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Reise

Dachstein in Österreich

E-Doping fürs Mountainbike

Mit dem Fahrrad in die österreichischen Berge? Das ist kein Privileg von durchtrainierten Sportlern mehr. Dank E-Mountainbikes können auch Freizeitradler die Steigungen von Dachsteingebirge und Co. bezwingen.

Georg Knaus / Tourismusverband Schladming-Dachstein / TMN
Donnerstag, 13.07.2017   13:49 Uhr

Es geht bergauf. Steil bergauf. Und doch fallen den Radlern die Tritte in die Pedalen ihrer Mountainbikes erstaunlich leicht: Sie haben elektrischen Rückenwind. Für jemanden, der zwar leidenschaftlich gerne Fahrrad fährt, sich aber eher auf ausgiebigen Flachetappen zu Hause fühlt, ist dies trotzdem ein echtes Abenteuer. "Glaubt mir, ihr werdet den Tag genießen", hatte Coach Melanie Schaumberger der Gruppe am Morgen versprochen.

Startpunkt Haus im Ennstal im Westen der Steiermark. Ein idyllisches Dorf, eingebettet in die imposante Bergwelt der Schladminger Tauern im Süden und des Dachsteingebirges im Norden. Schon nach kurzer Zeit beginnt die Auffahrt durch ein Waldgebiet mit hügeligem Gelände.

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Österreich: Per E-Mountainbike ins Dachsteingebirge

Dann ein paar kurze, aber machbare Rampen. Akku Stufe zwei von maximal vier. Alles kein großes Problem. "Lieber einen kleinen Gang schalten und die Trittfrequenz erhöhen. Das ist weniger anstrengend", sagt Schaumberger. Als E-Bike-Anfänger versucht man, möglichst Akku-schonend zu fahren. Schließlich soll die elektrische Unterstützung auch am Ende des Tages noch gesichert sein.

Sportliche Mountainbiker entdecken die E-Variante

"E-Mountainbikes sind der ultimative Trend im Radsportbereich. Ich selbst greife auch immer wieder gerne mal zum E-Bike - weil es einfach Spaß macht", sagt Heinz Hartweger. Er ist Ex-Radrennsportler, zertifizierter Mountainbike-Guide und Hotelier in der Urlaubsregion Schladming-Dachstein.

Die anfangs befürchteten Konfliktpotenziale seien im Wesentlichen ausgeblieben. "Man muss auch keine Angst haben, dass jetzt alle Gipfel von E-Mountainbikern überrollt werden." Vorbei seien aber die Zeiten, in denen alles andere als die eigene Muskelkraft bei Mountainbikern grundsätzlich komplett verpönt war. "Nicht nur Hobbyradler, auch immer mehr gute Sportler lassen sich von E-Bikes überzeugen", sagt Hartweger.

Das bestätigt David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV): "Die Zielgruppen haben sich verschoben." Waren es am Anfang vorwiegend Ältere, die beim Radfahren gerne auf elektrische Hilfe zurückgriffen, so hätte inzwischen viele jüngere und auch sportlich ambitionierte Fahrradfahrer E-Bikes - gerade auch im Mountainbike-Bereich - für sich entdeckt.

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Ein Grund dafür ist die immer ausgereiftere Technik. "Bei Carbon-E-Mountainbikes sind wir inzwischen bei einem Gesamtgewicht von nur noch 15 Kilo angekommen", sagt Eisenberger. "Und die Akku-Technologie ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass man sich bei Tagestouren über die Reichweite keine Sorgen machen muss."

45 Kilometer und fast 900 Höhenmeter

Die Gruppe am Dachstein bringt den Birnberg und den Sattelberg erfolgreich hinter sich. Und auf der Strecke stellt sich das angenehme Gefühl ein, als Mountainbiker weitgehend allein unterwegs zu sein. "Bei dem großen Streckennetz verteilt sich alles recht gut", erklärt Schaumberger.

Nach gut 75 Minuten trotz Motorunterstützung recht schweißtreibender Fahrzeit eine erste Rast am Kulmberg auf einer Höhe von 1273 Metern. 635 Höhenmeter sind bereits geschafft. Grund genug zum Durchatmen und Genießen des Talblicks. Mittagspause iwrd auf der Sonnenalm gemacht - mit einer steirischen Brettljause.

Danach geht es auf Schotterpisten den Berg hinunter, so steil hinab wie es am Vormittag hinaufgegangen ist. Konzentration, Steuertechnik und gute Bremsen sind gefragt. Spaß macht es den Fahrern aber allemal. Nach einem Abstecher nach Schladming ins Zentrum der Wintersportwelt kämpft die Gruppe auf einem Abschnitt des Ennsradwegs weniger gegen Höhenmeter als gegen den aufkommenden Wind an.

Die erfreuliche Tagesstatistik: 45 Kilometer, 890 Höhenmeter, und der Akku zeigt immer noch satte zwei von insgesamt fünf Balken an. Die kommenden Tage sind auch schon geplant: In der Region Schladming-Dachstein gibt es immerhin über 930 Kilometer ausgeschilderte Touren, die insgesamt 25.000 Höhenmeter bewältigen. Zahlreiche Verleiher bieten auch E-Mountainbikes an.

Als Nächstes ist eine Panoramarunde dran, bei der es bis auf 1700 Meter geht und bei der 1300 Höhenmeter geschafft werden wollen. Höhepunkt der Tour: der Dachsteingletscher.

Brigitte Geiselhart, dpa

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