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12.12.2011
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Umgewandelte Kirchen in Maastricht

Schmökern, speisen, schlafen

Kirchen in Maastricht: Köstliches unterm Kreuzrippengewölbe
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TMN

Was nützt eine Kirche, wenn niemand darin beten will? In Maastricht gab man sich in den letzten Jahren erfinderisch und funktionierte verlassene Gotteshäuser um: Als Fahrradlager, Versuchslabor oder Museum nutzte man die sakralen Räume - die Kreuzherrenkirche ist inzwischen ein Hotel.

Maastricht - Besucher mögen die burgundische Atmosphäre der Genießerstadt - und sie bestaunen die umgewandelten Kirchen. Denn Maastricht hat ein Problem mit seinen Gotteshäusern. Nach Regierungsangaben werden in den Niederlanden jede Woche durchschnittlich zwei Kirchen aufgegeben. Wenn sie nicht verfallen oder abgerissen werden sollen, müssen sie eine neue Bestimmung bekommen.

In Maastricht lässt man sich dafür einiges einfallen. Dort dienen ehemalige Gotteshäuser unter anderem als Archiv, Naturkundemuseum, Hörsaal, Hauptsitz der Universität, Probenraum und Modegeschäft.

Zwei springen besonders ins Auge: die Dominikanerkirche und die Kreuzherrenkirche, beide noch aus der Zeit der Ritter und Minnesänger. Die eine beherbergt heute einen Büchertempel, die andere ein Hotel. Der erste Eindruck ist überwältigend. Die gotische Halle ist jeweils völlig intakt geblieben - das gebietet schon der Denkmalschutz. Die neuen Elemente wurden wie Schachteln in die Kirchen hineingestellt, ohne die Bausubstanz anzutasten.

In der Dominikanerkirche erhebt sich nun ein zweistöckiger schwarzer "Bücherschrank" aus Metall, der über Treppen und Galerien begehbar ist. Man läuft über Grabplatten zur Kasse, und direkt über den Sonderangeboten prangt die älteste bekannte Wandmalerei mit einem Bildnis des mittelalterlichen Kirchenlehrers Thomas von Aquin.

Ruine, Parkplatz, Versuchslabor für Kunstdünger

In der Kreuzherrenkirche befindet sich ein ähnlicher Block, in diesem Fall mit Rezeption, Glasaufzug und einer Plattform für das Frühstücksbuffet. Die 60 Zimmer sind im angrenzenden Kloster untergebracht. Die minimalistische Ausstattung harmoniert erstaunlich gut mit der klaren und schlichten Architektur des Spätmittelalters. Nur von der Botschaft her passt es nicht so recht zusammen: Das Hotel ruft zum Genießen auf, aber die Mahnungen der Religion schimmern hier und da noch durch.

An einer Wand lässt eine halbverblichene Bildergeschichte ein Menschenleben Revue passieren - anders als ein Comic muss man sie von unten nach oben lesen: immer näher zu Gott. Auf manchen Gläubigen mag es verstörend wirken, darunter nun eine Sitzecke zu finden - und im Altarraum eine Bar mit rotem Lederpolster.

Herman van den Berg, katholischer Priester aus Maastricht, nimmt es gelassen: "Allemal besser als abreißen. Das ist nur die logische Folge davon, dass immer weniger Leute in die Kirche gehen. Ich finde es vor allem wichtig, dass die Kirchenbauten erhalten bleiben, weil sie kunsthistorisch so interessant sind." Die Kreuzherrenkirche war vor der Umwandlung in ein Hotel ein Versuchslabor für Kunstdünger und danach eine Ruine. Die Dominikanerkirche diente als Abstellplatz für Fahrräder.

Einige Kirchen sind jedoch auch in Maastricht noch immer in Gebrauch, so die romanische Liebfrauenbasilika am schönsten Platz der Innenstadt. Dort zünden jeden Tag viele Menschen vor einer Marienstatue Kerzen an und wünschen sich dabei etwas im Stillen. Man muss nicht gläubig sein, um zu hoffen, dass es noch lange so bleibt.

Christoph Driessen, dpa

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