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Reise

Winterurlaub in der Jugendherberge

Vom Stockbett auf die Piste

Man kann luxuriöser Winterurlaub machen als in einer Jugendherberge. Und wenn man gut plant, auch günstiger. Arne Ulbricht erklärt, warum er mit seinen Kindern trotzdem gerne im Mehrbettzimmer übernachtet.

Deutsches Jugendherbergswerk
Freitag, 19.01.2018   04:01 Uhr

"Lecker, heute Abend gibt es Nudeln!", ruft meine Tochter, die schon den Speiseplan studiert, während ich am Empfang erst noch meinen Jugendherbergsausweis abgebe. Wir sind gerade angekommen in Garmisch-Partenkirchen. Auch mein Sohn, Vegetarier und immer genervt, wenn es für ihn nichts Passendes gibt, ist happy. "Es gibt nicht nur Bolognese, sondern auch Tomatensoße." Für meine Kinder, 10 und 14 Jahre alt, hat der Urlaub schon gut begonnen, bevor wir überhaupt unser Zimmer bezogen haben.

Wenig später kommen wir den verschneiten Bergen schon ziemlich nah. Von unserem Zimmerfenster aus blicken wir auf die Alpen. "Wo ist die Zugspitze?", will meine Tochter wissen. "Da!", sagt mein Sohn und zeigt auf einen Gipfel. "Nein, das ist die Alpspitze!", sage ich. Und so stehen wir drei da und freuen uns über das, was nun vor uns liegt: fünf Tage Skiurlaub.

Und der beginnt mit einem Jugendherbergs-Klassiker: Die Stockbetten müssen bezogen werden. Von uns. "Papa, machst du...?" "Nein!" "Na gut." Den Kampf mit dem Bettbezug muss jeder aus unserer Reisegruppe selbst angehen.

Wie bei Harry Potter

"Pistengaudi im Pulverschnee" - lautet das winterliche Versprechen einiger bayrischer Jugendherbergen. Auch das Haus in Garmisch hat ein Programm für Schneebegeisterte. "Och Mann…, so früh aufstehen!", jault meine Tochter, als sie erfährt, dass wir am nächsten Morgen um 7 Uhr aus den Federn müssen, um den kostenlosen Skibus um 8.15 Uhr zu bekommen. Als wir dann aber mit den anderen Familien im Bus sitzen, ist sie wieder versöhnt. Immerhin geht es jetzt los auf die Piste.

Die Skigebiete in Garmisch sind ideal für Fortgeschrittene und Anfänger - meine Kinder stehen erst zum zweiten Mal in ihrem Leben auf Skiern: Der Skibus fährt zum Beispiel zum Hausberg. Die Talabfahrt war in diesem Jahr für meine Kinder noch zu schwer. Schneesicher und fast immer sonnig ist es auf der Zugspitze, auf der wir nur gerodelt sind. Auch mit der Kreuzeck- und Alpspitzbahn gelangt man auf Pisten.

Fotostrecke

Winterurlaub in der Juhe: Familie intensiv

Pech hingegen haben wir mit der Fackelwanderung aus dem Familienprogramm der Jugendherberge, die wegen einer Sturmwarnung ausfällt. Also erinnern wir uns an die Tour im vergangenen Jahr. Bei minus 15 Grad sind wir durch die weiße stille Neuschneelandschaft zu Burgruine Werdenfels gestapft. "Wie bei Harry Potter!", sagte meine Tochter, als wir damals im Kerzenschein die Ruine entdeckten.

Jetzt laufen meine Kinder los, um zu sehen, was wir statt Fackelwanderung zusammen machen können. "Lass uns schauen, ob wir uns Dartpfeile ausleihen können!" Können wir nicht, sind schon ausgeliehen. "Dann lass uns Tischtennis spielen!" Können wir auch nicht, beide Platten sind besetzt. "Dann lass und etwas anderes spielen!"

Das können wir. Und entscheiden uns aus dem Stapel Gesellschaftsspiele für die Siedler von Catan. Wer denkt "Wie öde!", der hat schon lange nicht mehr mit seinen Kindern um einen Tisch gesessen und gewürfelt, gelacht und geflucht. Am Nachbartisch zur Rechten wird Lotti Karotti gespielt - eines unserer früheren Spiele, gemeinsam erinnern wir uns daran. Am Tisch zu unserer Linken spielt eine Familie das Kartenspiel Uno. Schnell kommen wir mit den anderen Gästen ins Gespräch.

