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Reise

Hitzewelle im Süden

Hotspot Mallorca

In Südeuropa wird ein Hitzerekord nach dem anderen gebrochen. Auf Mallorca glühen die Urlauber bei Temperaturen, die sogar die Werte im ultraheißen Andalusien noch toppen. Auch die Nächte bringen kaum Abkühlung.

AFP
Montag, 07.08.2017   12:26 Uhr

"Muy caliente!" Extrem heiß! Auf Mallorca ist derzeit nur eins Gesprächsthema: die Bullenhitze. Sogar der Kritik am Ballermann-Eimersaufen, Neonazis und den jüngsten Protesten gegen den Massentourismus hat die Hitze den Rang abgelaufen.

Seit Ende Juli schwitzen Einwohner und Urlauber bei Temperaturen von zeitweise über 40 Grad. Am schlimmsten aber sind die Nächte. In der vergangenen Woche sanken die Werte mancherorts nie unter 30 Grad. In Port de Pollença wurde ein Tiefstwert von 32,4 Grad gemessen, in Pollença 31,9 Grad , in Palma 30,9 Grad - Rekordtemperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen, wie das "Mallorca Magazin" meldet.

"Wir haben nächtelang kaum geschlafen, schon nach kurzer Zeit waren die Laken klatschnass", sagt ein Deutscher, der gerade in einem Ferienhaus im Bergdorf Fornalutx im Nordwesten Urlaub macht. Eine Klimaanlage hat die Unterkunft nicht - kein Wunder, denn normalerweise bleiben die Balearen von einer derartigen Sommerglut verschont.

Auch ein Trip in die Hauptstadt Palma brachte kaum Erleichterung: "In den meisten Geschäften waren Ventilatoren fast ausverkauft, wir haben nur noch ein kleines Billigmodell bekommen."

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Hitzewelle in Südeuropa: Hölle, Hölle, Hölle

Schuld an der Misere ist eine Hitzeblase, die sich aus Nordafrika über das Mittelmeer geschoben hat und auch die meisten anderen Anrainerstaaten ächzen lässt, von Griechenland über den Balkan bis nach Italien: "Kroatische Hölle", titelte die Zeitung "Jutarnji list" in Zagreb. In Bosnien-Herzegowina riefen die Behörden Tag für Tag die rote Wetteralarmstufe bei 42 Grad aus. In Wien bekamen die Fiaker-Pferde bei fast 39 Grad hitzefrei. Mit Waldbränden haben Länder wie Griechenland und Italien zu kämpfen, in Norditalien kommt es zudem zu schweren Unwettern.

Flucht in den Schatten

Seit einer Woche haben die Wüstenwinde neben dem spanischen Festland auch die Balearen fest im Griff, besonders Mallorca und Ibiza. Auf den Balearen erreichte der Energieverbrauch mit 1297 Megawatt einen neuen Rekord: Speziell in Hotels laufen die Klimaanlagen auf Hochtouren. Auch Kühlschränke und Ventilatoren tragen zum Spitzenkonsum bei.

Um gesundheitlichen Folgen vorzubeugen, benötigen die Menschen vor allem eins: Wasser. In einer kleinen Unterführung stehen afrikanische Straßenhändler und wischen sich den Schweiß von der Stirn.

Der junge Pakistaner Islam verkauft Wasserflaschen, die er in einem mit Eiswürfeln gefüllten Einkaufstrolley lagert. "Normalerweise verkaufe ich knapp 30 Flaschen pro Tag", sagt er. "Seit Anfang August waren es bestimmt 50 pro Tag." Am Ballermann erfrischen sich viele Deutsche ungeachtet der Hitze trotzdem lieber mit alkoholischen Getränken.

Vor der berühmten Kathedrale von Palma sorgt die Hitzewelle für ein kurioses Bild: Wo sich sonst Touristengruppen tummeln, herrscht gähnende Leere. Die paar Urlauber, die sich doch zu dem prächtigen Gotteshaus vorwagen, drängen sich im engen Schatten der umliegenden Häuser oder unter Bäumen zusammen. Wo die Sonne auf den gleißenden Asphalt knallt, ist es wie ausgestorben.

"Ich glaube, ich würde nicht noch einmal im August nach Mallorca kommen", sagt Jane aus Schottland, die mit ihrer Tochter auf der Insel ist. Auch Harald aus dem Rheinland staunt. "Ich bin mit meiner Frau nur wenige Hundert Meter durch die Altstadt gelaufen, aber wir sind jetzt schon total kaputt."

DPA

Kathedrale in Palma de Mallorca

Mittlerweile sind wegen der Hitze sogar Tote zu beklagen. Am Freitag wurde ein Obdachloser in Palma tot gefunden. Die Autopsie ergab, dass er an einem Hitzschlag gestorben war. Auch beim Tod eines 17-Jährigen in Cala d'Or im Inselosten wird ein Hitzschlag vermutet, auch wenn die Autopsie kein eindeutiges Ergebnis brachte.

