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Reise

Hotel eines Metzgers

Zimmer mit Wurstblick

Das deutsche Wort Wurst ist international bekannt. Ein Metzger aus der fränkischen Provinz nutzt das, um seinen Familienbetrieb zukunftsfest zu machen. Mit einem Wursthotel will er Touristen aus aller Welt anlocken.

AFP
Mittwoch, 06.02.2019   11:43 Uhr

Ein Fleischermesser an der Wand weist im Treppenhaus den Weg zu den Zimmern, die Tapeten haben Wurstmuster und die Kissen sehen wie übergroße Würste aus: Das Bratwursthotel in Georgensgmünd muss für Vegetarier ein Alptraum sein. Erschaffen hat es der Metzgermeister Claus Böbel. Sein Konzept scheint zu funktionieren: Die Herberge in der fränkischen Provinz lockt Gäste von weit her.

Böbel öffnete das Bratwursthotel unter dem Namen BB&BB nach einer rund 700.000 Euro teuren Rundumrenovierung eines alten Wirtshauses im vergangenen Herbst. Mit den ersten Monaten sei er "hochzufrieden": "Es gab einige Tage, an denen ich schon ausgebucht war, und ich hatte Gäste aus der ganzen Welt."

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Hotel in Franken: Nacht unterm Bratwursthimmel

Auf Russisch, Japanisch oder Chinesisch verewigten sich seit der Eröffnung schon Besucher in seinem Gästebuch. Dass der Metzgermeister auf solche internationalen Gäste zählt, zeigt auch die Innenausstattung. So steht an den Wänden die Bezeichnung für Wurst in verschiedenen Sprachen - das russische kolbasa findet sich neben dem japanischen soseji oder dem griechischen loukaniko.

Dabei ist Wurst nach der Überzeugung des 48-Jährigen eigentlich ein Wort, das gar nicht übersetzt werden muss. "Wurst ist für mich der deutschsprachige Begriff schlechthin, der im Ausland am besten bekannt ist." Auch seine asiatischen Gäste verstünden, was mit Wurst gemeint sei.

Wer Böbels Bratwursthotel besucht, entkommt dem Fleischprodukt nirgends. Die Seifenstücke in den Badezimmern sind einer Wurst nachempfunden, die Badezimmertüren mit Zeichnungen von Schweinen verziert. Für muslimische oder jüdische Gäste bietet Böbel allerdings auch Würste ohne Schweinefleisch.

Zahl der Metzgereien in Deutschland sinkt

Der Metzger führt den Familienbetrieb in vierter Generation. Mit seinem Hotel will er den Familienbetrieb zukunftsfest zu machen. Die Zahl der Metzgereien in Deutschland ist rückläufig, zuletzt sank sie auf deutschlandweit 12.300 Betriebe im Jahr 2017. Allerdings ist das mittelständische Fleischerhandwerk trotzdem im Trend, trotz des Rückgangs der Betriebe stieg der Gesamtumsatz der Branche zuletzt an.

Für Jörg Ruckriegel, dem Tourismusverantwortlichen im Landkreis Roth, ist das Bratwursthotel auch aus touristischer Sicht "eine tolle Aktion". In der Region gebe es sehr viele regionale Produkte. Da sei es wichtig, wenn Betriebe mit ihren Ideen den Markt voranbringen.

Böbel hat direkt neben seinem Hotel seine Metzgerei, über einen Onlineshop verschickt er seine Produkte weltweit. Mit seiner Frau Monika gibt er außerdem Kurse im Wursten.

Kurz nach Eröffnung seines Hotels hatte er Jovina Sperling zu Besuch. Die Frau aus Lagos in Nigeria fühlte sich im Hotel "wie zu Hause" und konnte gleichzeitig für ihr eigenes Unternehmen in Afrika etwas lernen.

Sie kehre nach Nigeria zurück und wisse nun, wie deutsche Würste gemacht würden, schrieb Sperling in das Gästebuch. Sie will nun selbst nach deutschem Vorbild in Nigeria Wurstwaren herstellen - und vielleicht wird sie ja irgendwann nach fränkischem Vorbild das erste afrikanische Bratwursthotel eröffnen.

sth/AFP

insgesamt 4 Beiträge
.patou 06.02.2019
1.
Bild 5 weckt bei mir eher Assoziationen an "Bates Motel".
Bild 5 weckt bei mir eher Assoziationen an "Bates Motel".
Zeitwesen 06.02.2019
2. Ist mir eigentlich Wurst
Ist mir eigentlich Wurst..., aber das Interieur reisst mich nicht grad vom Hocker. Eine Wursttapete und Inhaltsstoffe an die Wand gehängt finde ich da schon...merkwürdig. Da wären wurstfarbene Schlafsäcke beispielsweise [...]
Ist mir eigentlich Wurst..., aber das Interieur reisst mich nicht grad vom Hocker. Eine Wursttapete und Inhaltsstoffe an die Wand gehängt finde ich da schon...merkwürdig. Da wären wurstfarbene Schlafsäcke beispielsweise schon lustiger gewesen.
k70-ingo 06.02.2019
3.
Mir ist das Interieur Wurst. Mir geht es um die Wurst bei den Mahlzeiten. Ich pflege den uralten Tipp zu beherzigen, in für ihre Kulinarik bekannten Gegenden wie z.B.Franken Unterkünfte zu wählen, die an eine [...]
Zitat von ZeitwesenIst mir eigentlich Wurst..., aber das Interieur reisst mich nicht grad vom Hocker. Eine Wursttapete und Inhaltsstoffe an die Wand gehängt finde ich da schon...merkwürdig. Da wären wurstfarbene Schlafsäcke beispielsweise schon lustiger gewesen.
Mir ist das Interieur Wurst. Mir geht es um die Wurst bei den Mahlzeiten. Ich pflege den uralten Tipp zu beherzigen, in für ihre Kulinarik bekannten Gegenden wie z.B.Franken Unterkünfte zu wählen, die an eine Fleischerei oder Bäckerei angeschlossen sind.
Danares 07.02.2019
4. Informationsvermittlung
Hat er auch ein Zimmer, in dem die genauen Bedingungen und Prozessabläufe illustriert sind, unter denen die Rohstofflieferanten ihr Leben gelassen haben? Das wäre zwar einerseits ehrlich, andererseits seinen Gästen wohl kaum [...]
Hat er auch ein Zimmer, in dem die genauen Bedingungen und Prozessabläufe illustriert sind, unter denen die Rohstofflieferanten ihr Leben gelassen haben? Das wäre zwar einerseits ehrlich, andererseits seinen Gästen wohl kaum zumutbar. Die Illusion, es wird bei einem Kleinproduzenten schon alles in Ordnung sein, ist da viel wichtiger.

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