Auf engstem Raum zusammen

Ein Slogan, mit dem Winter-Jugendherbergen werben, lautet übrigens: "Günstiger Skiurlaub!" Nein, das stimmt so nicht. Wir haben zu dritt für fünf Nächte mit Vollpension mehr als 800 Euro bezahlt. Skikurs nicht inklusive. Zum gleichen Preis hätten wir auch eine Ferienwohnung mieten können. Wollte ich aber nicht, denn: In Jugendherbergen ist man mit seinen Kindern in einem spartanisch eingerichteten Zimmer (kein Fernseher, und das WLAN funktioniert nur in der Lobby wirklich gut) auf engstem Raum zusammen. Deshalb reisen wir öfters in Jugendherbergen. Obwohl wir in den ersten Nächten meist nicht gut schlafen. Dafür erleben wir uns so intensiv wie im Alltag oft eben nicht.

"Papa, schläfst du schon?", fragt meine Tochter, als wir das Licht in unserem Zimmer längst gelöscht haben. "Nein." "Ich auch nicht", sagt mein Sohn. "Warst du früher eigentlich mit Oma und Opa auch in der Jugendherberge?", will meine Tochter wissen. "Nein. Aber mit meinem Bruder habe ich vor 30 Jahren eine Radtour gemacht." Und dann erzähle ich, wie wir 1987 von Kiel nach München geradelt sind und in 20 verschiedenen Jugendherbergen in Schlafräumen oder Achtbettzimmern übernachtet haben. Und dass ich mir damals gewiss nicht hätte vorstellen können, später jemals mit meinen eigenen Kindern so zu urlauben.

"So, jetzt lasst uns endlich versuchen zu schlafen. Morgen klingelt um sieben der Wecker!", sage ich irgendwann. Aber die Kinder reagieren nicht mehr. Sie sind eingeschlafen.

