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13.12.2012
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Völlig losgelöst

Franzosen bieten Flug in die Schwerelosigkeit an

DPA

Kabine im Airbus A300 Zero-G: Schweben für 22 Sekunden

Astronautentraining für jedermann: Ein Spezial-Airbus bringt in Frankreich Passagiere dem Weltraum ein wenig näher. Für fünf Minuten erleben diese dann Schwerelosigkeit - und auch ihre Brieftaschen werden ordentlich erleichtert.

Bordeaux - "Jeder beschreibt Schwerelosigkeit auf seine Weise", sagt Jean-François Clervoy. "Ich vergleiche sie gerne mit dem Gefühl, dass der Körper sich seines Gewichts entledigt." Der 54-Jährige weiß, wovon er spricht: Als Astronaut ist der Franzose mehrfach ins All geflogen und hat die Erdanziehungskraft hinter sich gelassen.

Weltraumfans und Abenteuerlustige können sich in Frankreich bald ebenfalls den Traum erfüllen, sich einmal so zu fühlen wie ein Astronaut: Ab kommendem Jahr starten sogenannte Parabelflüge, bei denen die Passagiere schwerelos durch die Flugzeugkabine schweben.

Dreimal wird 2013 ein speziell ausgestatteter Airbus A300 Zéro-G in Frankreich mit 40 Passagieren an Bord zu einem zweieinhalbstündigen Flug abheben. Die Maschine donnert dabei mit 810 km/h in einem Steigungswinkel von 47 Grad in die Höhe. Dann drosselt der Pilot die Schubkraft der Turbinen, die Maschine folgt einer parabelförmigen Bahn und stürzt in die Tiefe - das Resultat sind 22 Sekunden Schwerelosigkeit. Und weil der Airbus das Manöver 15-mal wiederholt, fühlt sich jeder Passagier insgesamt rund fünf Minuten schwerelos.

Ganz billig ist das Abenteuer nicht: 5980 Euro kostet das Ticket für den Flug in die Schwerelosigkeit. "Das ist ein außergewöhnliches Angebot, geschenkt ist es daher nicht", sagt Gilles Gompertz vom Flugzeugcharterer Avico, der die Parabelflüge im Internet anbietet. Während es in den USA und in Russland solche kommerziellen Flüge bereits gibt, ist das Angebot in Europa neu.

Astronauten-Diplom zum Abschluss

Bislang wurde die A300 Zéro-G ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke genutzt. An Bord der Maschine lassen sich die Effekte der Schwerelosigkeit untersuchen, der die Astronauten im Weltraum ausgesetzt sind.

In 15 Jahren absolvierte das Flugzeug von Novespace, einer Tochter des französischen Zentrums für Weltraumforschung Cnes, 99 Flüge - der 100. Flug ist für diese Woche geplant. Insgesamt kamen so mehr als 70 Stunden Schwerelosigkeit zustande. Auch künftig bleibt die Forschung Priorität: Neben den drei kommerziellen gibt es pro Jahr sechs Forschungsflüge.

Für die Passagiere, die bei den kommerziellen Flügen durch die gepolsterte Kabine des Airbus schweben werden, gibt es bereits ein detailliertes Programm: Zur Eingewöhnung wird in einem ersten Parabelflug zunächst die Anziehungskraft simuliert, die auf dem Mars herrscht - ein Drittel des Körpergewichts auf der Erde -, dann zweimal die auf dem Mond - ein Sechstel des Körpergewichts. Dann folgen zwölf Parabelflüge mit völliger Schwerelosigkeit. Am Ende bekommt jeder der Teilnehmer von Ex-Astronaut und Novespace-Präsident Clervoy ein Diplom überreicht.

"Man begegnet wirklich dem Weltraum, ein Konzept, das ja etwas theoretisch und weit entfernt ist", sagt Cnes-Präsident Yannick d'Escatha. Gefährlich seien die waghalsig anmutenden Flugmanöver nicht: Es sei "absolute Sicherheit" garantiert. Der erste Start ist für den 15. März am Flughafen Bordeaux-Mérignac geplant.

dkr/AFP

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