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23.01.2013
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Trendsport Indoor-Tauchen

Pressluft im Pott

Von Linus Geschke
Frank Schneider

Wenn draußen der Winter regiert, sind Tauchkurse in künstlichen Unterwasserwelten besonders beliebt. In beheizten Becken können Einsteiger an vielen Orten in Deutschland abtauchen - und sogar Haie vor die Maske bekommen.

Bunte Riffe, elegante Rochen und ein türkisfarbenes Meer: Meistens sind es Bilder wie diese, die Menschen dazu animieren, einen Tauchkurs zu absolvieren. Deutsche Seen, deren momentane Wassertemperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt rangieren, kommen dabei weniger vor.

Und dennoch ist gerade der Winter die beste Zeit, um mit einem Tauchkurs zu beginnen, behauptet Alexander Kaßler vom Fachmagazin "unterwasser": "Dank der vielen Indoor-Tauchzentren, die es mittlerweile bundesweit gibt, muss man im Winter auch nicht mehr frieren. Es gibt Becken mit 20 Meter Tiefe und 28 Grad Wassertemperatur, die wie geschaffen für die Tauchausbildung sind. Bei tropischer Wärme und besten Bedingungen können sich die Schüler dort die notwendigen Fähigkeiten aneignen, die sie zum Bestehen des Kurses brauchen."

Beheizte Anlagen wie das Dive4life in Siegburg oder das monte mare in Rheinbach bieten das ganze Jahr über Kurse an und werden auch von umliegenden Tauchschulen gern zur Ausbildung genutzt. "Momentan herrscht in den Indoorzentren Hochsaison", sagt Guido Wätzig vom Ausbildungsverband Scuba School International (SSI). "Wer jetzt mit den Kursen beginnt, kann dafür aber auch den ersten Tauchurlaub von Beginn an genießen, anstatt die ersten vier Urlaubstage mit der Ausbildung zu verbringen."

Rund 400 Taucher jährlich durchlaufen alleine im monte mare einen Einsteigerkurs, verrät Kerstin Weiland, Leiterin der dortigen Tauchschule. "Dazu kommen noch mal rund 2500 Schnuppertauchgänge - die Schüler der umliegenden Tauchschulen, die hier ebenfalls ausbilden, nicht mitgerechnet."

Nicht vom Preis locken lassen

Interessierte sollten dabei aber ein paar Grundregeln beachten, die in Deutschland ebenso gelten wie bei einer Tauchausbildung im Urlaub. "Anfänger sollten sich nicht von verdächtig günstigen Angeboten beeindrucken lassen", meint Thomas Kromp, Ausbildungsleiter des International Aquanautic Club (I.A.C.). "Etwas, das nichts kostet, ist in der Regel auch nichts. Verantwortungsbewusste und qualifizierte Tauchlehrer, die eine hochwertige Ausbildung anbieten, müssen auch einen dementsprechenden Preis verlangen: 300 bis 400 Euro für den Einsteigerkurs sind da ein guter Richtwert."

"Oftmals sind verdächtig günstige Kurspreise sowieso nur Lockangebote", weiß Ariane Schild von der Kölner Tauchschule rHeintauchen. "Später wird dann abkassiert: Für den Eintritt ins Tauchzentrum oder für die notwendigen Lernmaterialien. Besonders beliebt: Das günstige Angebot gilt nur, wenn gleichzeitig zu horrenden Preisen auch die Leihausrüstung gemietet wird. Eine seriöse Tauchschule hat diese zumeist im Preis inkludiert."

Aber es sind nicht nur Anfänger und Tauchschulen, die die künstlichen Welten aufsuchen. Auch erfahrene Taucher nutzen die wohltemperierten Becken, um dort Übungen zu machen, neues Equipment zu testen oder um sich für den nächsten Urlaub in Form zu bringen. "Wir haben Gäste", so Kerstin Weiland, "die kommen alle zwei Wochen bei uns vorbei - und dies das ganze Jahr über."

Doch was haben die Anlagen außer Wärme noch zu bieten? SPIEGEL ONLINE hat sich in Nordrhein-Westfalen drei der beliebtesten Unterwasserwelten genauer angesehen.

Dive4life/Siegburg

Mit 20 Metern Maximaltiefe im drei Millionen Liter fassenden Becken ist das Dive4life das tiefste Indoorcenter Deutschlands. Ein Schwerpunkt liegt hier auf dem Ausbildungsbetrieb, der vom Anfänger bis zum Tauchlehrer reicht: Plattformen in vier und fünf Metern Tiefe sind ideal für die ersten Übungen im 26 Grad warmen Wasser. Ansonsten gibt es Skulpturen und nachgebaute Tempelanlagen zu sehen, man taucht an einem Plastikhai vorbei und kann kleine Höhlenpassagen durchqueren.

Ein angeschlossenes Hotel sowie ein Freizeitbad machen das Dive4life auch für Wochenendausflüge geeignet. Wie in allen anderen Anlagen ist auch hier eine Voranmeldung empfehlenswert.

monte mare/Rheinbach

Das unweit von Köln und Bonn gelegene monte mare gilt vielen Tauchern als das abwechslungsreichste Tauchbecken der Republik - und als das tropischste: Die gut zwei Millionen Liter Wasser haben eine Temperatur von 28 Grad. Mit einer Maximaltiefe von zehn Metern hat das monte mare ein ideales Ausbildungsbecken, versehen mit drei Trainingsebenen, welches auch von vielen umliegenden Tauchschulen häufig genutzt wird.

Unter Wasser stößt man auf sprudelnde Vulkane und eine Götterstatue, durchquert Röhren und die Nachbildung eines Schiffswracks, welches kieloben auf Grund liegt. Ein Freizeitbad mit großem Saunabereich macht den Besuch im monte mare auch für die nichttauchende Begleitung interessant.

