenfalls auf Spurensuche gehen.

Am Straßenzug Drubbel lässt Patrick Gurris die Besuchergruppe zum ersten Mal anhalten. "Wissen Sie, was ein Drubbel ist?", fragt der Stadtführer die Krimifans. "Drubbel nennt man im westfälischen Platt eine Ansammlung von kleinen Häusern." Die standen an dieser Stelle noch bis zum Jahr 1906 und wurden dann abgerissen.

"Den Namen Drubbel könnte man auch für die Fernsehkrimis aus Münster anwenden. Denn im Zentrum zwischen Rathaus, Lambertikirche, Universität und Dom drubbeln sich die Drehorte", sagt Gurris mit einem verschmitzten Lachen.

Seit beinahe 20 Jahren ist Münster Schauplatz für mörderische Fernsehunterhaltung: Im ZDF sorgt Privatdetektiv und Antiquitätenhändler Georg Wilsberg (gespielt von Leonard Lansink) am Samstagabend für Spannung. In der ARD jagen seit Oktober 2002 Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl), Gerichtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und seine Assistentin Silke Haller (Christine Urspruch) im "Tatort" aus Münster die fiktiven Mörder.

Fernsehen alleine reicht vielen Zuschauern nicht: Immer mehr Fans gehen bei speziellen Stadtführungen in der Universitätsstadt auf Krimitour. "Leichen - Waffen - Kommissare" ist das Motto eines 90 Minuten dauernden Stadtrundgangs. Er führt an sieben Stationen nicht nur zu den verschiedenen Drehorten der "Wilsberg"- und "Tatort"-Fernsehfilme mit fiktiven Mordfällen, sondern beleuchtet auch ein grausiges echtes Verbrechen.

Hochburg der Fahrraddiebe

"Im Jahr 1957 gab es in Münster den Fall Rohrbach, der bundesweit für viel Aufsehen gesorgt hat", erzählt Gurris. Sanft und friedlich fließt das Flüsschen Münstersche Aa am Spiekerhof vorbei. Gurris berichtet Schauriges: "Leichenteile von Hermann Rohrbach wurden am Aasee gefunden, durch den dieser kleine Bach fließt."

In Verdacht sei schon bald Rohrbachs Frau Maria geraten. 1958 verurteilte sie das Gericht in einem aufsehenerregenden Indizienprozess wegen Mordes zu lebenslangem Zuchthaus. 1961 wurde das Verfahren wieder aufgenommen und Maria Rohrbach mangels Beweisen freigesprochen. Wer Hermann Rohrbach nun ermordet und so grausam zerstückelt hat, wurde bis heute nicht geklärt.

Münster - die Hauptstadt des Verbrechens? "Ach was!", winkt Patrick Gurris ab. Die Besuchergruppe schaut dennoch etwas ängstlich drein. In der Realität gilt Münster laut Statistik als eine der sichersten Städte in Nordrhein-Westfalen. Allerdings hat sie in Deutschland einen Spitzenplatz beim Diebstahl von Fahrrädern, was jedoch nicht weiter erstaunen muss: In der Stadt mit mehr als 290.000 Einwohnern gibt es nach Schätzungen rund 500.000 Zweiräder.

Rekordquote für "Tatort" aus Münster

Die nächste Station der Krimitour führt im Schatten der gotischen Überwasserkirche zum Antiquariat von Michael Solder, die Basisstation aller Ermittlungen des kantigen ZDF-Privatdetektivs Wilsberg. Patrick Gurris erläutert den staunenden Besuchern: "Nur der Verkaufsraum des Antiquariats mit den vielen alten Büchern dient als Fernsehkulisse. Wilsbergs Küche steht in einem TV-Studio bei Köln."

Bis zu 30 TV-Leute sind während der Aufnahmen einer "Wilsberg"-Folge in Münster unterwegs - Schauspieler, Regisseur, Kameraleute, Maskenbildnerinnen und viele Assistenten. Pro Jahr werden in Münster zwei "Tatort"-Folgen und drei "Wilsberg"-Filme gedreht.

Mehr als zehn Millionen Zuschauer sehen die in Münster gedrehten "Tatort"-Fälle. Die letzte Folge Ende November war mit 12,11 Millionen Zuschauern gar der meistgesehene "Tatort" seit 19 Jahren. Damit zählen sie zu den erfolgreichsten Produktionen der ARD-Krimireihe.

