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Reise

Wanderurlaub auf den Balearen

Mallor... - nee: Menorca!

Wer auf die Balearen möchte und wandern will, fliegt meistens nach Mallorca. Dabei lohnt es sich, auch mal ein bisschen weiter östlich zu landen - auf Menorca. Ein historischer Weg führt rund um die Insel.

Manuel Meyer / TMN
Mittwoch, 19.04.2017   13:47 Uhr

Einmal um die Insel. 185 Kilometer in zehn Tagen. Draußen sein, wandern und zur Erfrischung in einsamen Buchten baden. Der Plan klingt super, doch beim Landeanflug auf Menorca kommen uns Zweifel. Unter uns glitzert das Mittelmeer mit seinen Buchten.

Menorca - eine Wanderinsel? "Von oben sieht es nicht gerade danach aus. Um so größer wird die Überraschung sein", sagt Ralf Freiheit. Der deutsche Wanderführer aus Hildesheim lebt seit 1987 auf Menorca - und wird schon wissen, was er uns verspricht. Mit ihm wollen wir dorthin aufbrechen, wo Inseladelige und Großgrundbesitzer schon im Mittelalter Patrouille ritten, um Ausschau nach Piraten und Angreifern zu halten.

Heute ist der historische "Camí de Cavalls" - der "Weg der Pferde" - auffällig gut markiert. Fast alle 100 Meter weisen Holzpflöcke Wanderern den Weg über den GR-223 rund um die Baleareninsel.

Wer nicht alleine seinen Pfad suchen möchte, kann eine geführte Tour bei einem der zahlreichen Anbietern buchen. Dies kann vor allem außerhalb der Sommersaison hilfreich sein, denn dann sind viele Hotels geschlossen, was die Organisation mit Abholservice erforderlich macht. Die beste Wanderzeit ist von April bis Juni und September bis Anfang November.

Protest gegen Hotelburgen

Wir starten unsere Mehrtagestour in der Inselhauptstadt Maó und erreichen nach einigen Stunden die Nordostküste. Der Meerblick! Die Brise!

Kurz vor dem Strand von Es Grau verlässt Ralf Freiheit den ausgeschilderten Pfad. Hatte er uns nicht einige Überraschungen versprochen? Der Naturpark S'Albufera des Grau ist eine. Stockenten, Blässhühner, Reiher, Schildkröten und Kormorane tummeln sich an der Küstenlagune. Über Holzstege führt der Weg ins Feuchtgebiet, heute Teil des Unesco-Biosphärenreservats.

Parkdirektor Martí Escudero erklärt: "Seit 1991 stehen rund 43 Prozent der gesamten Insel unter Naturschutz, weshalb es auf Menorca auch weniger Bausünden und Hotelburgen an der Küste gibt als auf Mallorca. Eigentlich wollten hier Investoren in den Siebzigerjahren eine riesige Ferienanlage mit Luxushotel und Golfplatz bauen. Bürgerproteste konnten das verhindern."

Durch wilde Olivenhaine und kühle Steineichenwälder geht die Wanderung auf dem "Camí de Cavalls" nach dem Abstecher in den Naturpark weiter. Nach einigen Kilometern, kurz hinter der Morella-Bucht, ändert sich die Küstenlandschaft am Cap de Favàritx mit seinem Leuchtturm abrupt.

Die Tramuntana-Winde halten die Vegetation karg. Bäume? Fehlanzeige. Bizarre Schieferklippen dominieren die Landschaft. "Dieser Ort hat etwas Magisches und ist so gar nicht mediterran", sagt Freiheit, der mit seiner Frau Jutta eine Wanderagentur führt und an der Neuerschließung der historischen Pferdeweges maßgeblich mitwirkte. In der Tat sieht es hier eher aus wie an Spaniens galicischer Atlantikküste.

Die perfekte Badepause

Über Felder und Weiden gelangen wir zu den Salzteichgebieten von Mongofra, wo jahrhundertelang Salz abgebaut wurde. Pinienwälder und gigantische Agaven säumen den Sandweg. In fjordartigen Buchten charmieren Fischerdörfer wie Fornells mit hellweiß gekalkten Häuser. Das ständige Auf und Ab durch die bewachsende Dünenlandschaft treibt uns Schweißperlen auf die Stirn. An der nördlichsten Spitze der Insel, am Cap de Cavallería, ragen die Klippen bis zu 50 Meter in die Höhe, ein atemberaubender Anblick.

