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Reise

Kreatives Rhodos

Ideenschmiede am Strand

Griechenland erwartet einen Boom-Sommer, auch Rhodos macht sich klar für den Besucheransturm. Doch noch haben die Einheimischen ihre Insel für sich. Einige Kreative erzählen, was sie zwischen Stadt und Strand inspiriert.

Johanna Rüdiger / TMN
Mittwoch, 15.03.2017   14:13 Uhr

Der Arbeitsplatz von Pantelis Kampouropoulos in Rhodos-Stadt ist nicht leicht zu finden. Wer den jungen Architekten besuchen will, muss sich durchfragen und die Augen offenhalten - so unscheinbar ist sein Studio im Keller eines Hotels in Hafennähe. Das könnte sich künftig ändern: Eine kühne Idee verhalf dem Architekten zu internationaler Aufmerksamkeit und einem ersten großen Auftrag.

Vor zwei Jahren stellten Kampouropoulos und sein Partner den Entwurf für ihre "Casa brutale" ins Netz. Über das Design für ein Klippenhaus - die Wände aus Glas, ein Swimmingpool als Dach - wurde weltweit berichtet. Zufall war der mediale Erfolg jedoch nicht. Kampouropoulos gibt zu, den spektakulären Entwurf aus reinem Kalkül veröffentlicht zu haben.

"Wer hätte uns, zwei unbekannten Architekten, ausgerechnet aus dem bankrotten Griechenland, schon irgendwas abgekauft?", fragt er. Sein Plan ging auf: Ein libanesischer Bauunternehmer beauftragte das Architektenduo, die "Casa brutale" als Privathaus für ihn zu bauen.

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Casa Brutale: Wohntraum im Libanon

Kreativ aus der Krise: Das ist das Motto vieler junger Menschen in Griechenland. Während andere Branchen noch in Schockstarre verweilen, sitzen Leute wie Kampouropoulos längst wieder im Atelier. Was das bedeutet, kann man besonders gut auf Rhodos beobachten.

Kampouropoulos etwa trifft seine Kollegen am liebsten am "hippsten Ort der Insel", der Strandbar Ronda. dahin nur wenige Hundert Meter von der historischen Altstadt entfernt, kommt auch Theodora Kounakis. Die 32-Jährige führt in der dritten Generation den familieneigenen Juwelierladen.

Zwischen Läden mit bunten Touristenhüten und gefälschten Designer-T-Shirts liegt ihr Geschäft. Bei Kounakis ist allerdings alles echt, hier werden Luxusuhren und Diamantanhänger verkauft - und neuerdings auch Theodoras eigene Schmucklinie.

Inspiration bei den Einheimischen

"All meine Entwürfe sind inspiriert von den Sehenswürdigkeiten hier auf Rhodos", sagt sie. Einer der goldenen Anhänger ist eine Weiterentwicklung eines Designs ihres Großvaters, dem ersten Juwelier überhaupt auf Rhodos.

Zunächst hatte Kounakis der Insel den Rücken gekehrt, um in London Modedesign zu studieren. Doch sie kam zurück. "Viele junge Griechen verlassen die Heimat, dabei setzen sich gute Ideen auch hier durch", sagt sie. Ihr Engagement zahlt sich aus. Mitten in der Krise gelang es ihr, weitere Filialen zu eröffnen.

Die Schmuckdesignerin zeigt Besuchern gerne die andere, unbekannte Seite der Altstadt: Denn obwohl die mittelalterlichen Gebäude beeindruckend zahlreich und gut erhalten sind, laufen die meisten Touristen nur die Sokratesstraße hinunter. Die Haupteinkaufsstraße und ihre Nebengassen sind derartig von billigen Souvenirhändlern und Imbissen belagert, dass das historische Flair fast ganz verschwunden ist.

Kounakis geht deshalb am liebsten dorthin, wo tatsächlich noch Menschen in den Welterbemauern leben, 2500 sind es laut Schätzungen. Im schützenden Dunkel der Nacht klettert sie auf einen eigentlich gesperrten Teil der vier Kilometer langen Festungsmauer. Kniehohe Gräser und Büsche zerkratzen die nackten Beine, vom Mandraki-Hafen weht ein kühler Wind hinüber. Die junge Frau blickt über die alten Festungsruinen, atmet tief ein. "Hier habe ich meine besten Ideen", sagt sie zufrieden.

