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Reise

Wandern auf Teneriffa

Die andere Seite der Insel

Grandiose Aussichten, verwunschene Pfade. Das "Teneriffa Walking Festival" im Mai führt Wanderer abseits der Strandpromenaden und Hotelmeilen in den vielseitigen Norden der Kanareninsel.

Dirk Sommer / SRT
Freitag, 10.03.2017   04:50 Uhr

Auf der Spitze des Teide zerrt der eisige Wind an den Jacken. Im Halbdunkel steht eine Gruppe Wanderer am Kraterrand des Vulkans. Im Licht der Stirnlampen schimmert das scharfkantige, erkaltete Lavagestein in immer neuen Farben. Dann, endlich, hebt sich wie in Zeitlupe die Sonne aus dem Meer und schickt die ersten wärmenden Sonnenstrahlen.

Auch wenn der Morgen noch früh ist, die 26 Wanderer haben bereits einige Anstrengung hinter sich: Um drei Uhr nachts sind sie von der Schutzhütte Altavista aus auf den dritthöchsten Inselvulkan der Erde aufgebrochen. Die Gruppe hat sich nicht zufällig zusammengefunden: Der Aufstieg auf den 3718 Metern hohen Teide ist eine von 20 verschiedenen Routen, die beim "Teneriffa Walking Festival" angeboten werden. Vom 23. bis 27. Mai treffen sich Aktivurlauber, um die größte der Kanareninseln gemeinsam zu Fuß zu erkunden.

Das Festival, das in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindet, soll vor allem den Norden Teneriffas wieder attraktiver machen. Die meisten Urlauber ziehen den Süden dem wettermäßig wechselhaften Norden vor. Nur noch ein Viertel aller Besucher verbringt den Urlaub in der Region um Puerto de La Cruz und Santa Cruz.

Fotostrecke

Wandern auf Teneriffa: Mehr als Sonne und Strand

Renovierungsbedarf und Sanierungsstau hatten fatale Folgen für den Norden Teneriffas. In den ersten neun Monaten des Jahres 2015 zählten die Tourismusmanager rund 40.000 Übernachtungen weniger als 2014 - ein Rückgang von 6,4 Prozent. Mittlerweile scheinen Modernisierungen und Werbekampagnen Wirkung zu zeigen: Der Besucherzuwachs im Sommer 2016 betrug im Vergleich zum Vorjahr rund 16 Prozent. Ein weiterer Aufschwung ist zu erwarten, wenn im touristischen Hauptort des Nordens, Puerto de la Cruz, ein neuer Jacht- und Fischereihafen gebaut wird. Dort soll auch eine breite Promenade mit Restaurants und Einkaufszentren entstehen. Wann das Projekt beginnen soll, steht allerdings noch nicht fest.

Vor allem die Geheimtipps sind schnell ausgebucht

Das "Teneriffa Walking Festival" hingegen wurde schnell realisiert. 2015 startete die Veranstaltung mit mehr als 700 Teilnehmern. Vor allem die Touren zu den Geheimtipps der Insel sind immer schnell ausgebucht. Selten begangene, wurzelüberwachsene Wege durch die nebeligen Lorbeerwälder im Nordosten der Insel begeistern diejenigen, die bisher nur den trockenen Süden Teneriffas kennen. Auch das schroffe Anaga-Gebirge gepaart mit einer urwaldähnlichen Vegetation gehört zu den Highlights der Insel. An der Küste geht das Gebirge in eine Steilküste über, die an manchen Tagen - mit leichtem Dunst - wie eine völlig andere Welt wirkt.

Der faszinierendste aller Wanderwege der Insel ist jedoch noch immer der auf den Teide. Beim Aufstieg führt der Pfad durch die braunen und roten Schuttberge, die der Vulkan nach seinem letzten Ausbruch am 18. November 1909 hinterlassen hat. Es ist ein Erlebnis, das sich ins Gedächtnis brennt - und vor allem daran erinnert, dass Teneriffa nur als Badedestination eigentlich viel zu schade ist.