Bald aber können Mallorquiner und Inselgäste aufatmen - sprichwörtlich. Für die kommenden Tage sagen Meteorologen Höchstwerte von 34 Grad voraus, auch nachts sinken die Temperaturen dann laut Wetterdienst Aemet auf 23 bis 24 Grad. Das ist zwar nicht wirklich kühl - aber es lässt sich aushalten.

Im Video: Hoch "Luzifer" lässt Gletscher schmelzen

Foto: REUTERS

Carola Frentzen und Patrick Schirmer Sastre, dpa/abl

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Reiseziel Mallorca

Einreiseinfos und Zeitzonen
Mallorca liegt in der mitteleuropäischen Zeitzone (MEZ). Es gibt somit keinen Zeitunterschied zu Deutschland.
Beste Reisezeit
Mit seinen knapp 300 Sonnentagen im Jahr bietet Mallorca eine lange Reisesaison. Wer einsame Strände und Wildblumen erleben möchte, sollte Mallorca im März und April besuchen. Angenehm warm ist das Wasser allerdings erst ab Mitte Mai. Die angenehmste Reisezeit ist wohl der Juni: Das Wetter ist schön, und das Meer lädt zum Baden.

Im Juli und August ist es mit durchschnittlich 29 Grad Celsius sehr heiß auf Mallorca, außerdem sind die Strände und Cafés überfüllt. Im September kühlt es ab, es besteht aber auch die Gefahr von Regenschauern und Stürmen.

Für Wanderer und Radfahrer empfiehlt sich neben dem Frühjahr besonders der Herbst als Reisezeit. Im Oktober ist die Luft mild, und das Wasser hat noch bis in den November hinein Badetemperatur. Individualisten sollten Mallorca im Dezember besuchen, um noch ein paar schöne Sonnentage ohne Vorweihnachtsstress zu genießen.
Highlights
Nicht nur für Party-Touristen lohnt sich ein Abstecher nach Palma, der größten Stadt Mallorcas. Neben einem lebendigen Nachtleben bietet die Stadt viele Sehenswürdigkeiten wie etwa die "Kathedrale des Lichts" - eines der imposantesten Bauwerke Spaniens.

Eine sehr hübsches Stadtchen ist Valldemossa, berühmt für sein ehemaliges Kloster, indem schon Frédéric Chopin mit seiner Geliebten George Sand wohnte.

Im Südwesten zeigt die Insel ihre stille Seite. Ausgehend vom Badeort Sant Elm können Wanderer hier entlang der Küste mit Blick auf die Dracheninsel bis zur Klosteranlage Sa Trapa aufsteigen.

Individualreisende lieben das ländliche Inselinnere. Wer den 543 Meter hohen Tafelberg Puig de Randa erklimmt, wird belohnt: mit einem weiten Ausblick und mit dem Licor Randa, einen Kräuterlikör, den es nur dort oben gibt.

Den Sonnenaufgang beobachtet man am besten in den frühen Morgenstunden am Cap de Formentor, einer ganz im Norden gelegenen felsigen Landzunge.
Festivals und Veranstaltungen
Das wichtigste Fest der Insel ist Ostern. Die Karwoche - "Semana Santa" - wird in praktisch allen Gemeinden mit farbenfrohen Prozessionen gefeiert.

Wer es blutrünstig mag, sollte das Kostümfest der Bewohner von Sóller besuchen. Jedes Jahr im Mai spielen sie ihren Sieg gegen die maurischen und türkischen Piraten 1561 mit Säbeln und viel Kampfgeschrei nach.

Ein besonderer Tipp ist auch das "Torrent de Pareis", ein mallorquinisches Konzert, das immer im Juli an der Mündung der Wildwasserschlucht Torrent de Pareis stattfindet, wenn diese von der Hitze ausgetrocknet ist.
Reiseinfos
Viele Informationen rund um Gastronomie, Sport und Einkaufen bietet die Internetseite des Tourismusportals der Balearen www.illesbalears.es. Schön übersichtlich ist auch die kommerzielle Internetseite www.mallorca.de. Für Kulturliebhaber empfiehlt sich die offizielle Kulturseite der Balearen www.balearsculturaltour.es.
Anreise und Transport
Mallorca ist so ein beliebtes Reiseziel, dass es von den meisten Fluggesellschaften angeboten wird. Der Flug bis zum internationalen Flughafen Son Sant Joan dauert circa zwei bis drei Stunden, je nach Abflugort. Alternativ ist aber auch die nicht ganz billige Anreise mit dem Schiff möglich. Von Barcelona dauert die Überfahrt nach Palma je nach Fähre vier oder acht Stunden. Für Urlauber ohne eigenes Auto ist immer ein Platz auf der Fähre der Gesellschaft Trasmediterránea www.trasmediterranea.es frei. Wer mit dem Auto übersetzt, sollte jedoch vorab buchen.

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