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01.02.2013
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Basler Fasnacht

Masken, Mimosen, Marschmusik

DPA

Ein Meer aus Laternen, bunten Masken und Piccolopfeifen: Die Basler Fasnacht ist ein dreitägiger Feiermarathon mit Zehntausenden Zuschauern. Besucher des närrischen Treibens sollten ein paar Vokabeln kennen - und sich vorm "Räppli" hüten.

Der Hahn hat noch lange nicht gekräht. Und doch sind Zehntausende schon auf den Beinen. Wie eine Pilgerschar machen sie sich aus allen Himmelsrichtungen zu Fuß auf in die Altstadt der Schweizer Grenzmetropole Basel. Ein Phänomen, das sich seit Jahrhunderten sechs Wochen vor dem Osterfest wiederholt.

Dann nämlich beginnt die traditionelle Basler Fasnacht "wenns vieri schloot" mit dem Morgenstraich. Um Punkt vier Uhr erlöschen im Stadtgebiet sämtliche Lichter. Gleichzeitig bricht ein kollektiver Jubel aus. Darin scheint auch die Bitte zu verhallen, nicht mit Blitzlicht zu fotografieren. Ein Meer von Handys und Digitalkameras sorgt mit eingebauten Blitzgeräten für manches ungewolltes Funkeln in der Nacht. Doch der eigentliche Blickfang sind die fast 12.000 Fasnachtler mit ihren bis zu 3,5 Metern großen, beleuchteten Zug-Laternen.

Wie Glühwürmchen ziehen die Cliquen, wie die teilnehmenden Gruppen genannt werden, mit selbstgebauten Masken und farbigen "Kopfladäärnli", den Kopflaternen, in einem nicht enden wollenden Strom durch die Stadt. Begleitet werden sie von einer Heerschar Maskierter mit Piccolopfeifen und Trommeln. Der immer gleiche Klang der Marschmusik hallt durch die Straßen und Gassen und wird schnell zu einem Ohrwurm.

Die Waggis gehört dazu

Das kalte Wetter stört hier anscheinend niemanden. Alle hüpfen im Takt der Trommeln und Piccoloflöten hin und her und halten sich so ein bisschen warm. Zudem erfreuen sie sich an den fast 200 Zug-Laternen, die wie Mottowagen beim Karneval deutscher Prägung, mit Augenzwinkern Weltgeschehen und Lokales, aber auch Politiker und Prominente auf die Schippe nehmen. Die Riesenleuchten werden in oft tage- und wochenlanger Kleinarbeit liebevoll gestaltet. "Das Schlimmste für die Prominenten ist es, wenn ihnen keine Laterne gewidmet ist. Dann wissen sie, dass sie keinerlei Wertschätzung mehr erfahren", sagt Felix Rudolf von Rohr, langjähriger Obmann des Basler Fasnachts-Comités.

Das genaue Geburtsjahr der "drey scheenschte Dääg", wie der Basler über den dreitägigen Feiermarathon zu sagen pflegt, liegt im Dunkeln. Fest steht, dass die Obrigkeit den Fasnachtstermin im Jahre 1529 auf den Montag bis Mittwoch nach Aschermittwoch festlegte. Aus dieser Zeit stammt auch die erste urkundliche Überlieferung über den Verkauf der Masken durch Maler und Krämer. Üblicherweise geben sich die Fasnachtler nicht zu erkennen, sondern verstecken sich hinter ihrer Maske.

Neben Phantasiemotiven gehört die Waggis, die traditionelle Maske mit der großen roten Nase, die an eine elsässische Bauernfigur angelehnt ist, zur Standardausrüstung vieler Fasnachtler. Die investieren jährlich bis zu 700 Schweizer Franken in Kostüm und Maske. Um dieses aufwendige Hobby zu finanzieren, verkaufen die meisten Gruppen Speisen und Getränke. Zudem werden sie durch das Fasnachts-Comité unterstützt. Die Dachorganisation verkauft seit 1911 für Preise zwischen 8 und 100 Schweizer Franken bronzene, silberne und goldene Plaketten mit jährlich wechselnden Motiven an die Zuschauer. Der Erlös kommt dann den Cliquen zu.

Je weiter beim Morgenstraich die Zeit voran schreitet, desto mehr lichten sich die Reihen. Die Zuschauer suchen sich schnell einen Platz in einer Gaststätte oder "Beitz". Denn nun stürzen sich die hungrigen und durchgefrorenen Besucher und Fasnachtler mit Riesenappetit auf die traditionellen Fasnachtsspezialitäten wie Käse- und Zwiebelkuchen.

