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18.01.2013
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Geheimtipps in den Alpen

Ade Zermatt, servus Sonnenkopf

Von
Photopress / Adelboden

Keine Lust auf Skipasswucher in Zermatt? Aufs Partyvolk in St. Anton? Oder Menschenmassen auf der Zugspitze? Höchste Zeit für einen Pistenwechsel. Zwischen Tirol und Graubünden warten Freerider-Paradiese, Hänge mit gigantischen Ausblicken und Pulverschnee zum kleinen Preis.

Es sind vor allem natürliche Standortvorteile, die manche Skiorte zu Legenden werden lassen. Zermatt hat nicht nur haufenweise vergletscherte Viertausender, sondern verfügt mit dem Matterhorn über eine formschöne Lizenz zum Gelddrucken. St. Moritz kann neben seinen 350 Pistenkilometern mit dem malerischen Hochplateau des Oberengadins punkten, während die Arlberg-Region zu Recht mit den Schneemassen protzt, welche die Hänge über Lech oder St. Anton alljährlich in ein Mekka für Skifahrer verwandeln.

Die weiß gepuderte Elite der Alpen schließt sich gerne in exklusiven Marketing-Konglomeraten wie "Best of the Alps" zusammen, um potentiellen Kunden weltweit die Vorzüge des eigenen Produkts vorzuführen und gleichzeitig die weniger offensiven Konkurrenten der Branche abzukanzeln. Denn Exklusivität verspricht vor allem höhere Preise bei Skipässen und Unterkünften und damit höhere Margen.

Wer dagegen die schönsten und schneesichersten Regionen im Alpenraum genießen will, ohne bis zum Schultergelenk in den Geldbeutel zu langen, der sollte sich die Skigebiete vornehmen, die im Schatten der Bergprominenz liegen. Sie sind meist günstiger als ihre berühmten Nachbarn - bieten aber oft ein vergleichbares Schneevergnügen.

Klostertaler Bergbahnen

Schönwetter am Sonnenkopf: Das Skigebiet ist als Schneeloch bekannt

Sonnenkopf, Silbertal und Co. - Paradies für Freerider

Jahrzehntelang interessierte sich fast niemand für das Klostertal - die meisten ließen es auf dem Weg in die berühmten Skireviere Tirols hinter sich. Doch inzwischen wissen viele das Skigebiet am Sonnenkopf zu schätzen: wegen seiner moderaten Preise und dem Ruf der umliegenden Berge als Paradies für Geländeliebhaber.

Die Lifte am Sonnenkopf führen bis in 2300 Meter Höhe. Freerider lockt im Osten das Verwall, im Westen das malerische Silbertal. Vor allem überzeugt der Schnee: Nordwest-Staulage heißt jene magische Wetterkonstellation, die den Sonnenkopf in schöner Regelmäßigkeit meterhoch im pulvrigen Weiß absaufen lässt. "Zillertal-Schnee", pflegen die Klostertaler verächtlich zu sagen, wenn die Wolken es bei zu kleinen und zu wenigen Flocken belassen.

Der Kontrast zur poppig-aufdringlichen Partyszene in St. Anton am Arlberg, das nur wenige Kilometer entfernt liegt, könnte kaum größer sein. Während dort DJ Ötzi aus den Boxen schallt, gibt im Klostertaler Örtchen Wald auch mal ein Superstar der Schlagerszene ein Live-Konzert. Mehrmals pro Saison tritt in der urigen Kelo-Bar, gelegen direkt an der Talstation der Sonnenkopf-Gondel, Geri der Ex-Klostertaler auf. Er spielte einst bei den Klostertalern, einer Band, die bis zu ihrem Abschied 2010 Millionen von Platten verkaufte.

Höhenlage: 1000 bis 2300 Meter

Pisten: 31 Kilometer (10 Kilometer leicht, 19,5 Kilometer mittel, 1,5 Kilometer schwer)

Weitere Informationen:

www.sonnenkopf.com

Zugspitz-Arena

Piste mit Panorama: Für Gelände-Einsteiger ist der Grubigstein ideal

Grubigstein in Tirol - Juwel im Rücken der Zugspitze

Zugegeben, es kommt am Wochenende schon mal vor, dass sich Busse mit skigeilen Tagesgästen aus Süddeutschland am Fuße des Grubigsteins in Tirol stauen. Kein Wunder: Das Skigebiet auf der österreichischen Seite der Zugspitze, eine knappe halbe Stunde von Garmisch-Partenkirchen entfernt, hat ein richtig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Den Planern ist es gelungen, den 2200 Meter hohen Berg perfekt zu erschließen. Die vier Hauptlifte bedienen mehr als 30 Abfahrtskilometer, die Ausrichtung nach Osten schützt den Schnee bis tief in die Saison hinein vor allzu direkter Sonneneinstrahlung. Neben den markierten Pisten tun sich vor allem im oberen Teil des Reviers viele Tiefschnee-Varianten für Gelände-Einsteiger auf, die durch den lichten Bergwald zurück zum Lift führen.

Der Grubigstein trumpft außerdem mit seinen Panoramen auf. Auf quasi jeder Piste rückt die gigantische Felsbastion der Zugspitze ins Blickfeld. Und warum sollte man sich einen Trip aufs vielbevölkerte Dach von Deutschlands höchstem Berg antun, wenn man dessen Reize viel entspannter aus Tirol begutachten kann?

Wem der Grubigstein nicht ausreicht, der kauft sich am besten ein Mehrtagesticket für den Verbund der Tiroler Zugspitz-Arena: Die fünf kleinen Skigebiete mit jeweils eigenem Charakter sind durch Busse vernetzt und verfügen über insgesamt 148 Pistenkilometer. Höhenjäger können von Ehrwald aus mit der Gondel das Zugspitzplatt erobern. Lifte führen auf die Ehrwalder Alm und in das Gelände über Biberwier, das von den Felszacken der Mieminger Kette überragt wird.

Zusätzlich bietet sich ein Trip auf das Hochplateau von Berwang an: Dank der vielen Schlepp- und Tellerlifte ist der Ausflug allerdings fast schon eine Reise in die Vergangenheit. Nur selten kommt man in den Genuss moderner Sechsersessel.

Höhenlage: 1000 bis 2100 Meter (1000 bis 2964 Meter in der Zugspitzarena)

Pisten: 33 Kilometer, 148 Kilometer in der Zugspitzarena

Weitere Informationen: www.bergbahnen-langes.at oder

www.zugspitzarena.com

Sedrun Disentis Tourismus

Küstenflair in Sedrun: Schon die Anreise ist ein kleines Abenteuer

Sedrun in Graubünden - Ruhe vor dem touristischen Schneesturm

Nicht weit von Chur, der Hauptstadt Graubündens, schlägt einige hundert Meter über dem Tal des Oberrheins das Herz der europäischen Snowboarderszene - und es schlägt laut. Laax ist nicht nur für sein riesiges Netz von Liften und Pisten bekannt, sondern auch für das ausgedehnte Nachtleben. Von feierwütigen "Snöbern", wie die Snowboarder in der Schweiz genannt werden, fehlt jedoch nur wenige Kilometer weiter in Richtung Westen jede Spur.

Bis heute hat sich der Weiler Sedrun seinen Ruf als ruhige Winterfrische traditioneller Schweizer Prägung bewahrt. Schon die Anreise ist ein kleines Abenteuer: Die Straße zum Fuße des Oberalppasses ist mitunter so gewunden und eng, dass keine zwei Autos gleichzeitig hindurch passen. Zudem liegt das Dorf im Winter in einer Sackgasse - beinahe zumindest. Wer von Sedrun über den Pass weiter nach Andermatt fahren will, der muss sein Auto verladen lassen.

Sedrun verfügt über ein kleines, aber sonniges und schneesicheres Skigebiet. Bestrebungen, dieses mit anderen zu verbinden und die Region so aufzuwerten, verliefen bislang stets im Sande. Also steigen die Besucher in den Bus, um etwa ins benachbarte Disentis zu pendeln - und passen sich damit den Uhren an, die hier, nahe der Quelle des Rheins, langsamer ticken.

Allerdings wird wohl der skitechnische Fortschritt bald in Sedrun ankommen: Geplant ist eine Verbindung mit dem Skigebiet von Andermatt. Dort stampft der ägyptische Großinvestor Samih Sawiris derzeit ein Luxusresort mit mehreren hundert Betten aus dem Boden, dessen verwöhnte Zielklientel mit dem derzeitigen Pistenangebot in Andermatt nicht zufrieden sein dürfte. Der Brückenschlag nach Graubünden soll das ändern, ein gemeinsamer Skipass unter dem Marketingtitel "Gotthard Oberalp Arena" existiert bereits. Ob die Pläne den Stammgästen im beschaulichen Sedrun recht sind, steht auf einem anderen Blatt.

Höhenlage: 1500 bis 2350 Meter

Pisten: 50 Kilometer (10 Kilometer leicht, 35 Kilometer mittel, 5 Kilometer schwer)

Weitere Informationen:

www.disentis-sedrun.com

Photopress / Adelboden

Adelboden mit Schneemütze: Wohl nirgends ist die Schweiz schweizerischer

Adelboden im Berner Oberland - Hornschlittenpartie über die Piste

Fast könnte man meinen, der dunkle Schatten des Eiger im Berner Oberland reiche hinüber bis an den malerischen Schluss des Engstligentales und tilge das Skidorf Adelboden aus dem Blickfeld der deutschen Wintertouristen. Und nur einmal im Jahr, wenn die Skiasse des Weltcups am legendären Chuenisbärgli den schwierigsten Riesenslalom der Saison austragen, erhellten die Scheinwerfer der Fernsehteams das malerische Gelände über Adelboden.

Ganz so drastisch sieht die Realität nicht aus - aber es ist nicht zu übersehen, dass Adelboden ein Dasein im Schatten jener Schweizer Wintersportorte führt, die als Global Player im Tourismus gelten: beispielsweise Wengen mit seiner Bahn auf die Jungfrau, für deren Vermarktung man eigens Büros in Asien unterhält. Oder das millionenschwere Zermatt, dessen Gäste den Eingang zum Engstligental nur kennen, weil sie auf dem Weg zum Autoverlad in Kandersteg daran vorbei rasen.

Dabei hat Adelboden einiges zu bieten: 210 Pistenkilometer und ein vielseitiges Kernskigebiet, das den Gast bis nach Lenk im Simmental führt. Auf der Engstligenalp vermischt sich das Kreischen der Kinder auf dem Tubing-Kurs mit dem Bellen der Huskys des ortsansässigen Mushers. Und dann ist da mit dem Chuenisbärgli jener Hang, auf dem sich die Touristen von den vielen Wellen und Geländekanten durchschütteln lassen, die selbst Cracks wie den US-Amerikaner Daron Rahlves abwarfen.

Wem das nicht reicht, der sollte am Horäschlittä-Rennen teilnehmen. Dabei rasen verrückte Schweizer auf Hornschlitten zu Tal - und zwar über die Skipiste. Spätestens dann versteht man, warum Adelboden gerne im Schatten anderer steht: Wohl nirgendwo sonst ist die Schweiz schweizerischer. So ein Geheimnis zerrt man nicht gerne ans Licht.

Höhenlage: 1053 bis 2400 Meter

Pisten: 210 Kilometer (92 Kilometer leicht, 96 Kilometer mittel, 22 Kilometer schwer)

Weitere Informationen:

www.adelboden.ch

Sierre-Anniviers Marketing

Sprung ins weiße Wallis: Es muss ja nicht immer Verbier sein

St. Luc und Chandolin im Wallis - Panoramablick hinab ins Rhonetal

An den Großen der Branche kommt man im Wallis nur schwer vorbei: Dominiert wird die Szene von Zermatt und dem Freeride-Mekka Verbier. Direkt dahinter rangieren Saas Fee mit seinen gewaltigen Gletschern und der Nobelort Crans-Montana, dessen Gäste angesichts der Südlage über dem Rhonetal ihre oft spiegeleigroßen Sonnenbrillengläser einem Intensivtest unterziehen.

Zu den Geheimtipps im Schatten der Skigebietriesen zählen Orte wie St. Luc und Chandolin, die wegen ihres weitläufigen Skigebiets und ihrer malerischen Lage herausstechen. Bis auf 3000 Meter reichen die Pisten an der Bella Tola, und die westliche Ausrichtung des Skigebiets sorgt dafür, dass sich der Panoramablick hinab ins Rhonetal im weichen Licht der Nachmittagssonne genießen lässt.

Das Val d'Anniviers, an dessen Hängen das Skigebiet liegt, hat sich bis heute seinen urigen Charakter bewahrt: Das sonnengegerbte Holz der vielen Chalets dominiert die Szenerie in den Dörfern.

Ein Verharren in alten Traditionen - dies sei als Warnung an fußfaule Winterurlauber gesagt - ist auch für das Liftnetz über St. Luc und Chandolin zu konstatieren. Bis heute gibt es hier hauptsächlich Schlepplifte. Für Unverdrossene birgt diese Situation allerdings Vorteile: Denn die Pisten sind nicht annähernd so bevölkert wie in den Wintersportorten, wo sich der Sechsersessel mit Sitzheizung als erfolgreichste Aufstiegshilfe etabliert hat.

Höhenlage: 1570 bis 3000 Meter

Pisten: 65 Kilometer (35 Kilometer leicht, 20 Kilometer mittel, 10 Kilometer schwer)

Weitere Informationen: www.rma.ch

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Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
1. Der beste Geheimtipp...
flywheel 18.01.2013
...ist der, den man für sich behalt!
...ist der, den man für sich behalt!
2. Wanderzirkus
akrisios 18.01.2013
Der ganze Ski-Zirkus soll am besten Hallen-Indoor betrieben werden. Da könnte man wunderbar gleich die ganzen Halligalli-Oktoberfest-Après-Ski-Bars installieren und die Restbevölkerung wäre gleichzeitig geschützt. Das [...]
Der ganze Ski-Zirkus soll am besten Hallen-Indoor betrieben werden. Da könnte man wunderbar gleich die ganzen Halligalli-Oktoberfest-Après-Ski-Bars installieren und die Restbevölkerung wäre gleichzeitig geschützt. Das hätte zudem den Vorteil der Renaturierung und Instandsetzung der Landschaften, keine Schneemaschinen sowie Sessellifts mehr. Oder am besten gleich in die Arktis oder nach Patagonien das ganze.
3. Bleibt bloß vom Sonnenkopf weg!
auweia 18.01.2013
Der gehört mir! Mein Schatzzz...
Zitat von sysopPhotopress / AdelbodenKeine Lust auf Skipasswucher in Zermatt? Aufs Partyvolk in St. Anton? Oder Menschenmassen auf der Zugspitze? Höchste Zeit für einen Pistenwechsel. Zwischen Tirol und Graubünden warten Freerider-Paradiese, Hänge mit gigantischen Ausblicken und Pulverschnee zum kleinen Preis. http://www.spiegel.de/reise/europa/alpen-geheimtipps-skifahren-zwischen-tirol-und-graubuenden-a-877830.html
Der gehört mir! Mein Schatzzz...
4. Bitte nicht...
roki007 18.01.2013
...mein Lieblingsskigebiet an die Masse der Möchtegern-Ski-Fahrer verraten :-). Ich fahre seit Jahren in die Zugspritzregion (Berwang-Grubigstein) und genieße die familiäre gemütliche Athmosphäre dort. Und wer keine [...]
...mein Lieblingsskigebiet an die Masse der Möchtegern-Ski-Fahrer verraten :-). Ich fahre seit Jahren in die Zugspritzregion (Berwang-Grubigstein) und genieße die familiäre gemütliche Athmosphäre dort. Und wer keine Kilometer "bolzen" muss, kann dort teilweise noch Natur pur erfahren.
5. Schade...
ufox 18.01.2013
Waaarum muss man so etwas schreiben? - Geheimtipp...Nun sind es keine Gehimtipps mehr, vielen Dank auch. Ich werde mich wohl nach einem neuen, echten Geheimtipp umsehen müssen - und das nur, weil Spiegel nicht Besseres zum [...]
Waaarum muss man so etwas schreiben? - Geheimtipp...Nun sind es keine Gehimtipps mehr, vielen Dank auch. Ich werde mich wohl nach einem neuen, echten Geheimtipp umsehen müssen - und das nur, weil Spiegel nicht Besseres zum Schreiben hat, oder noch mehr Leute in die überfüllten Skigebiten locken will...

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