Weitere Informationen

Anreise
Air Berlin fliegt in gut viereinhalb Stunden von Stuttgart nach Teneriffa (ab ca. 450 Euro). Iberia legt einen Zwischenstopp in Madrid ein (ab ca. 420 Euro). Die Fluggesellschaft Norwegian bietet ab München One-Way-Flüge ab 59 Euro an, Ryanair inzwischen One-Way-Flüge von sechs Flughäfen ab 28,99 Euro.
Unterkunft
In Teneriffa besteht das gleiche Problem wie in fast allen Pauschalreisezielen. Eine komplett gebuchte Reise mit Hotel, Verpflegung und Transfer ist meist günstiger als eine individuell geplante Tour. Ein schönes Hotel, in dem bereits Alexander von Humboldt wohnte, ist in Puerto de la Cruz das Hotel Marquesa, das mit einem lichtdurchfluteten, kanarischen Innenhof besticht; Preis ab 47 Euro pro Zimmer mit Frühstück. Tipp: Die stimmungsvollen Zimmer im Altbau reservieren; hotelmarquesa.com

Einen grandiosen Blick von der Terrasse und dem Pool auf ganz Puerto de la Cruz bietet das Hotel Tigaiga. Preis mit Frühstück pro Person ab 95 Euro, tigaiga.com
Essen und Trinken
Probieren Sie in der Altstadt das Restaurant Cofradia de Pescadores aus. Direkt rechts neben des Hafens ist das Lokal in die historische Festung integriert. Es ist ein bodenständiges, aber niveauvolles Fischrestaurant mit gutem Wein zu sehr ordentlichen Preisen, Fischgerichten ab acht Euro und einer spektakulären Aussicht auf den Atlantik.

Wer mehr Zeit hat: Das persönliche Lieblingsbuch mitnehmen und den Orchideengarten von Puerto de la Cruz besuchen. Ein romantischer Ort mit vielen Sitzbänken und einem Cafe, in dem traditioneller, englischer 5-o'clock-Tea serviert wird. Es ist ein Platz, an dem schon Agatha Christie einen Roman ersann, und der Charme einer vergangenen Epoche ausstrahlt.
Teneriffa Walking Festival
Das Walking-Festival findet vom 23. bis zum 27. Mai statt. 20 verschiedene Routen, die teils nur sehr schwer individuell durchzufühen sind, werden in diesem Jahr angeboten. Detaillierte Informationen stehen auf der deutschsprachigen Homepage tenerifewalkingfestival.com.

Allgemeine Informationen gibt es beim Reiseportal teneriffa.com sowie auf der Seite des spanischen Fremdenverkehrsamtes; spain.info

