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Reise

Ski-WM-Ort Åre

Ab in den Blumenkohlschnee

Auch wenn man die richtige Aussprache üben muss: Wer im Winter nach Åre fährt, versteht sofort, warum die Stockholmer diesen Ort so lieben. Und warum die Ski-WM hier ein besonderes Erlebnis wird.

SkiStar/dpa-tmn
Mittwoch, 09.01.2019   04:35 Uhr

Wenn Jesper Johnsson frühmorgens die Tourenski schultert und durch den Schnee zur Gondel stapft, schläft die Stockholmer High Society noch. Die Hauptstädter haben Åre zwar zu ihrem liebsten Winterferienort erkoren, den Lebensrhythmus der Einheimischen haben die Angereisten jedoch noch nicht übernommen. Während Johnsson schon von der Bergstation zum 1420 Meter hohen Gipfel des Åreskutan aufsteigt, gehen in den Hotelzimmern und Chalets erst nach und nach die Lichter an.

Åre - ausgesprochen "Ohre" - erwacht und wirkt doch irgendwie immer ein bisschen verschlafen. Verglichen mit dem Rummel in österreichischen Skihochburgen ist Schwedens bekanntestes Skigebiet in der Provinz Jämtland nordwestlich von Östersund ein Kurort.

Aus den Kaminen bunter Bauernhäuser steigt Rauch in die klirrend kalte Luft empor. In der Åre Kafferosteri faucht die Espresso-Maschine. Besitzerin Eva Gefvert Nordell und ihr Mann brühen damit ihre Eigenröstung, mit der die schwedischen Barista-Meister den "Word Roast Cup" gewannen. Auf dem zugefrorenen Åresjön-See ziehen Skilangläufer im Morgengrauen ihre Bahnen vor der Kulisse schneeverkrusteter Bergkuppen.

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Ski-WM-Ort Åre: Schwedens Topadresse

Doch die Stockholmer lieben Åre nicht nur als Ferienort, sondern kommen auch, um länger zu bleiben. "Weil sie keine Lust mehr auf die Enge und Hektik der Stadt haben", sagt Johanna Schalander. Sie ist eine von denen, die ihren gut bezahlten Job in der Hauptstadt aufgegeben haben, um in Åre ein anderes Leben zu beginnen: aktiver, naturverbundener, gelassener. "Rund um Åre sprießen Start-ups aus dem Boden, junge Leute eröffnen Geschäfte und Lokale", erzählt Schalander vom Boom in Jämtland.

Ultimative Mutprobe für Adrenalin-Junkies

Auch Johnsson gehört zu den Jungunternehmern. Zusammen mit dem Bruder des schwedischen Freestyle-Champions Henrik Harlaut hat er die Firma Åreguiderna gegründet. Johnsson und Philip Harlaut bieten Motorschlittentouren, Curling-Events, Langlauf und Skitouren an. Solche wie die am Åreskutan. Dort legt Johnsson noch einen Zwischenstopp in der winzigen, fast komplett von einem Schneepanzer überzogenen Toppstugan-Hütte ein, bevor er die Abfahrt in Angriff nimmt.

Das "Baksidan" genannte Areal gilt als das beste Freeride-Terrain Schwedens, die steile "Östra Ravin" als ultimative Mutprobe für Adrenalin-Junkies. Nicht, weil es besonders steil wäre, sondern wegen des herausfordernden Schnees. "Wir nennen ihn Blumenkohl-Schnee", erzählt Johnsson.

Feuchtwarme Luft vom Golf-Strom mische sich im Nordwesten Schwedens mit kalter Polarluft und überziehe die Berge gern mit einem Mix aus Schnee und Eis, der wie Blumenkohl aussehe. Die überwiegend leichten und mittelschweren Pisten aber sind perfekt präpariert und griffig. So wie jene hinunter zur Skihütte Buustamons Fjällgård.

Insgesamt 89 Abfahrten gehören zum Skigebietsverbund von Åre, Björnen und Duved. Der höchste der 42 Lifte endet auf der für alpine Verhältnisse bescheidenen Gipfelhöhe von 1274 Metern am Åre Topp Platå. Außer Puste kommt hier niemand. Allenfalls das Panorama mit weiten, von Seen durchzogenen Hochtälern ist atemberaubend. Knapp 900 Meter unter einem liegt der Ort.

Untertunnelte WM-Pisten

Manchmal ziehen Rentiere über den Gipfelgrat des 1300 Meter hohen Västerskutan. Gleich darunter beginnen die Pisten, auf denen zwischen dem 5. und 17. Februar die Alpinen Skiweltmeisterschaften stattfinden. Sie alle enden im Stadion oberhalb des Åresjön-Sees. Damit Urlauber auch während der Ski-WM von einem Teil des Skigebiets in den anderen pendeln können, wurden sie untertunnelt. "Entlang der Pisten können auch Touristen die Rennen aus nächster Nähe beobachten", erzählt WM-Sportdirektor Anders Sundqvist.

Während der WM wird Åre mit Live-Konzerten rund um die WM-Arena für die erwarteten 120.000 Zuschauer aufdrehen. Ansonsten geht es in Lokalen wie der Brasserie Wersén, dem Weinkeller Vinbaren oder der Cocktail-Bar Uvisan gesittet zu - bis auf den in Schweden "After Ski" genannten Après-Ski. Das Hotel Fjällgården mitten im Skigebiet gilt als Schwedens Hotspot. Hunderte feiern dort nachmittags bei Bier, Schnaps und Live-Musik.

Die wilde Party dauert aber nur ein, zwei Stunden. Dann fahren die sicherheitsbewussten Schweden hinunter in den Ort. Die meisten brav mit der alten Zahnradbahn. Diejenigen, die auf Skiern abfahren, tragen wenigstens Helm und Rückenprotektoren.

Bernhard Krieger, dpa/ele

insgesamt 1 Beitrag
P-Schrauber 09.01.2019
1.
Å ist ein deutsches tiefes kurzes O, vergleiche Åbo (Turku) O wird wie U ausgesprochen, U wie ein Ü und Y bleibt Y. Ansonsten ist Åre wie das norwegische Lillehammer oder Dombås zum Skifahren und wandern sehr geeignet, [...]
Å ist ein deutsches tiefes kurzes O, vergleiche Åbo (Turku) O wird wie U ausgesprochen, U wie ein Ü und Y bleibt Y. Ansonsten ist Åre wie das norwegische Lillehammer oder Dombås zum Skifahren und wandern sehr geeignet, ich kann alle drei Orte nur empfehlen!
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