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Venedig verbietet Kreuzfahrt-Kolosse in der Altstadt

Vorbeifahrt verboten! Große Kreuzfahrtschiffe sollen sich künftig nicht mehr durch Venedigs Zentrum schieben. Umweltschützern geht das Verbot nicht weit genug.

DPA

Kreuzfahrtschiff in Venedig

Mittwoch, 08.11.2017   12:47 Uhr

Jahrelang wurde über das Thema bitter gestritten, nun ist eine Einigung erzielt: Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 55.000 Tonnen sollen künftig nicht mehr vor dem historischen Zentrum Venedigs entlangfahren. Wie das Verkehrsministerium in Rom nach einem Treffen mit den Vertretern Venedigs und der Region am Dienstagabend mitteilte, sollen die Schiffskolosse künftig eine andere Route in der Lagune nehmen und im weniger glamourösen Marghera am Festland halten. Bis dort das notwendige Terminal gebaut ist, werden allerdings noch drei bis vier Jahre vergehen.

Umweltschützer sind trotzdem empört: Denn der Plan sieht laut Medienberichten auch vor, dass Schiffe mit mehr als 96.000 Tonnen wieder in die Lagune einfahren können - wenn auch nicht am Zentrum vorbei. Derzeit sind diese Mega-Schiffe in der gesamten Lagune verboten. "Wir wollen, dass die Schiffe überhaupt nicht in die Lagune fahren", sagte Luciano Mazzolin vom Anti-Kreuzer-Komitee No Grandi Navi dem Sender "Radio Capital". Denn das bringe große Umweltprobleme mit sich.

Die Riesenschiffe, die sich im Kanal von Giudecca dicht an Sehenswürdigkeiten wie dem berühmten Markusplatz vorbeischieben, sind schon seit Jahren ein Reizthema. Umwelt- und Kulturschützer sehen das Unesco-Welterbe Venedigs sowie das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune bedroht. Unternehmer und Tourismusveranstalter sehen dagegen ihr Geschäft in Gefahr. Die Unesco hatte bereits gedroht, die Stadt könne den Titel "Weltkulturerbe" verlieren.

"Es reicht, dass der Unesco und der Welt klar ist, dass wir eine Lösung für die großen Schiffe in der Lagune haben", sagte Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro.

dpa/ele

insgesamt 24 Beiträge
Havel Pavel 08.11.2017
1. Wurde auch höchste Zeit!
Was ein Glück für die Anwohner, endlich von den Riesenüngetümen und deren Gestank nicht mehr belästigt zu werden.
Was ein Glück für die Anwohner, endlich von den Riesenüngetümen und deren Gestank nicht mehr belästigt zu werden.
valmel 08.11.2017
2. Gut so
Früher verschandelten Beton-Hotels die Strände, heute verschandeln diese schwimmenden Hotelburgen die Landschaft. Wenn man noch ästhetisch ansprechende Schiffe bauen würde, aber mit diesen Plattenbauten auf See bringt man den [...]
Früher verschandelten Beton-Hotels die Strände, heute verschandeln diese schwimmenden Hotelburgen die Landschaft. Wenn man noch ästhetisch ansprechende Schiffe bauen würde, aber mit diesen Plattenbauten auf See bringt man den Charme Ost-Berlins in die ganze Welt.
sven_sevens 08.11.2017
3. Im Artikel steht nicht ...
dass die Umweltverbände Sturm laufen gegen diese "Lösung". Marghera liegt innerhalb der Lagune, nordwestlich von Venedig. Die Bewohner werden also weiterhin die giftigen Schiffsabgase einatmen. Zudem müssen die [...]
dass die Umweltverbände Sturm laufen gegen diese "Lösung". Marghera liegt innerhalb der Lagune, nordwestlich von Venedig. Die Bewohner werden also weiterhin die giftigen Schiffsabgase einatmen. Zudem müssen die Schiffahrtsrinnen ständig ausgegraben werden. Für die Lagune ist das schlecht. Vernünftig wäre, so große Schiffe gar nicht in die Lagune zu lassen. Zudem dauert das Ganze noch mindestens 3 - 4 Jahre. Der Wahnsinn geht weiter.
h.c.trampler 08.11.2017
4. Immer nur halbe Sachen
Es ist immer das Gleiche. Wie überall, es werden nur halbe Sachen gemacht, obwohl bekannt ist, dass die Anrainer alle darunter leiden müssen.
Es ist immer das Gleiche. Wie überall, es werden nur halbe Sachen gemacht, obwohl bekannt ist, dass die Anrainer alle darunter leiden müssen.
siezmichnicht 08.11.2017
5. Das reicht nicht.
Dann muss Marghera aber auch mit Landstrom ausgestattet werden, und mit Erdgas-Bunkermöglichkeiten für die neuen erdgasgetreibenen Kreuzfahrtschiffe. Außerdem sind drakonische Maßnahmen nötig um den Boykott der lokalen [...]
Dann muss Marghera aber auch mit Landstrom ausgestattet werden, und mit Erdgas-Bunkermöglichkeiten für die neuen erdgasgetreibenen Kreuzfahrtschiffe. Außerdem sind drakonische Maßnahmen nötig um den Boykott der lokalen Tourismuswirtschaft zu unterbinden. Sonst werden die Touris mit den bordeigenen Barkassen durch den Canal Grande gefahren, haben Lunchpakete dabei, stehen und sitzen überall im Weg und lassen keinen müden Cent in Venedig.

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