Entsprechend beliebt sind auch die verschiedenen Krimi-Stadtführungen, die das ganze Jahr über angeboten werden. Fachmann Gurris, der als Drehbuchautor sogar eine Folge des Kölner "Tatort" mitverfasste (Folge 605 "Erfroren", aus dem Jahr 2005), sagt: "An jedem Rundgang nehmen bis zu 40 Gäste teil."

Bernd F. Meier/dpa/dkr

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
1. Nur leider
Gremlin_Monster 22.12.2012
...wird aus Kostengründen kaum noch in Münster gedreht. Beim letzten Tatort "Das Wunder von Wolbeck" war ein Paradebeispiel dafür: Die Hafenzene war die einzige Lokation in Münster, die im Tatort vorkam. Liebes [...]
...wird aus Kostengründen kaum noch in Münster gedreht. Beim letzten Tatort "Das Wunder von Wolbeck" war ein Paradebeispiel dafür: Die Hafenzene war die einzige Lokation in Münster, die im Tatort vorkam. Liebes Münster: Macht es den Filmemacher doch nicht so schwer! Bessere und günstigere Werbung könnt Ihr doch nicht bekommen. Also gebt Thiel & Boerne einen Ruck - in Münster.
2. Münster oder Köln?
dubuc 22.12.2012
Beim letzten Tatort wurden (fast) alle Aussenszenen in der Nähe von Köln gedreht. In Münster und Umgebung gibt es kein Großkraftwerk, das tauchte aber dauernd im Hintergrund auf. Befragungen von Ortskennern ergaben: Das [...]
Beim letzten Tatort wurden (fast) alle Aussenszenen in der Nähe von Köln gedreht. In Münster und Umgebung gibt es kein Großkraftwerk, das tauchte aber dauernd im Hintergrund auf. Befragungen von Ortskennern ergaben: Das vorgebliche Wolbeck ist Niederaussem, ein Ortsteil von Bergheim bei Köln. Auch die Luftaufnahme zeigen keinerlei Landschaft im Münsterland, es könnte sich auch hier um einen Teil des ehemaligen Braunkohletagebaus bei Hürth handeln. Zeigt das der Herr Gurris auch????
3.
loeweneule 22.12.2012
Bonn ist auch ein beliebter Drehort für den "Münster"-Tatort. Das Museum aus der Folge mit der Mumie etwa ist das Akademische Kunstmuseum gegenüber der Bonner Universität. Egal. Ich liebe Boerne und Thiel.
Bonn ist auch ein beliebter Drehort für den "Münster"-Tatort. Das Museum aus der Folge mit der Mumie etwa ist das Akademische Kunstmuseum gegenüber der Bonner Universität. Egal. Ich liebe Boerne und Thiel.
4. gruseliges Münster
veermaster 22.12.2012
Gibt noch mehr gruseliges in Münster: Als im Mittelalter Bischof und Fürst(?), jedenfalls geistiger und weltlicher Herrscher die Stadt von den aufmüfigen Wiedertäüfern zurückerobert hatten, sind die Überlebenden hingerichtet [...]
Gibt noch mehr gruseliges in Münster: Als im Mittelalter Bischof und Fürst(?), jedenfalls geistiger und weltlicher Herrscher die Stadt von den aufmüfigen Wiedertäüfern zurückerobert hatten, sind die Überlebenden hingerichtet worden - und dann hat man sie in Käfigen hoch oben an die Türme des Doms gehängt. Die hängen da heute noch.Die Käfige - der INhalt ist weg. Und zweitens: Münster hat die radikalsten Radfahrer Deutschlands. Hast in 10 Minuten Gelegenheit mindestens 5 Situartionen, in denen du eine(n) totfahren kannst - und wärst im Recht gewesen! Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Oder so ähnlich.
5. münsterländische Stadt
dersudbracker 22.12.2012
Soviel ich weiß, ist Münster keine westfälische Stadt, sondern liegt im Münsterland. Westfälische Städte sind z.B. Soest und Dortmund.
Soviel ich weiß, ist Münster keine westfälische Stadt, sondern liegt im Münsterland. Westfälische Städte sind z.B. Soest und Dortmund.

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter RSS
alles zum Thema Deutschland-Urlaub
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten