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16.01.2013
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Luxus-Almdörfer der Alpen

Winterurlaub im Freilichtmuseum

Günter Standl

Wer diese Chalets bucht, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt: Luxus-Almdörfer in den Alpen bieten modernen Komfort in altmodischen Holzhäusern. Manchen Gästen vergeht da die Lust auf die Natur - für Mahlzeiten und Massagen müssen sie nicht vor die Tür gehen.

Leogang - Der Skizirkus von Saalbach-Hinterglemm-Leogang ist nur ein paar Minuten entfernt und doch unendlich weit weg. Im Bergdorf Priesteregg hoch über Leogang herrscht himmlische Ruhe. Fackeln beleuchten die verschneiten Wege, hinter den Holzhütten ragt das Massiv der Leoganger Steinberge in den Abendhimmel. Almdörfer wie das Priesteregg im Salzburger Land oder das Seinerzeit in Kärnten wirken wie bewohnte Freilichtmuseen.

Steuert man die weit über 1000 Meter hoch gelegenen Dörfer an, wird man mit jedem Höhenmeter gelassener. Die Hektik bleibt im Tal, Ruhe kehrt ein.Entschleunigung heißt das neumodisch, Seinerzeit-Hüttenwirt Michael nennt es lieber Besinnlichkeit. "Hier kann man einfach mal nur Mensch sein", preisen die Priesteregg-Besitzer Renate und Huwi Oberlader ihr Angebot an.

Weniger ist mehr, lautet das Motto, und das Wichtigste ist Privatsphäre. Natürlich kann man sich im Winter auf den Skipisten austoben - aber warum sollte man? In den Dörfern wecken knisternde Feuer und die aus den Kaminen aufsteigenden Rauchschwaden das Gefühl von Geborgenheit. Die Bergdörfer versetzen einen in die gute alte Zeit zurück. Mit urigen Hütten, offenen Kamine und gemütlichen Stuben.

Nostalgie und Luxus

Die Entbehrungen von einst aber werden niemandem aufgebürdet. Heizungen wärmen, wenn das Kaminfeuer erloschen ist, und statt eiskalter Brunnen vor der Tür gibt es Designbäder. So bieten die Dörfer nostalgisches Hüttenflair mit modernem Luxus und Service. "Damit erfüllen sie einerseits die Sehnsucht der Touristen nach heimeliger Ursprünglichkeit und Atmosphäre und genauso den Wunsch nach touristischer Dienstleistung auf hohem Niveau", sagte der Kieler Tourismusforscher Martin Lohmann.

1995 hat Almdorf-Pionier Karl Steiner mit dem Seinerzeit den Anfang gemacht. Ihm folgten viele: Im Tuxertal gibt es mittlerweile das Hüttendorf Anno Dazumal. Den Traum von der Luxus-Berghütte erfüllen auch die Maierl Chalets im Skigebiet von Kitzbühel oder das gerade eröffnete Gradonna Mountain Resort in Kals am Großglockner. Dort befeuert die österreichische Schultz-Gruppe mit gleich 42 Luxus-Chalets direkt an den Pisten und einem neuen Vier-Sterne-Superior-Hotel den Trend zum Luxus-Skiurlaub mit Hüttenflair.

Dabei legen die einen mehr Augenmerk auf das Hüttenfeeling, andere setzen auf die kulinarischen Genüsse. So punktet das Maso Doss im italienischen Trentino in der Nähe von Madonna di Campiglio ebenso mit seiner Küche wie das Guarda Val im schweizerischen Lenzerheide. In dem Maiensässhotel verwöhnt der deutsche Spitzenkoch Karlheinz Schuhmair seit Jahren seine Gäste.

Frühstücksbringdienst inklusive

Im Seinerzeit oder im Priesteregg wird dagegen eher einfachere Kost angeboten. Wenn in diesen Bergdörfern morgens vor der Schlafzimmertür leise Besteck und Teller klappern, kann man sich getrost noch einmal umdrehen. Erst wenn die Heinzelmännchen aus der Hütte schleichen, wird es Zeit zum Aufstehen. In der Stube wartet dann der frisch gedeckte Frühstückstisch mit würzigem Bauernbrot, frischem Joghurt, Früchten, Säften, Käse und Speck.

Meist sind es Paare, die einige hundert Euro pro Nacht für die Chalets ausgeben. Manche wollen ihre Hütte dann kaum noch verlassen. Im Priesteregg kommt deshalb sogar die Masseurin zum Hausbesuch. Nachmittags wird frisch gebackener Kuchen vorbeigebracht. Und auch das Mittag- und Abendessen wird auf Wunsch nicht im Almgasthof, sondern im Chalet serviert. "Das machen die Gäste gern, aber wenn ich auf dem Dorfplatz in einer großen Pfanne Kaiserschmarrn mache, kommen sie alle aus ihren Hütten", sagt Huwi Oberlader.

Im Seinerzeit locken gleich drei Restaurants: Ein uriger Gasthof, ein Gourmet-Lokal und die bei Frischverliebten besonders gefragte Holzknechthütte. Das angeblich kleinste Restaurant der Welt sieht wie einer der Verschläge aus, die sich früher die Holzfäller im Wald zum Übernachten bauten. Über dem offenen Feuer bereitet Koch Horst das Menü in der Hütte zu. Zwischendurch zieht er sich immer wieder zurück und lässt das Paar allein.

Spätestens nach dem Abendessen kehrt Ruhe in den Almdörfern ein. Dann sitzen die meisten in ihrem Chalet vor dem offenen Kaminfeuer oder im eigenen Whirlpool vor der Hütte. Rieseln dann noch Schneeflocken vom Himmel, ist das Glück perfekt: Im dampfenden Badezuber wärmt das Wasser den Körper und der Rotwein die Kehle.

Bernhard Krieger/dpa/sto

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insgesamt 1 Beitrag
1.
mayazi 16.01.2013
Kleinste Restaurants der Welt gibt's ja mehrere. Mir scheint das in Hamburg kleiner zu sein: http://www.zollenspieker-faehrhaus.de/hotel-und-gastronomie/essen-und-trinken/altes-zollenspieker-pegelhaus.html Im Hotel Schloss [...]
Kleinste Restaurants der Welt gibt's ja mehrere. Mir scheint das in Hamburg kleiner zu sein: http://www.zollenspieker-faehrhaus.de/hotel-und-gastronomie/essen-und-trinken/altes-zollenspieker-pegelhaus.html Im Hotel Schloss Mönchstein haben vier Gäste Platz, das Solo per Due hat noch viel mehr Platz, bewirtet aber nur zwei Gäste, und die Genussgondel scheint zwei Sitzbänke für je 2-3 Gäste zu haben.

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