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Reise

Bildband "Alpen"

Jetzt mal zackig

Manchmal zittert sein Körper vor Kälte, wenn er im Nebel auf dem Berg steht und auf den Auslöser drückt. Der Fotograf Peter Mathis dokumentiert die Alpen - in beeindruckenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen.

Peter Mathis
Von Anne Haeming
Mittwoch, 08.11.2017   04:47 Uhr

Dann, wenn sich der Himmel über den Alpen zuzieht, der Nebel immer dichter wird, Regen kommt oder Schnee fällt. Dann, wenn andere Wanderer vom Berg absteigen oder sich in Hütten flüchten, bleibt Peter Mathis draußen, um bloß keinen perfekten Fotoaugenblick zu verpassen. Mit seiner 16 Kilogramm schweren Fotoausrüstung steht der 56-Jährige Vorarlberger noch bei gefühlten minus 20 Grad Celsius auf 4800 Meter Höhe hinter dem Stativ, obwohl sein ganzer Körper vor Kälte vibriert.

"Wetterrecherchen sind wichtiger Bestandteil meiner Arbeit", sagt Mathis. Und das sieht man auf jeder einzelnen Schwarz-Weiß-Aufnahme in seinem beeindruckenden Fotobuch "Alpen": Der Rhonegletscher liegt da, als hätte irgendwer ein gigantisches Bettlaken über ihn gespannt. Bergspitzen ragen aus dem Nebelmeer wie Eisberge in der Arktis. Eine Berghütte erwischte Mathis, als sie kurz aus einem Wolkenfeld auftauchte und bevor sie wieder darin verschwand. Aufnahmen mit Schneelöchern wirken wie abstrakte Gemälde.

Ein neuer Blick auf die Alpen

Wer durch Mathis Bildband blättert, entdeckt die Alpen, in denen bereits unzählige Fotos gemacht wurden, noch einmal ganz anders.

Menschen, meint man, gibt es auf Mathis Bergbildern nicht. Nur hin und wieder tauchen sie doch auf. Als schwarze Punkte, die etwa eine Skispur betonen. "Auf meinen Bildern ist der Mensch nur Statist", sagt Mathis. Sind Menschen zu nah zu sehen, lenke deren Ausrüstung von der Landschaft und ihren Mustern ab. "Der Mensch zeigt die wahre Dimension", sagt Mathis, "und damit auch, wie klein er eigentlich ist. Aber eben ein Winzling, der relativ viel ausrichtet."

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Peter Mathis:
Alpen

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Früher hatte er häufiger die Menschen im Berg vor der Linse, Kletterer oder Freerider. Doch irgendwann hätten ihn die Sponsorenlogos gestört, "ästhetisch katastrophal", sagt er, deswegen habe er mit diesen Arbeiten aufgehört.

Weite Teile der Alpen kennt Mathis schon seit Jugendtagen. Als 18-Jähriger begann er, Bergwände, Gipfel und Ausblicke zu dokumentieren. Damals mehr im Sinne eines "Ich war hier" als aus ästhetischen Gründen. Überhaupt, findet er, müsse man unterscheiden: "Kletterer sehen nur die Wand. Bergsteiger wollen auf den Gipfel - und auf der anderen Seite runterschauen." Und Bergfotografen, müsste man hier ergänzen, können wegen ihrer Geländegängigkeit auf die Ästhetik achten. "Ein Berg mag eine tolle Silhouette haben, aber mich interessiert die räumliche Form", sagt Mathis.

Fotostrecke

Bildband für Bergfreunde: Die Alpen in Schwarz-Weiß

"Die Bilder, die ich mache, sind als Farbaufnahme unattraktiv", sagt Mathis. "Wenn das Foto nur schön ist wegen der Farbe und sonst keine ästhetische Qualität hat, taugt es nicht." In der Schwarz-Weiß-Fotografie hingegen kann man sich nicht verstecken.

Auf seinen oft einsamen Alpenwanderungen, nicht selten jenseits der Standardrouten, hat Mathis stets eine Stirnlampe im Gepäck: Weil er weiß, dass er erst im Dunkeln wieder absteigen wird. In Gefahr sei er bislang kaum geraten, außer einmal in eine kleine Lawine, passiert sei ihm aber nichts.

Dass er meist als "Bergfotograf" bezeichnet wird, nimmt Mathis hin. Die Berge sind sein Hauptsujet, die Schweizer und die französischen Alpen, die Dolomiten, aber darauf reduziert werden will er nicht. Mathis erzählt von einem Reportageprojekt über ein Nonnenkloster in den Alpen, von seiner "First Tracks"-Serie, die er mit Profiskifahrern im Tiefschnee umsetzt. "Viele fahren an exotische Orte", sagt Mathis, "ich finde meine Themen eher vor meiner Haustür."

Auf dem Säntis im Alpsteinmassiv etwa habe es jetzt im Herbst schon geschneit, danach sei alles wieder angetaut. "Nicht fotogen", so Mathis' Urteil. Schnee ist für ihn nur gut, wenn er zuckrig ist und sich wie ein Teppich über alles legt. Und wenn der Himmel mal knallblau ist? Auch dann geht er in die Berge. "Allerdings ohne Kamera." Schönwetterbilder von den Bergen überlässt er den anderen.

insgesamt 1 Beitrag
nadennmallos 08.11.2017
1. Durch die Bank sehr gute Aufnahmen ....
... endlich mal eine gelungene Auswahl.
... endlich mal eine gelungene Auswahl.
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