Zur Person

insgesamt 13 Beiträge
womo88 19.01.2018
1. Äpfel mit Birnen verglichen?
Ich habe 20 Jahre lang Skifreizeiten mit Jugendlichen gemacht in Selbstversorgerhäusern und Jugendherbergen. 800 Euro für 5 Tage mit 3 Personen und Vollpension mit Skipass ohne Skikurs, dass sind 53 Euro/Tag, das ist [...]
Ich habe 20 Jahre lang Skifreizeiten mit Jugendlichen gemacht in Selbstversorgerhäusern und Jugendherbergen. 800 Euro für 5 Tage mit 3 Personen und Vollpension mit Skipass ohne Skikurs, dass sind 53 Euro/Tag, das ist preiswert. Dafür bekommt man sicher auch eine Ferienwohnung inkl. Skipass, aber eben keine Vollpension, d. h. man muss täglich einkaufen, selbst kochen, selbst Tisch decken, selbst abwaschen. Man lebt in Jugendherbergen auch nicht auf engstem Raum. Das war vielleicht vor 50 Jahren einmal so. Heute haben die Jugendherbergen Lobbys und Aufenthaltsräume, wo man sich nachmittags/abends aufhalten, spielen und nette Kontakte knüpfen kann. Man schläft halt zusammen mit der Familie in einem Schlafzimmer; damit kann man leben.
112211 19.01.2018
2. In der guten alten Juhi
Ich durfte seinerzeit auch in einer Jugendherberge übernachten und von dort aus mit der Schulklasse jeden Morgen zur Piste aufbrechen. Der Komfort? Nicht messbar. Das Essen? Machte satt. Das Lunchpaket für tagsüber? [...]
Ich durfte seinerzeit auch in einer Jugendherberge übernachten und von dort aus mit der Schulklasse jeden Morgen zur Piste aufbrechen. Der Komfort? Nicht messbar. Das Essen? Machte satt. Das Lunchpaket für tagsüber? Verzichtbar. Meine Erinnerungen sind eigentlich nur deswegen gut, weil das Skigebiet für uns Anfänger gut geeignet war und es in der Jugendherberge für abends größere Gruppenräume gab. So romantisch wie im Artikel fand ich es dort bei weitem nicht. Was im Artikel übrigens stimmt: preislich haben die Jugendherbergen schon lange mit günstigen, freien Unterkünften gleichgezogen. 7 DM (~3,60 €) für Übernachtung mit Frühstück? Gibt es sicher schon lange nicht mehr. Heute zahlt man mindestens 20 € (~ 39 DM), was mehr als 10 x so teuer ist.
Frankonius 19.01.2018
3.
Mit dem Rechnen würde ich noch ein wenig üben. 39 DM sind sicherlich nicht mehr als 10 mal so viel wie 7 DM. ;) Man soollte bei diesen Rechenspielchen auch die gesamte Preisentwicklung im Auge behalten. Es dürfte kaum ein [...]
Zitat von 112211Ich durfte seinerzeit auch in einer Jugendherberge übernachten und von dort aus mit der Schulklasse jeden Morgen zur Piste aufbrechen. Der Komfort? Nicht messbar. Das Essen? Machte satt. Das Lunchpaket für tagsüber? Verzichtbar. Meine Erinnerungen sind eigentlich nur deswegen gut, weil das Skigebiet für uns Anfänger gut geeignet war und es in der Jugendherberge für abends größere Gruppenräume gab. So romantisch wie im Artikel fand ich es dort bei weitem nicht. Was im Artikel übrigens stimmt: preislich haben die Jugendherbergen schon lange mit günstigen, freien Unterkünften gleichgezogen. 7 DM (~3,60 €) für Übernachtung mit Frühstück? Gibt es sicher schon lange nicht mehr. Heute zahlt man mindestens 20 € (~ 39 DM), was mehr als 10 x so teuer ist.
Mit dem Rechnen würde ich noch ein wenig üben. 39 DM sind sicherlich nicht mehr als 10 mal so viel wie 7 DM. ;) Man soollte bei diesen Rechenspielchen auch die gesamte Preisentwicklung im Auge behalten. Es dürfte kaum ein Produkt geben, dass heute noch den gleichen Preis wie vor 20 und mehr Jahren hat. Und die Löhne sind auch nicht mehr in gleicher Höhe...
kickmeto 19.01.2018
4. Diese Vergleiche mit anno dazumal bringen doch nichts...
Es ist einfach nicht möglich, sowas viel günstiger anzubieten, schließlich muss ja auch das Personal bezahlt werden, das Haus, und alles, was dazu gehört. Eine einfache private Ferienwohnung ist oft günstiger, zumindest in [...]
Es ist einfach nicht möglich, sowas viel günstiger anzubieten, schließlich muss ja auch das Personal bezahlt werden, das Haus, und alles, was dazu gehört. Eine einfache private Ferienwohnung ist oft günstiger, zumindest in Zeiten wo eh nicht alles nahezu ausgebucht ist. Aber in Jugenherbergen ist eben mehr Leben, viele andere Kinder und Jugendliche, ich finde, es hat durchaus Vorteile.
neejah 19.01.2018
5. Geiz ist geil
Klar, Jugendherbergen sind preislich unerreicht, dennoch bleibt für mich dort immer die Frage: Wie kann ich guten Gewissens diesen Preis auch in Anspruch nehmen bzw. wie lässt sich dieser Preis erklären? Denn gespart wird an [...]
Klar, Jugendherbergen sind preislich unerreicht, dennoch bleibt für mich dort immer die Frage: Wie kann ich guten Gewissens diesen Preis auch in Anspruch nehmen bzw. wie lässt sich dieser Preis erklären? Denn gespart wird an einer für mich nicht unerheblichen Sache: Dem Essen. Das Essen ist (meiner bescheidenen Erfahrung nach) eher schlecht als recht, viele Fertigsoßen für Salat und Nudel mit ordentlich Lebensmittelchemie, ungesundes Süßzeug. und selbst eine vegetarische Alternative (außer Salat) ist immer noch keine Selbstverständlichkeit. Es gibt Ausnahmen von der Regel, aber in 5 der letzten 6 von mir besuchten Jugendherbergen war das Essen nicht meinen Ansprüchen an eine gesunde Ernährung gewachsen. Und für die würde ich auch mehr bezahlen.
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