Eine Badepause wäre jetzt perfekt. Bei Cavallería, Binimel-là oder vielleicht doch in der Pregonda-Bucht mit ihren skurrilen Felsformationen, hinter der die vielleicht wildeste und beeindruckendste Küstenlandschaft auf dem gesamten Rundweg beginnt.

Fotostrecke

"Camí de Cavalls" auf Menorca: Auf alten Pfaden

Steil geht es auf und ab. Mal laufen wir über einsame, sandgelbe Strände wie in der Cala Pilar, um danach auf bis zu 120 Meter aufzusteigen. Dünenlandschaften und Feuchtgebiete wechseln sich ab. "Im Spätherbst, im Winter, aber auch kurz vor Frühlingsbeginn, wenn die ersten blühenden Orchideen die Landschaft in ein kunterbuntes Farbenmeer verwandeln, kann es hier richtig einsam werden", versichert Wanderführer Freiheit.

Kurz vor der Morell-Bucht führt der Weg an der Cala d'Algaiarens durch dichte Pinienwälder. Es duftet nach Rosmarin und Kamille. In der Bucht lohnt der Besuch einer imposanten Nekropole: Felshöhlen der Talayot-Kultur, die hier 1500 vor Christus lebte.

Versteckte Geheimnisse

Ruhetag in Ciutadella, einer der wohl romantischsten Hafenstädte im ganzen Mittelmeer: Hoch über dem Hafen liegt die lebendige Altstadt mit ihren maurisch-spanisch geprägten Häusern, der Festungsmauer und der alles überragenden Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert.

Hier erreichen wir wieder in eine ganz andere Landschaft. Die Insel wird flacher. Getreidefelder und Rinderweiden beherrschen das Bild. Im deutlich touristischeren Süden führt der Weg nun immer häufiger auch durch Wohn- und Feriensiedlungen. All das ist aber schnell vergessen, wenn man zwischen einer Traumbucht und der nächsten wieder in einsame Kiefern- und Steineichenwälder kommt und Schluchten durchwandert.

Der Norden Menorcas begeistert mit seiner wilden Schönheit. Doch im Süden befinden sich die schöneren Buchten: Turqueta, Macarella, Macarelleta, Mitjana, Trebalúgar. Weiße Strände mit türkisblauem Wasser, umrahmt von Pinienwäldern.

Wer nach dem Faulenzen in einer der Buchten noch Lust auf Wandern hat, sollte bei Son Bou einen Abstecher zu der nur wenige Kilometer entfernten talayotischen Siedlung Torre d'en Galmés machen, deren Ursprung auf das Jahr 1400 vor Christus geschätzt wird.

Die Archäologin Carmen Lara führt durch das prähistorische Dorf. Die Megalithenanlagen, Totenhöhlen und die drei großen Versammlungsräume mit riesigen Säulen verteilen sich auf fast 60.000 Quadratmeter. "Und wir haben gerade einmal 25 Prozent ausgegraben", sagt die Expertin.

In diesem Jahr will Spanien die Ausgrabungsstätte auf die Weltkulturerbe-Liste der Unesco setzen lassen. Wie die prähistorische Siedlung versteckt auch die Natur Menorcas viele Geheimnisse. Ein paar davon entdeckt man während der zehn Tage auf dem "Camí de Cavalls".

Manuel Meyer, dpa

insgesamt 1 Beitrag
spon_3170549 19.04.2017
1. Die spanischen Fernwanderwege...
...sind insgesamt eine tolle Geschichte - wandern geht schließlich nicht nur in den Alpen sondern auch am Mittelmeer. Schön, dass mit dem Camí de Cavalls (GR-223) hier mal wieder ein solcher Wanderweg vorgestellt wird! Ebenso [...]
...sind insgesamt eine tolle Geschichte - wandern geht schließlich nicht nur in den Alpen sondern auch am Mittelmeer. Schön, dass mit dem Camí de Cavalls (GR-223) hier mal wieder ein solcher Wanderweg vorgestellt wird! Ebenso empfehlenswert sind meines Erachtens der Camí de Ronda (GR-92) an der Costa Brava oder der GR-132 auf La Gomera.
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