SeaLife/Oberhausen

Das Oberhausener SeaLife ist vermutlich das bekannteste Aquarium in Deutschland - dass es auch der exotischste Tauchplatz des Landes ist, wissen dagegen nur wenige. Mitten im Ruhrgebiet können ausgebildete Taucher hier mit Ammen- und Schwarzspitzenhaien tauchen, während Schildkröten, Stachelmakrelen und ein skurril aussehender Sägefisch um einen herumkreisen.

Möglich macht dies die Kooperation mit der Duisburger Tauchschule "einfach nur tauchen", die auch bei der regelmäßigen Reinigung des Beckens hilft. "Wir nehmen nur jeweils einen Besucher pro Guide mit", erklärt Tauchlehrer Dirk Wondrak, "und das auch nur, wenn wir uns vorher bei einem Probetauchgang von seinen Fähigkeiten überzeugt haben."

Für eine Stunde inmitten von Großfischen zahlt man 150 Euro. Das mag viel sein für einen einzigen Tauchgang - aber wenig für das Erlebnis, im deutschen Winter einen echten Hai vor die Maske zu bekommen.

Forum

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insgesamt 12 Beiträge
1. Tauchen im SeaLife
manu88 23.01.2013
Das Tauchen im SeaLife ist wirklich eine gigantische Erfahrung. Habe das ganze schon gemacht und bin begeistert. Allerdings nicht in Oberhausen, sondern im SeaLife München über die High Live Divers [...]
Das Tauchen im SeaLife ist wirklich eine gigantische Erfahrung. Habe das ganze schon gemacht und bin begeistert. Allerdings nicht in Oberhausen, sondern im SeaLife München über die High Live Divers (http://www.high-life-divers.com).
2. Indoor-Tauchen ist entbehrlich
jenskuhfs 23.01.2013
Wo bleibt das Abenteuer, das Entdecken, fremde Kulturen kennenlernen usw. !? Eingesperrte Tiere finde ich sowieso inakzeptabel. Richtiges Tauchen gibt es hier: http://www.divephotoguide.com/user/FalsaOrca/
Wo bleibt das Abenteuer, das Entdecken, fremde Kulturen kennenlernen usw. !? Eingesperrte Tiere finde ich sowieso inakzeptabel. Richtiges Tauchen gibt es hier: http://www.divephotoguide.com/user/FalsaOrca/
3. Tauchen ist wunderschön ...
Tom Joad 23.01.2013
... aufregend, ein Abenteuer, eine Begegnung mit einer fremden Welt, eine Bereicherung und Erweiterung des eigenen Horizonts - aber eines ist es nicht: Sport. Auch wenn es Sporttauchen heißt, die sportlichen Aspekte [...]
... aufregend, ein Abenteuer, eine Begegnung mit einer fremden Welt, eine Bereicherung und Erweiterung des eigenen Horizonts - aber eines ist es nicht: Sport. Auch wenn es Sporttauchen heißt, die sportlichen Aspekte beschränken sich dabei auf das Schleppen der Ausrüstung (entfällt beim Indoor-Tauchen) und auf das Anlegen des engen Taucheranzugs. Sobald man sich im Wasser befindet, ist Tauchen etwas für faule Leute und in etwa so anstrengend wie ein Sonntagsspaziergang. Wie gesagt, wunderschön und aufregend, aber kein "Sport".
4. Tauchen ist schon was sportliches
inline 23.01.2013
Naja, vielleicht nicht gerade Hochleistungssport, aber für Faule ist das definitiv nichts. Dabei muss man gar nicht mal an eine Woche Safari mit 4 Tauchgänge am Tag, Tiefen bis 40m und Gegenströmung denken, auch die [...]
Zitat von Tom Joad... aufregend, ein Abenteuer, eine Begegnung mit einer fremden Welt, eine Bereicherung und Erweiterung des eigenen Horizonts - aber eines ist es nicht: Sport. Auch wenn es Sporttauchen heißt, die sportlichen Aspekte beschränken sich dabei auf das Schleppen der Ausrüstung (entfällt beim Indoor-Tauchen) und auf das Anlegen des engen Taucheranzugs. Sobald man sich im Wasser befindet, ist Tauchen etwas für faule Leute und in etwa so anstrengend wie ein Sonntagsspaziergang. Wie gesagt, wunderschön und aufregend, aber kein "Sport".
Naja, vielleicht nicht gerade Hochleistungssport, aber für Faule ist das definitiv nichts. Dabei muss man gar nicht mal an eine Woche Safari mit 4 Tauchgänge am Tag, Tiefen bis 40m und Gegenströmung denken, auch die Stunde unter Wasser im See kann mit Flossenschlag und Lungentarierung durchaus anstrengend werden. Bliebe übrigens noch anzumerken, dass zum Erwerb des Tauchscheins auch zwingend Tauchgänge in Freigewässern, bei uns also Seen, dazu gehören
5.
inline 23.01.2013
Indoortauchen ist zum Lernen und Trainieren, kein Ersatz für richtiges Tauchen. Übrigens ebenso wir Indoorklettern nur wenig mit Bergen zu tun hat.
Zitat von jenskuhfsWo bleibt das Abenteuer, das Entdecken, fremde Kulturen kennenlernen usw. !? Eingesperrte Tiere finde ich sowieso inakzeptabel. Richtiges Tauchen gibt es hier: http://www.divephotoguide.com/user/FalsaOrca/
Indoortauchen ist zum Lernen und Trainieren, kein Ersatz für richtiges Tauchen. Übrigens ebenso wir Indoorklettern nur wenig mit Bergen zu tun hat.

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