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Reise

Neonazi-Randale auf Mallorca

"Rechter Spuk beginnt spätestens im Juni"

Mallorca erwartet wieder einen Rekordsommer. Vor allem immer mehr Deutsche stürmen die Insel - und auch die Zahl problematischer Besucher wächst. Nach einem Eklat mit Neonazis machen sich nicht nur die Politiker Sorgen.

DPA
Donnerstag, 15.06.2017   11:34 Uhr

Eine Gruppe Deutscher schwenkte eine Reichskriegsflagge und rief "Ausländer raus" - und das in Spanien. Auf Mallorca versucht die Polizei nach der Randale im Kultlokal Bierkönig, die Wogen zu glätten. "Das ist nicht normal hier, das hat es zumindest in den vergangenen Jahren nie gegeben", beteuerte die zuständige Beamtin in Palma im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Vorfall mit den Neonazis sei ein Einzelfall.

Einer, der es wissen muss, widerspricht allerdings: "Neonazi-Touristen gehören an der Playa zum Straßenbild", sagt Francisco Marín. Der Chef des Hotelierverbandes der Playa, ein echtes Insel-Urgestein, beklagte nach dem Zwischenfall vor Journalisten, die Polizei gehe im Strandgebiet viel zu lasch gegen Störenfriede vor. Die Randalierer dürften sich am Ballermann viel mehr leisten als etwa in Palmas Innenstadt oder "auch im Wohnort in Deutschland".

Die Vorkommnisse im "Bierkönig" seien "ein stückweit Normalität", behauptet auch der stellvertretende Chefredakteur der "Mallorca Zeitung", Frank Feldmeier, in einem Leitartikel. Man könne sich "fast im Kalender anstreichen, wann die Schlagzeilen vom rechten Spuk an der Playa de Palma auftauchen": Spätestens im Juni beginne die Eskalation an Malles berühmtester Partymeile, so Feldmeier

Der Journalist spielt auf mehrere Massenschlägereien zwischen oft mit Hakenkreuzen und anderen Nazisymbolen tätowierten Deutschen und afrikanischen Straßenhändlern in den vergangenen Jahren an. Das "Mallorca Magazin" schrieb, an der Playa seien "in der Regel pro Sommer ein bis zwei rechtsradikale Vorfälle zu verzeichnen".

Mallorca will Sauftourismus verbannen

Am Freitagabend sollen im "Bierkönig" sollen rund 15 Männer, die laut Polizei zu der als gefährlich geltenden Neonazi-Vereinigung "Hammerskins" gehören, während eines Konzerts der Sängerin Mia Julia auch Frauen sexuell belästigt und einen dunkelhäutigen Besucher angepöbelt haben. Empörte Besucher skandierten minutenlang "Nazis raus, Nazis raus!" Die spanische Polizei ermittelt wegen "Verletzung der Grundrechte". 13 der zumeist stark tätowierten Männer seien inzwischen identifiziert worden, so die Polizei.

Vor einem Rekordsommer, bei dem die Insel aus allen Nähten platzen wird, machen sich nicht nur Marín und die Medien Sorgen. Die Zahl der Passagiere auf dem Flughafen von Palma kletterte schon in den ersten fünf Monaten von 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent auf 7,7 Millionen. Palmas Bürgermeister José Hila trat diese Woche vor die Journalisten und versprach: "Wir werden mit diesen unschönen Vorfällen Schluss machen."

Trotz der dieses Jahr schon im Mai ausgebuchten Hotels ist die Sorge allein vor dem Hintergrund der Politikerpläne berechtigt. Die Linken, die sowohl in der Hauptstadt als auch in der Autonomen Gemeinschaft der Balearen seit 2015 das Sagen haben, wollen nicht nur Rechtsradikale, sondern auch Low-Cost- und Sauf-Tourismus verbannen. Weg vom Sangria-Eimer, so das Motto. Hila: "Touristen, die sich eine Woche lang betrinken wollen, brauchen wir nicht."

Was man will, sind betuchtere Besucher, die sich gut benehmen und auf der Insel mehr Geld ausgeben. Dazu wurden unter anderem der Bau von Nobelhotels gefördert und Strandkioske modernisiert. Die legendäre Bude "Ballermann 6" präsentiert sich zum Beispiel seit dem Frühjahr als moderner, schicker "Beach Club". Am Ballermann stehen seit 2016 auffällige Verbotsschilder, die das Saufen und auch das Grölen auf offener Straße untersagen. Bei Zuwiderhandlungen werden Geldbußen von 1500 bis 3000 Euro fällig.

SPIEGEL TV Magazin - Benimm-Regeln am Ballermann

"Tourist go home"

Dass ein Besuchervideo vom Skandal im "Bierkönig" in Deutschland viral wurde und allein bei "Bild.de" auf Youtube mehr als 80.000 Mal angeklickt wurde, kommt da ungelegen. Probleme mit Touristen gibt es derweil nicht nur in Palma. In Palmanova in der Nähe von Magaluf, des "Ballermanns der Briten" im Südwesten Mallorcas, sind 18 Touristen am Wochenende nackt über die Strandpromenade gerannt. Auch dieses Schauspiel wurde aufgenommen und veröffentlicht.

