11.05.2012
Urlauber-Studie
Schnäppchenpreise könnten Griechenlands Image schaden
Griechische Küste: Interesse deutscher Urlauber ist noch da
Eberswalde - Bisher ist das Griechenlandbild der Deutschen noch nicht nachhaltig erschüttert. Welche Folgen die aktuellen politischen Entwicklungen nach den Wahlen in Athen für den Tourismus haben werden, lässt sich zwar nur schwer abschätzen. Doch die Wirtschafts- und Finanzkrise habe bisher nicht dazu geführt, dass die Deutschen Griechenland von der Liste potenzieller Urlaubsziele streichen würden, sagte Claudia Brözel, Professorin an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde.
Erst Ende April teilte die griechische Notenbank mit, dass die Einnahmen der Tourismusbranche im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 44,7 Prozent geschrumpft seien. Gründe waren wohl weniger sinkende Besucherzahlen, vielmehr gaben die Reisenden weniger Geld aus und blieben auch kürzer im Land.
Trotzdem sei das Interesse weiterhin da, sagte Brözel, die im Studiengang Nachhaltiges Tourismusmanagement unterrichtet. Allerdings auch die Gefahr, dass Griechenland in den Fokus der Schnäppchenjäger gerate, denen es vor allem um günstigen Strandurlaub geht.
Das Griechenlandbild der Deutschen hat jedenfalls nach wie vor viele positive Farbtupfer: So verbinden 63 Prozent der Deutschen mit dem Land "sehenswerte kulturelle und historische Angebote", 58 Prozent "schöne Strände", 45 Prozent eine "abwechslungsreiche Landschaft". Immerhin 41 Prozent denken bei Griechenland an "freundliche und offene Gastgeber".
An "hohe Qualitätsstandards" denken dagegen nur neun Prozent, an ein "hohes Sicherheitsniveau" nur sechs Prozent. Diese Daten hat Ipsos für die HNE-Studie "Das 'Bild' Griechenlands bei deutschen Urlaubern" bei einer repräsentativen Befragung im März 2012 ermittelt.
Ein Drittel würde nach Griechenland reisen
Generell gilt: Das Interesse der Deutschen sei ungebrochen, sagte Brözel. Das zeige zum Beispiel die Auswertung von Google-Suchanfragen über einen Zeitraum von April 2011 bis April 2012: Das Niveau ist stabil. "Nach Griechenland wird überdurchschnittlich oft gesucht." Und unter den Suchbegriffen liegt "Griechenland Urlaub" deutlich vorn, noch vor "Griechenland Wetter" und "Griechenland Krise". Die Suchabfragen mit dem Stichwort "Krise" hätten allerdings spürbar zugenommen.
Aber auch die Befragungsdaten stützen die Einschätzung, dass die Deutschen Griechenland als Urlaubsziel nicht abgeschrieben haben: So gaben 34 Prozent an, es komme generell für sie für den Urlaub infrage, 49 Prozent verneinten das. Es komme im Moment nicht infrage, weil die politische Instabilität die Sicherheit der Urlauber gefährde, sagten 18 Prozent. 13 Prozent äußerten sich entsprechend, weil die Versorgungslage für Urlauber eher schlecht sei. Hier zeigten sich zum Teil diffuse Ängste, sagte Brözel.
Immerhin sieben Prozent gaben an, sie planten innerhalb der kommenden drei Jahre, in Griechenland Urlaub zu machen. Kaum beeindruckt von den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen sind offenbar vor allem die Griechenland-erfahrenen Urlauber, die mindestens einmal dort gewesen sind und zu denen rund ein Viertel der Deutschen (24 Prozent) zählt. Sie sehen das Land deutlich positiver - in allen Punkten. "Sie haben zum Beispiel ein sehr positives Bild von den Griechen als Gastgeber und schätzen besonders die individuellen Unterkünfte dort", erläuterte Brözel.
Brözel fürchtet Imageschaden
Klassischerweise hätten erfahrene Griechenlandurlauber im Durchschnitt ein höheres Einkommen, höhere Bildung und ein geringeres Interesse an Schnäppchenurlaub. So ist das Haushaltsnetto-Einkommen der Griechenlanderfahrenen mit rund 2640 Euro deutlich höher als das der Gruppe, die Urlaub in Griechenland für sich ablehnt mit 2216 Euro.
Für einen anderen Teil der deutschen Touristen könnte Griechenland jetzt noch attraktiver werden: Gerade bei den Preisbewussten scheint das Interesse an Urlaub in Griechenland zuzunehmen. Insgesamt gaben fünf Prozent der Befragten an, Griechenland werde attraktiver, weil es weniger überlaufen ist, sieben Prozent, weil es billiger ist, dorthin zu reisen.
Brözel sieht das allerdings nicht nur als Chance: "Viele Veranstalter setzen beim Thema Griechenland nun auf günstig. Die Folge kann aber ein Imageschaden des Reiseziels sein." Die Vorstellung, Griechenland sei gerade für Schnäppchenjäger interessant, könnte sich als ausgesprochen langlebig erweisen. Welche Folgen das für das Griechenlandbild insgesamt hat, ist noch offen.
Andreas Heimann, dpa