Auch Evi Savvaidi hängt an ihrer griechischen Heimat und hat sich entschlossen zu bleiben - obwohl sie mit ihren Skulpturen international berühmt geworden ist und hier weitab von wichtigen Galerien und Kuratoren ist. Rhodos ist die größte Inspiration für ihre Kunst. "Nirgendwo sind die Farben so intensiv wie hier", sagte sie. Türkis schimmert das Meer, das sie von ihrem Atelier aus sieht. Zum Ixia-Strand, einem Lieblingsort der Wind- und Kitesurfer, sind es nur wenige Schritte.

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Griechenland: Die Kreativen von Rhodos

An den weißen Wänden ihres Studios, das gleichzeitig eine öffentliche Galerie ist, hängen Flaggen von Ländern wie den USA, Großbritannien und Griechenland. Wer nah herantritt, sieht, dass die jeweilige Flagge kein Gemälde ist, sondern ein Mosaik aus winzigen Plastiksoldaten. "Make art, not war", heißt die Serie.

Gewinner des Urlaubssommers 2017

Nicht nur die Kreativen auf Rhodos geben sich zuversichtlich. Auch für die Tourismusbranche gibt es derzeit allen Grund zur Freude. Denn nach den Krisenjahren scheinen Urlauber wieder vermehrt Griechenland in ihre Reisepläne aufzunehmen.

Mehrere Reiseveranstalter berichten von einer sehr hohen Buchungsnachfrage. "Griechenland liegt derzeit absolut im Trend", heißt es etwa bei DER Touristik. TUI erklärt, die Nachfrage sei "ungebrochen". Die Buchungen legten demnach für die Sommersaison um 30 Prozent zu. Griechenland sei "schon jetzt der Gewinner des Urlaubssommers 2017".

Besonders beliebt sind die griechischen Inseln. Im vergangenen Jahr war das teilweise noch ganz anders. Die Flüchtlingsroute verläuft durch die östliche Ägäis. Auf Inseln wie Kos, Lesbos oder Samos brachen die Touristenzahlen ein. Urlaub neben Menschen, die aus Krieg und Chaos fliehen - das war vielen wohl zu heftig.

Die Situation hat sich inzwischen wieder normalisiert. Derzeit kämen dort sehr wenige Geflüchtete an, erklärt Andreas A. Andreadis, Präsident des Verbandes der griechischen Tourismusindustrie SETE. Das macht sich auch bei den Reiseveranstaltern bemerkbar. Thomas Cook hat das Flugangebot für die Sommersaison um mehr als 30.000 zusätzliche Flugplätze erweitert: nach Kreta, Korfu, Kos - und auch nach Rhodos.

Johanna Rüdiger, dpa/asc

insgesamt 2 Beiträge
neuss66 15.03.2017
1. Wenn zwei sich streiten ...
... freut sich der Dritte! So könnt man es vielleicht sagen. Der Türkei gehen derzeit die Urlauber stiften, weil die Türkei sich mit ganz Europa überwirft. Gewinner werden klimatisch ähnliche Mittelmeerstaaten sein. Z.B. [...]
... freut sich der Dritte! So könnt man es vielleicht sagen. Der Türkei gehen derzeit die Urlauber stiften, weil die Türkei sich mit ganz Europa überwirft. Gewinner werden klimatisch ähnliche Mittelmeerstaaten sein. Z.B. Griechenland. Herzlichen Glückwunsch! - Mich freut es für die Griechen. Denn die können Touristen wirklich brauchen und haben das ob ihrer Anstrengungen aus der Krise zu kommen auch wirklich verdient!
123Valentino 19.03.2017
2. Dieses Land...
ist einzigartig und man braucht ein Leben um es wirklich kennen zu lernen. Ich kann nur hoffen, dass die Kapriolen des türkischen Sultans, Griechenland helfen werden wieder Tritt zu fassen. Denn nur mit sparen, wie von Herrn [...]
ist einzigartig und man braucht ein Leben um es wirklich kennen zu lernen. Ich kann nur hoffen, dass die Kapriolen des türkischen Sultans, Griechenland helfen werden wieder Tritt zu fassen. Denn nur mit sparen, wie von Herrn Schäuble verordnet,wird das nicht funktionieren. Ich war häufig und lange in Griechenland, beruflich und privat, in den Jahren der Herrschaft des Militärs, und ich werde dieses Jahr sicherlich, diesmal als Rentner die Inseln besuchen.
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