Stunde der Schnitzelbänke

Am frühen Morgen wartet der zweite Teile der Fasnacht darauf, entdeckt zu werden: das "Gässle". Einzelpersonen und kleine Gruppen ziehen mit ihren Flöten und Trommeln durch die malerischen Gassen der Altstadt, bevor um 13.30 Uhr mit der Cortège der nächste Höhepunkt folgt. Bei diesem gigantischen Fasnachtsumzug - der übrigens am Mittwoch seine Wiederholung erfährt - begeben sich die Cliquen und Musiker auf einen Rundkurs zwischen der Altstadt und der Kleinbaseler-Seite.

Sie laufen die Strecke sowohl im als auch gegen den Uhrzeigersinn ab. Dabei können die Cliquen den Ort und die Dauer ihrer Pausen selber festlegen. Sie scheren einfach aus dem Zug aus, um sich später wieder einzureihen. Dies führt dazu, dass die Besucher manche Gruppen gleich mehrfach an sich vorbei ziehen sehen, andere Cliquen nur einmal oder gar nicht.

Mit Einbruch der Dunkelheit schlägt die Stunde der Schnitzelbänke. Die Bänkelsänger ziehen von Lokal zu Lokal, um dort ihre ironischen Verse über Ereignisse des abgelaufenen Jahres auf Baseldeutsch zu singen. Der Dienstag ist der Tag der Kinder, der Schissdräckzuegli, der Gässle und der Guggen, die mit schrägen Tönen aus ihren Blechinstrumenten aufwarten. Am Mittwoch, dem letzten Tag, ziehen alle Fasnachtler noch einmal durch die Stadt. Abertausende säumen erneut die Straßen, bis schließlich vor dem Morgengrauen der letzte Pfeifer, der letzte Trommler und Guggenmusiker heim gezogen ist.

"Während der Fasnacht duzt jeder jeden. Für drei Tage sind alle gesellschaftlichen Konventionen außer Kraft gesetzt", sagt Fasnachts-Experte von Rohr. Da werden während der Cortège Mimosen und Orangen als Vorboten des Frühlings verteilt, Süßigkeiten geworfen, da wird aber auch manchem Zuschauer entlang der Strecke jede Menge "Räppli", wie das Konfetti im Baseldeutsch heißt, mal schnell im Vorbeigehen in die Kleider gestopft. Eine kleine "Aufmerksamkeit", die dafür sorgt, dass der Besucher noch Tage später an die Basler Fasnacht erinnert wird, wenn irgendwo am Körper noch ein bunter Papierschnipsel auftaucht.

Weitere Informationen
Allgemein
Basel Tourismus
Aeschenvorstadt 36,
CH-4010 Basel,
Tel. 0041/61/2686868,
www.basel.com.

Die diesjährige Basler Fasnacht beginnt am Montag, 18. Februar 2013, um vier Uhr morgens mit dem Morgenstraich, und endet am 21. Februar. Weitere Infos unter www.fasnacht.ch und unter www.fasnachts-comite.ch.
Eintritt
Der Eintritt ist frei. Allerdings wird erwartet, dass die Besucher eine Plakette, "Blaggedde" genannt, für Preise zwischen acht und 100 Schweizer Franken erwerben und gut sichtbar tragen. Der Erlös aus dem Verkauf der Plaketten, die 1911 eingeführt wurden und deren Motive jährlich wechseln, kommt den Cliquen zu.
Tipps
Gute Plätze, um den Morgenstraich zu verfolgen, sind am Barfüsserplatz und auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Allerdings ist es hier auch entsprechend voll. Wer keine Gelegenheit hatte, die Laternen beim Morgenstraich ausgiebig in Augenschein zu nehmen, kann dies am Montagabend und Mittwochmorgen nachholen. Dann werden alle Laternen auf dem Platz vor dem Basler Münster ausgestellt.