Dirk Sommer, srt/kry

insgesamt 13 Beiträge
biogenetica 10.03.2017
1. Den Teide bei Nacht...
Schwache Leistung wenn die 26 Wanderer für die restlichen ~500 Höhenmeter fast 4 Stunden gebraucht haben. Wahrscheinlich sind den Tag zuvor mit der Seilbahn auf 3555 hochgefahren, um dann zur Altavista hinabzusteigen. [...]
Schwache Leistung wenn die 26 Wanderer für die restlichen ~500 Höhenmeter fast 4 Stunden gebraucht haben. Wahrscheinlich sind den Tag zuvor mit der Seilbahn auf 3555 hochgefahren, um dann zur Altavista hinabzusteigen. Empfehlenswert aber nichts für Anfänger ist die Teidebesteigung über den Montana Blanca. Im Oktober sind wir um 2 Uhr nacht an der T21 (~2300 Höhenmeter) los und waren dann um halb 8 auf dem Gipfel, um uns um 8 den Sonnenaufgang anzusehen. Wirklich toll! Vorallem braucht man dann auch keine "Genehmigung", die sowie so der größte Witz ist! Da werden ungeübte Touristen von 2300 auf 3500 mit der Seilbahn befördert, die Hälfte kippt bei der Besteigung auf dem Gipfel dann um - und richtige Wanderer, die sich tagelang schon für den Aufstieg mit diversen Touren aklimatisiert haben, ist es tagsüber nicht erlaubt, den Gipfel zu besteigen. Es ist nämlich als nicht Seilbahntourist oder nicht Altavistaübernachterer fast unmöglich an eine Genehmigung zu kommen - auch weit vor dem geplanten Urlaub - da diese großräumig von irgendwelchen Veranstaltern geblockt sind, die dann wiederum die Touris mit der Seilbahn hochkarren. Dann lieber bei Nacht besteigen, dann hat man auf dem Weg wenigstens seine Ruhe und oben sind dann nur die Altavistabesteiger.
TheFour78 10.03.2017
2. Traumhaft!!!
Teneriffa ist zum Wandern perfekt! Ohne Zweifel bietet die Insel für jedes Fitness-Level tolle Touren in völliger Abgeschiedenheit mit atemberaubenden Aussichten. Leider, mein Vorredner liefert das allerbeste Beispiel, gibt es [...]
Teneriffa ist zum Wandern perfekt! Ohne Zweifel bietet die Insel für jedes Fitness-Level tolle Touren in völliger Abgeschiedenheit mit atemberaubenden Aussichten. Leider, mein Vorredner liefert das allerbeste Beispiel, gibt es auch dort "Wander-Hooligans", die genau wir er die Leistungen anderer abwerten, sich selber hochleben lassen, Top-Experten sind und eh alles besser wissen... Die Teide-Besteigung ist sicher ein Highlight, aber durchaus sportlich und doch auch sehr belebt und beliebt, daher empfiehlt es sich auf ruhigere Touren im Teide-Nationalpark, im Anaga-, oder Teno-Gebirge zurück zu greifen, da genießt man Ruhr und sensationelle Ausblicke!!! Machen es seit Jahren und gedenken nicht, damit aufzuhören! :-)
1989er 10.03.2017
3. der Titel...
Die "andere Seite der Insel", der grüne Norden ist schon immer der schönere Teil der Insel. Im sonnenverbranden, wüstenähnlichen Süden gelandet, dachte ich auch erst, die falsche Insel gewählt zu haben.
Die "andere Seite der Insel", der grüne Norden ist schon immer der schönere Teil der Insel. Im sonnenverbranden, wüstenähnlichen Süden gelandet, dachte ich auch erst, die falsche Insel gewählt zu haben.
laermgegner 10.03.2017
4. Schöne Insel
und man braucht eine ganze Weile, um mit dem Auto + Schiff dahin zu kommen. Aber es lohnt sich wirklich. Wer aber behauptet, die Hotels im Norden sind nicht so doll, ist selber nicht dolle. Warum ? Die Länder ordnen sich nicht [...]
und man braucht eine ganze Weile, um mit dem Auto + Schiff dahin zu kommen. Aber es lohnt sich wirklich. Wer aber behauptet, die Hotels im Norden sind nicht so doll, ist selber nicht dolle. Warum ? Die Länder ordnen sich nicht irgenwelchen Spinnerein und Poolmeinungen unter- die Natur hat ihre eigenen Gesetze und die Naturinteressen auch. Die Insel ist für Urlauber zweigeteilt - na und ?
Benzilla 10.03.2017
5. Postmodernes Reisen
Ich hoffe niemanden zu überraschen, aber es gibt auch die Möglichkeit zu fliegen. FRA - TFS dauert 4,5 h.
Zitat von laermgegnerund man braucht eine ganze Weile, um mit dem Auto + Schiff dahin zu kommen. Aber es lohnt sich wirklich. Wer aber behauptet, die Hotels im Norden sind nicht so doll, ist selber nicht dolle. Warum ? Die Länder ordnen sich nicht irgenwelchen Spinnerein und Poolmeinungen unter- die Natur hat ihre eigenen Gesetze und die Naturinteressen auch. Die Insel ist für Urlauber zweigeteilt - na und ?
Ich hoffe niemanden zu überraschen, aber es gibt auch die Möglichkeit zu fliegen. FRA - TFS dauert 4,5 h.
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