Den Einheimischen droht der Kragen zu platzen. Feldmeier spricht von einer "strapazierten Gastfreundschaft der Insel", Beobachter fürchten einen Anstieg der Spannungen. An Fassaden im Altstadtviertel Palmas waren 2016 erstmals Grafitti mit Aufschriften wie "Tourists go Home" und "Tourists you are the Terrorists" aufgetaucht.

Auf Vorschlag einer Nachbarschaftsinitiative wird nun auch mit schwarzen Flaggen an Balkonen protestiert. Man müsse die Exzesse bekämpfen, "sonst wird es noch schlimmer", warnt Marín

Emilio Rappold, dpa

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Reiseziel Mallorca

Einreiseinfos und Zeitzonen
Mallorca liegt in der mitteleuropäischen Zeitzone (MEZ). Es gibt somit keinen Zeitunterschied zu Deutschland.
Beste Reisezeit
Mit seinen knapp 300 Sonnentagen im Jahr bietet Mallorca eine lange Reisesaison. Wer einsame Strände und Wildblumen erleben möchte, sollte Mallorca im März und April besuchen. Angenehm warm ist das Wasser allerdings erst ab Mitte Mai. Die angenehmste Reisezeit ist wohl der Juni: Das Wetter ist schön, und das Meer lädt zum Baden.

Im Juli und August ist es mit durchschnittlich 29 Grad Celsius sehr heiß auf Mallorca, außerdem sind die Strände und Cafés überfüllt. Im September kühlt es ab, es besteht aber auch die Gefahr von Regenschauern und Stürmen.

Für Wanderer und Radfahrer empfiehlt sich neben dem Frühjahr besonders der Herbst als Reisezeit. Im Oktober ist die Luft mild, und das Wasser hat noch bis in den November hinein Badetemperatur. Individualisten sollten Mallorca im Dezember besuchen, um noch ein paar schöne Sonnentage ohne Vorweihnachtsstress zu genießen.
Highlights
Nicht nur für Party-Touristen lohnt sich ein Abstecher nach Palma, der größten Stadt Mallorcas. Neben einem lebendigen Nachtleben bietet die Stadt viele Sehenswürdigkeiten wie etwa die "Kathedrale des Lichts" - eines der imposantesten Bauwerke Spaniens.

Eine sehr hübsches Stadtchen ist Valldemossa, berühmt für sein ehemaliges Kloster, indem schon Frédéric Chopin mit seiner Geliebten George Sand wohnte.

Im Südwesten zeigt die Insel ihre stille Seite. Ausgehend vom Badeort Sant Elm können Wanderer hier entlang der Küste mit Blick auf die Dracheninsel bis zur Klosteranlage Sa Trapa aufsteigen.

Individualreisende lieben das ländliche Inselinnere. Wer den 543 Meter hohen Tafelberg Puig de Randa erklimmt, wird belohnt: mit einem weiten Ausblick und mit dem Licor Randa, einen Kräuterlikör, den es nur dort oben gibt.

Den Sonnenaufgang beobachtet man am besten in den frühen Morgenstunden am Cap de Formentor, einer ganz im Norden gelegenen felsigen Landzunge.
Festivals und Veranstaltungen
Das wichtigste Fest der Insel ist Ostern. Die Karwoche - "Semana Santa" - wird in praktisch allen Gemeinden mit farbenfrohen Prozessionen gefeiert.

Wer es blutrünstig mag, sollte das Kostümfest der Bewohner von Sóller besuchen. Jedes Jahr im Mai spielen sie ihren Sieg gegen die maurischen und türkischen Piraten 1561 mit Säbeln und viel Kampfgeschrei nach.

Ein besonderer Tipp ist auch das "Torrent de Pareis", ein mallorquinisches Konzert, das immer im Juli an der Mündung der Wildwasserschlucht Torrent de Pareis stattfindet, wenn diese von der Hitze ausgetrocknet ist.
Reiseinfos
Viele Informationen rund um Gastronomie, Sport und Einkaufen bietet die Internetseite des Tourismusportals der Balearen www.illesbalears.es. Schön übersichtlich ist auch die kommerzielle Internetseite www.mallorca.de. Für Kulturliebhaber empfiehlt sich die offizielle Kulturseite der Balearen www.balearsculturaltour.es.
Anreise und Transport
Mallorca ist so ein beliebtes Reiseziel, dass es von den meisten Fluggesellschaften angeboten wird. Der Flug bis zum internationalen Flughafen Son Sant Joan dauert circa zwei bis drei Stunden, je nach Abflugort. Alternativ ist aber auch die nicht ganz billige Anreise mit dem Schiff möglich. Von Barcelona dauert die Überfahrt nach Palma je nach Fähre vier oder acht Stunden. Für Urlauber ohne eigenes Auto ist immer ein Platz auf der Fähre der Gesellschaft Trasmediterránea www.trasmediterranea.es frei. Wer mit dem Auto übersetzt, sollte jedoch vorab buchen.

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