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21.02.2012
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Portugals Baudenkmäler

Händchenhalten für die Ewigkeit

Geheimnisvolle Tempelritter-Kirchen, romantische Grabmäler und gewaltige Abteien: Portugals Landesinneres ist reich an historischen Bauten. In der Region nördlich des Tejo gibt es viele kleine Orte, die große Geschichten erzählen - und die "Hauptstadt der Liebe".

Es war eine Liebesgeschichte, die noch heute die Nation zu Tränen rührt. Pedro hieß der Prinz, der sich vor fast 700 Jahren unsterblich in Inês verliebte. Sie lebten einige glückliche Jahre zusammen. Pedros Vater, der portugiesische König, ließ die schöne Hofdame ermorden, weil ihm die Liaison politisch nicht passte. Doch Pedros Liebe überdauerte das Verbrechen. Noch heute liegen die beiden einander gegenüber.

In der Klosterkirche von Alcobaça erhebt sich auf der linken Seite des Querschiffes das Grabmal der Inês. Auf dem Sarkophag ruht eine steinerne Figur der Verstorbenen. Auf der rechten Seite des Querschiffes steht der Sarkophag Pedros, auch dieser von einer Liegefigur bedeckt. Wenn am Jüngsten Tage beide auferstehen, werden sie sich in die Augen schauen. So hatte es sich Pedro zumindest gedacht.

Alcobaça ist ein Städtchen rund 125 Kilometer nördlich von Lissabon. Stolz ragt die barock umgestaltete Fassade der gotischen Kirche über den Dorfplatz, hell leuchtet die weiße Hauptfront des Klosters in der Nachmittagssonne. Sie bildet einen Kontrast zu den bunten Häusern auf der anderen Seite des Platzes, unter ihnen gleich mehrere Cafés.

Die Abtei von Alcobaça gilt als eines der schönsten Beispiele zisterziensischer Baukunst in Europa. Gewaltig an Größe und schlicht an Ausstattung ist das Innere der frühgotischen Hallenkirche. Im Königssaal schmücken landestypische "azulejos" die Wände, blaue Kacheln, bemalt mit Motiven aus der portugiesischen Geschichte.

Eindrucksvolle Prachtbauten

Die Anlage von Alcobaça ist fast so alt wie Portugal selbst. Den Grundstein der Kirche legte Afonso Henrique, der erste portugiesische König, schon 1148. Damals war das Land noch zwischen Christen im Norden und Mauren im Süden umkämpft. In der Region nördlich des Tejo wurde portugiesische Geschichte geschrieben, lange bevor von Lissabon die Karavellen ausliefen, um den Seeweg nach Indien zu finden.

Dass es damals selten friedlich zuging, verrät das nächste Städtchen, 20 Kilometer nordöstlich von Alcobaça: Batalha, auf Deutsch Schlacht, verdankt seinen Namen der Schlacht von Aljubarrota, wo die Portugiesen 1385 einen Sieg gegen die Spanier erfochten. Nachdem der Feind in die Flucht geschlagen war, erfüllte König João I. ein Gelübde und stiftete ein Kloster. So entstand das Mosteiro de Santa Maria da Vitória - das Kloster der Heiligen Maria des Sieges -, dessen gotische Pracht noch heute Eindruck macht.

Auf dem Platz vor der Kirche erhebt sich das Reiterstandbild des Nuno Álvares Pereira, des portugiesischen Feldherrn, der die zahlenmäßig weit überlegenen Kastilier besiegte. In einer Kapelle befindet sich in der Mitte das Grab von König João I., in den Nischen rundum die Gräber seiner Kinder, unter ihnen der berühmte Heinrich der Seefahrer. Der fuhr zwar selber kaum zur See, gilt aber als Initiator der portugiesischen Entdeckungsfahrten.

Einzigartig in Batalha sind die Capelas Imperfeitas, die reich dekorierten unvollkommenen Kapellen. Sie gruppieren sich um einen achteckigen Mittelraum, dem das Dach fehlt, daher der Name. Besonders schön das Grab von König Duarte und seiner Frau Leonor: Ihre Steinfiguren auf der Grabplatte halten für alle Zeiten Händchen.

