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Reise

Überfülltes Amsterdam

Entlastung für den Rotlichtbezirk

Amsterdams Prostituierte sind eine Touristenattraktion - und mächtig genervt davon, dass immer mehr Gaffer kommen und immer weniger Freier. Jetzt will die Stadt den Strich weiter ziehen.

DPA

Prostitution in Amsterdam: Touristen halten Freier fern

Freitag, 02.11.2018   16:53 Uhr

Die niederländische Metropole Amsterdam will ihr Prostitutionsgebiet ausweiten, weil das legendäre Rotlichtviertel im Stadtzentrum inzwischen zu überlaufen ist. Sie reagiert damit auch auf Beschwerden der Sexarbeiterinnen, denen der Touristenansturm das Geschäft vermiest - und ihre Anonymität nimmt.

Denn die Damen, die sich hinter Fenstern den potenziellen Kunden anbieten, gehören längst zu den meistfotografierten Motiven der Grachtenstadt. Das verträgt sich für Sexarbeiterinnen wie Freier nicht gerade gut mit einem Gewerbe, das auch auf Diskretion und Heimlichkeit beruht. Je mehr Menschen sich durch die engen Gassen des Rotlichtviertels drängen, desto schwerer hat es dort das traditionelle Geschäft.

Sexarbeiterinnen sollen deshalb künftig auch in anderen Stadtteilen ihrer Beschäftigung nachgehen können, wo es mehr Platz und mehr Diskretion gibt - etwa in neu errichteten Bordellen: Dies sieht ein Entwurf der links-grünen Regierungskoalition im Stadtparlament vor, der am Freitag vorgelegt wurde.

Momentan ist die öffentliche Prostitution in Amsterdam auf das berüchtigte Wallen-Viertel in Bahnhofsnähe beschränkt. In den engen Gassen bieten sich Prostituierte hinter Glasscheiben den Freiern an. Das Problem ist, dass inzwischen immer mehr reine Touristen für Schnappschüsse hierher kommen. Die echten Freier bleiben weg, und die Sexarbeiterinnen fühlen sich von dem Touristenansturm genervt.

"Wir wollen den Sexarbeiterinnen die Option geben, nicht nur zuhause oder im Touristenviertel zu arbeiten, wo sie viel weniger Anonymität haben", sagte Stadtrat Alexander Hammelburg von der linksliberalen Partei D66. Die Neuregelung solle zudem das Problem des "Mangels an legalen Arbeitsräumen für Sexarbeiterinnen" beheben. Künftig könnten dann etwa hotelartige Bordelle in anderen Stadtteilen gebaut werden, wie es sie bislang noch nicht gibt.

Amsterdam hat eine ganze Reihe von Maßnahmen erlassen, um dem Ansturm von Touristen Herr zu werden. Renitente Partytouristen müssen inzwischen hohe Strafen zahlen, wenn sie sich auf der Straße lautstark daneben benehmen. Zudem werden seit August bestimmte Innenstadtbereiche regelmäßig für Touristen gesperrt, um sie zu säubern. Rund 18 Millionen Touristen kommen pro Jahr nach Amsterdam - mehr als die gesamte Bevölkerung der Niederlande.