Quelle: srt

Karsten-Thilo Raab/SRT

Forum

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insgesamt 14 Beiträge
1. culinarisch...
schelmig13 01.02.2013
...gibts noch die weltberühmte gebrannte Basler Mehlsupp. In die könnt ich mich reinlegen! und das Morgens um 4:30 Uhr
...gibts noch die weltberühmte gebrannte Basler Mehlsupp. In die könnt ich mich reinlegen! und das Morgens um 4:30 Uhr
2. Fast perfekter Artikel
beat.roma 01.02.2013
Ein fast perfekter Artikel über die Basler Fasnacht. Aber der Schweizer Dialekt (das Baseldeutsch) hat gegenüber dem Hochdeutschen so seine Tücken. So stellt die Maske, welche im Fasnachtsjargon Larve genannt wird, einen Waggis [...]
Ein fast perfekter Artikel über die Basler Fasnacht. Aber der Schweizer Dialekt (das Baseldeutsch) hat gegenüber dem Hochdeutschen so seine Tücken. So stellt die Maske, welche im Fasnachtsjargon Larve genannt wird, einen Waggis dar (der Waggis), die Mehrzahl wäre entsprechend "die Waggis". Es gibt aber noch zahlreiche andere tradizionelle Köstume wie die "alti Dante" (alte Tante), der Blätzlibajass oder der Pierot. Piccolopfeifen heissen in Basel kurz "Piccolos", und die kostümierten Teilnehmer sind Fasnächtler (mit "ä"), die Beiz schreibt man ohne "tz". Neben Käse- und Zwiebelkuchen ist die wärmende Basler Mehlsuppe fast noch typischer für den Morgestraich. Auch die Kleinbasler Seite gehört noch zur Altstadt, ist doch jener Stadtteil als Brückenschild schon im 15. Jahrhundert errichtet worden. Nota bene: die Adjektive der Schweizer Städte schreibt man verkürzt: Basler oder auch Zürcher. Wer Baseler oder Züricher schreibt, outet sich sofort als Einwohner des grossen Kantons, wie Deutschland von den Schweizern ironisch genannt wird. Das Gässle steht für das durch die Gassen ziehen, "der" oder "die" Gässle sagt man dementsprechend nicht. Die Fasnacht geht offiziell am Donnerstag-Morgen wieder um 4 Uhr zu Ende. Im Gegensatz zum rheinischen, deutschen Karneval geht es in Basel ziemlich gesittet zu. Ausschweifungen und sexuelle Anzüglichkeiten sind verpönt, gehen doch die trommelnden und pfeiffenden Cliquen auf militärische Umzüge zurück. Und zudem ist Basel protestantisch und nicht katholisch wie z.B. Köln. Entschuldigung für diese Anmerkungen und Korrekturen, aber bei seiner Fasnacht versteht der Basler keinen Spass! ;-) PS.: In der Schweiz schreibt man ohne Verwendung des scharfen S (Eszett )...
3.
BadTicket 01.02.2013
Ich bin zwar gleich neben Basel aufgewachsen, aber nie ein Fasnächtler geworden. Doch den Morgestraich muss man einfach mal erlebt haben! Wenn eine ganze Stadt plötzlich dunkel wird und tausende Cliquen - Guggenmusiken dürfen [...]
Ich bin zwar gleich neben Basel aufgewachsen, aber nie ein Fasnächtler geworden. Doch den Morgestraich muss man einfach mal erlebt haben! Wenn eine ganze Stadt plötzlich dunkel wird und tausende Cliquen - Guggenmusiken dürfen nicht an den Morgestraich, denen gehört der Dienstag Abend - den gleichen Marsch spielen, das geht unter dei Haut. Auch sehr speziell: Der Morgestraich selbst wird nie in der Clique, sondern nur alleine geübt. Halten sich die Fasnächtler also daran, hören sie diese Klänge auch nur dort in ihrer ganzen Fülle.
4. ganz wichtig: Blagedde kaufe
seppedoni 01.02.2013
Wer die Basler Fasnacht besuchen will, sollte sich unbedingt die jeweils aktuelle "Blagedde" (Plakette) besorgen. Man bekommt sie auch während der Fasnacht in vielen Geschäften und an den Kiosken. Dieser Anstecker [...]
Zitat von sysopEin Meer aus Laternen, bunten Masken und Piccolopfeifen: Die Basler Fasnacht ist ein dreitägiger Feiermarathon mit Zehntausenden Zuschauern. Besucher des närrischen Treibens sollten ein paar Vokabeln kennen - und sich vorm "Räppli" hüten. Schweiz: Drei Tage lang feiern bei der Basler Fasnacht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/europa/schweiz-drei-tage-lang-feiern-bei-der-basler-fasnacht-a-880087.html)
Wer die Basler Fasnacht besuchen will, sollte sich unbedingt die jeweils aktuelle "Blagedde" (Plakette) besorgen. Man bekommt sie auch während der Fasnacht in vielen Geschäften und an den Kiosken. Dieser Anstecker wird jedes Jahr von einem Künstler nach einem aktuellen Motiv (in Basel: "Sujet") gestaltet, und zwar nicht als billiger Button, sondern als massives Metallobjekt mit einer reliefartigen Darstellung. Vor ein paar Jahren zeigte die Blagedde z.B. ein Trämli (eine Straßenbahn), weil die Basler Verkehrsbetriebe damals viel Ärger mit den Konstruktionsfehlern beim neuen Siemens Combino hatten. Für jeden Geldbeutel passend gibt es die Blagedde in Kupfer, Silber und teilvergoldet. Die Blagedde am Revers gehört zum guten Ton, weil man damit die Basler Fasnacht finanziell unterstützt. Unnötig zu erwähnen, dass alte Blagedden begehrte Sammelobjekte sind.
5. Oh ja
ancoats 01.02.2013
Ein wundervolles Erlebnis - unbedingt mal hinfahren! Danach pfeift man auf die Variante hierzulande.
Ein wundervolles Erlebnis - unbedingt mal hinfahren! Danach pfeift man auf die Variante hierzulande.

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