Tropische Pflanzen und Tiere in Stein

20 Kilometer östlich von Batalha liegt der Wallfahrtsort Fátima, wo die Jungfrau Maria 1917 drei Hirtenkindern erschienen sein soll. Zwischen einer gewaltigen, erst vor wenigen Jahren fertiggestellten Kirche auf der einen Seite des Platzes und einer kleineren neobarocken Kirche aus dem 20. Jahrhundert auf der anderen Seite strömen die Pilger zum Marienheiligtum. Die Gläubigen entzünden große Kerzen, die sie in Kerzenständern platzieren.

Am nächsten Tag geht es zurück ins Mittelalter. Ziel ist die Christusritterburg von Tomar, rund 35 Kilometer östlich von Fátima. Die mächtige Anlage mit ihren zinnengekrönen Mauern erhebt sich auf einem Hügel über dem Städtchen. Es gibt dort eine eigenartige Doppelkirche, umgeben von mehreren schönen Kreuzgängen, erbaut von den Tempelrittern. Der Templerorden, 1119 in Jerusalem gegründet, half in Portugal den Königen, sich gegen Mauren und Spanier zu wehren. Als der Orden 1312 europaweit aufgehoben und in Frankreich blutig verfolgt wurde, wurde er in Portugal einfach unter dem Namen Christusritterorden neu gegründet.

Kernstück der Burg von Tomar ist die geheimnisvolle Templerkirche, ein sechzehneckiger Bau mit einem achteckigen offenen Mittelraum. Alle Wände und Nischen sind mit Engeln, Heiligen und Königen bunt bemalt. Direkt an die alte Kirche wurde um 1500 die Christusritterkirche angebaut, die Mauer zwischen beiden durchbrochen.

Rund um das Portal haben die Steinmetze neben Heiligen und Propheten eine große Vielfalt tropischer Pflanzen und Tiere in Stein verewigt. Die Schätze des Orients, die König Manuels Schiffe nach Lissabon brachten, inspirierten die Künstler. Astronomische Geräte wie die Armillarsphäre finden sich ebenfalls in Stein gemeißelt. Das viel gerühmte manuelinische Fenster an der Rückseite des Kapitelsaals wird von steinernen Tauen, Blüten und Muscheln aus Stein umrahmt.

In Coimbra, Portugals alter Universitätsstadt, begegnet man Pedro und Inês wieder. Die Universität von Coimbra ist gut 700 Jahre alt, und noch heute prägen die Studenten das Stadtbild. Man sieht sie oft in traditioneller Kleidung, in schwarzen Anzügen oder schwarzen Kostümen, manche mit einem langen schwarzen Umhang.

Fado nur für Männer

In Coimbra verlebten Prinz Pedro und Inês ihre glücklichsten Jahre. In einem Park südlich des Flusses Mondego erinnert die Fonte das Lágrimas daran, die Quelle der Tränen. Sie wurde aus den Tränen der Mondego-Nixen gespeist, die den Tod der Inês beweinten - schreibt Camões. In der Kathedrale von Coimbra, so eine andere Legende, ließ Pedro, als er König geworden war, die tote Geliebte krönen und zwang alle Höflinge, dem Leichnam die kalte Hand zu küssen.

Coimbra ist neben Lissabon eines der beiden Zentren des Fado, jener leicht melancholischen Musik, in der zu Gitarrenklängen über Liebe, Leid und Sehnsucht, aber auch über die Schönheit der Städte gesungen wird. In Coimbra singen, anders als in Lissabon, allerdings nur die Männer.

Auf der Treppe, die von der Unterstadt hoch zur Kathedrale führt, verkauft América, eine junge Portugiesin, Tickets für ein Fadolokal. Sie hat mit den Geschlechterrollen kein Problem. "Das ist eine alte Tradition", sagt sie. "Frauen dürfen ja erst seit hundert Jahren hier studieren, aber die Lieder sind viel älter und werden deshalb nur von Männern gesungen."

Im Lokal "fado ao centro" nieder sitzen später auf der Bühne sitzen zwei Gitarristen, zwischen ihnen steht der Sänger, alle drei in Schwarz. Sie stimmen das berühmte Lied "Coimbra" an: "Coimbra, du bist noch immer die Hauptstadt der Liebe in Portugal", heißt es darin. "Coimbra, wo man einmal mit Tränen die Geschichte der schönen Inês schrieb."

Klaus Blume, dpa

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