AFP/pat

insgesamt 18 Beiträge
iffelsine 02.11.2018
1. Sehr vernünftige Idee !
Gebe zu, auch wir sind da lang gelaufen bei unserem Wochenendtrip (ohne Knipse). Wir hätten nichts dagegen, das komplette Gewerbe dort nicht mehr anzutreffen. Amsterdam kann ohne diese "Attraktion" womöglich besser [...]
Gebe zu, auch wir sind da lang gelaufen bei unserem Wochenendtrip (ohne Knipse). Wir hätten nichts dagegen, das komplette Gewerbe dort nicht mehr anzutreffen. Amsterdam kann ohne diese "Attraktion" womöglich besser leben - Freier fahren auch in die Vorstadt und Touristen fühlen sich wohler in der Altstadt ohne die Damen (und "Herren").
sok1950 02.11.2018
2. ja klar, neugierg gucken
und dann, um sich moralisch zu erhöhen, den Damen, Herren und der Stadt Amsterdam vorschreiben, was sie zu tun haben - am besten wegziehen.
Zitat von iffelsineGebe zu, auch wir sind da lang gelaufen bei unserem Wochenendtrip (ohne Knipse). Wir hätten nichts dagegen, das komplette Gewerbe dort nicht mehr anzutreffen. Amsterdam kann ohne diese "Attraktion" womöglich besser leben - Freier fahren auch in die Vorstadt und Touristen fühlen sich wohler in der Altstadt ohne die Damen (und "Herren").
und dann, um sich moralisch zu erhöhen, den Damen, Herren und der Stadt Amsterdam vorschreiben, was sie zu tun haben - am besten wegziehen.
larsmach 02.11.2018
3. Hinweisschild: Live-Cams, Touris werden dann in Rotlichtstraße gefilmt
Die Stadt Amsterdam kann natürlich auch Live-Cams mit Hinweisen aufstellen: So wissen sensationslüsterne TouristInnen, dass sie gefilmt werden - und wo. Nachher können sie dann wohlfeil die Nase darüber zu rümpfen, was einige [...]
Die Stadt Amsterdam kann natürlich auch Live-Cams mit Hinweisen aufstellen: So wissen sensationslüsterne TouristInnen, dass sie gefilmt werden - und wo. Nachher können sie dann wohlfeil die Nase darüber zu rümpfen, was einige Frauen, Männer und Transsexuelle offensichtlich seit Jahrtausenden für ihren Lebensunterhalt tun - und haben im Zweifel Screenshots ihrer Urlaubsaktivitäten. Es gibt viele Berufe, die man mögen kann oder nicht; man kann seinem Nachbarn vorschreiben, nicht mehr bei einem Waffenbauer arbeiten zu gehen oder dem jungen selbständigen Vertriebler nahelegen, endlich mit dem Verkauf sinnfreier Aktienfonds für Pensionäre aufzuhören. Der Himmel ist die Grenze.
stoffi 03.11.2018
4. Für mich
gehört der Rotlichtbezirk einfach zu Amsterdam dazu. Gäbe es ihn nicht mehr, fehlte was. Als junge Erwachsene , vor vielen Jahren, war dieser Rotlichtbezirk mitten in der Stadt was besonderes und auch die Geschäfte, bei denen [...]
gehört der Rotlichtbezirk einfach zu Amsterdam dazu. Gäbe es ihn nicht mehr, fehlte was. Als junge Erwachsene , vor vielen Jahren, war dieser Rotlichtbezirk mitten in der Stadt was besonderes und auch die Geschäfte, bei denen Saxspielzeug offen im Schaufester lag. Inzwischen ist das doch nichts Besonderes mehr. Als ich im letzten Jahr mit meinen 16 jährigem Enkel das Anne-Frank Haus besuchte, hat er sich überhaupt nicht für den Rotlichtbezirk interessiert, wohl weil die heutige Jugend nicht mehr so verklemmt aufwächst, wie einst ihre Grosseltern.
sok1950 03.11.2018
5. ich persönlich möchte nicht von Live-Cams gefilmt werden
...gehe aber auch sehr selten "als Tourist und Gaffer" - in einen Rotlichtbezirk...
Zitat von larsmachDie Stadt Amsterdam kann natürlich auch Live-Cams mit Hinweisen aufstellen: So wissen sensationslüsterne TouristInnen, dass sie gefilmt werden - und wo. Nachher können sie dann wohlfeil die Nase darüber zu rümpfen, was einige Frauen, Männer und Transsexuelle offensichtlich seit Jahrtausenden für ihren Lebensunterhalt tun - und haben im Zweifel Screenshots ihrer Urlaubsaktivitäten. Es gibt viele Berufe, die man mögen kann oder nicht; man kann seinem Nachbarn vorschreiben, nicht mehr bei einem Waffenbauer arbeiten zu gehen oder dem jungen selbständigen Vertriebler nahelegen, endlich mit dem Verkauf sinnfreier Aktienfonds für Pensionäre aufzuhören. Der Himmel ist die Grenze.
...gehe aber auch sehr selten "als Tourist und Gaffer" - in einen Rotlichtbezirk...

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