Schrift:
Ansicht Home:
Reise

Schottland-Reise

Die besten Tipps für Edinburgh

Die schottische Hauptstadt schafft ein Kunststück: Trotz alter Gemäuer ist Edinburgh nicht zur Kulisse erstarrt. Eine Entdeckungstour.

Getty Images
Von Olaf Tarmas
Sonntag, 17.03.2019   13:19 Uhr

"Im Grunde gibt es Edinburgh mehrfach", sagt Julia Amour. "Einmal das normale Edinburgh, das man das ganze Jahr über besuchen kann - und das schon faszinierend genug ist. Und das Edinburgh während der 'Festival Season' im Juli und August, wenn sich die Räume der Stadt verwandeln und in allen Ecken und Nischen etwas Ungewöhnliches vor sich geht."

Amour ist als Direktorin der Edinburgh Festivals nicht nur Kunst- und Kulturinstanz, sondern seit frühester Jugend Fan der schottischen Hauptstadt. Geboren in Inverness, zog sie als junge Erwachsene zum Studieren hierher. Und blieb.

"Ich bin dieser Stadt nie überdrüssig geworden, eben weil sie so viele verschiedene Gesichter hat", sagt die heute 49-Jährige, während sie in ihrem Lieblingscafé, dem Checkpoint am Bristo Place in der Altstadt, sitzt. Ein offener Schiffscontainer bildet eine Nische, ansonsten dominiert in dem Café Holz. Amour hat Winterkürbis, Schwarzkohl und Harissa-Joghurt bestellt - eine kleine Stärkung vor dem Stadtspaziergang.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Checkpoint (@checkpointedi) am

Start ist die Victoria Street. Abseits von Postkartenmotiven wie Edinburgh Castle, der Prachtstraße Royal Mile oder dem Hotel Balmoral ist Edinburgh hier ganz bei sich selbst. Gesäumt von steil aufragenden, altersschwarzen Sandsteinfassaden beschreibt die Altstadtstraße eine abwärtsführende Kurve, vorbei an bunten Ladengeschäften wie der Tweed-Boutique Walker Slater und einer Galerieetage auf halber Höhe.

Viele Vorbilder für "Harry Potter"

Was Edinburgh so unverwechselbar macht: Gebäude und Straßenzüge liegen auf mehreren Ebenen und sind durch Brücken, Treppengänge und Tunnel miteinander verbunden - und durch die düster-gotische Anmutung der altersschwarzen Sandsteinfassaden. "Die Altstadt wirkt in ihrer Geschlossenheit fast kulissenhaft - aber es ist alles echt. Und einmalig: zwölfstöckige gotische Hochhäuser, das gibt es nur in Edinburgh", sagt Amour.

Fotostrecke

Spaziergang durch Edinburgh: So alt, so lebendig

Weil die Stadt auf solidem Vulkangestein gründet, wuchsen schon im Mittelalter die Häuser in die Höhe. Das Stadtbild inspiriert seit jeher Poeten und Schriftsteller. "Es ist kein Wunder, dass J.K. Rowling ihren 'Harry Potter' hier geschrieben hat", sagt Amour, "die Stadt ist voller Vorbilder für die Handlungsorte der Romane." Zum Beispiel die George-Heriots-Schule. Der burgartige Renaissancebau mit seinen Zinnen und dem großen Uhrturm wird oft als Vorbild für die Zauberschule Hogwarts genannt. "Man begreift sofort, warum - nicht wahr?", meint Amour und blickt durch das gusseiserne Tor die imposante Auffahrt zum Portal hinauf.

Doch Potter-Reminiszenzen gehören fast schon zum Edinburgh-Klischee. Amour will auch die unbekannteren Ecken zeigen. Ein paar Straßen weiter endet die gotische Kulisse, stattdessen: gepflegter Rasen und schattige Ulmenalleen in The Meadows, Edinburghs großem Park. "Eine Oase mitten in der Stadt. Viele Musiker spielen oder üben hier, im Sommer entstand voriges Jahr eine spontane Pop-up-Disco - die Leute haben auf dem Weg getanzt, sehr coole Atmosphäre."

Jenseits des Parks liegt das Kunst- und Kulturzentrum Summerhall, einer von Amours Lieblingsorten. Untergebracht in den ehrwürdigen Gebäuden einer ehemaligen Veterinärsschule, wird es heute für Ausstellungen, Performances und Kunstprojekte genutzt. "Und natürlich für die Festivals", sagt Amour, "Das Science-Festival im April und das Off-Festival 'Fringe' finden hier immer Aufführungs- und Experimentierräume."

Im Innenhof bieten Foodtrucks im Sommer vietnamesische und US-amerikanische Küche an - der eigentliche Hingucker ist aber die Bar: Tierschädel, Knochen und in Formaldehyd eingelegte Präparate wachen über ein sorgfältig kuratiertes Gin-Sortiment.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Summerhall Edinburgh (@summerhallery) am

Amours liebstes Kunstwerk findet sich indes im "Modern Two", dem zweiten Gebäude der Scottish National Galleries for Modern Art, ein wenig außerhalb der Altstadt. "Futurism at Lenabo", eine Grafik des Edinburgher Proto-Pop-Art-Künstlers Eduardo Paolozzi. "Elegant, cool, enigmatisch", schwärmt sie. Ein Besuch in dem Museum mit Werken von Matisse über Pollock bis Warhol ist auch ein großartiger Auftakt für einen raffinierten Edinburgher Spaziergang.

Nicht weit vom Museum befindet sich ein Einstieg in den Water of Leith Walkway. Ein paar Treppenstufen hinab, und schon findet man sich in einer landschaftlichen Parallelwelt wieder. Der oft übersehene Spazierpfad führt durch ein Flusstälchen, üppig begrünt mit Laubbäumen, Efeu und Moos. Mal unter überhängenden Ästen, mal auf Bohlenwegen über dem Bachlauf gelangt man nach Dean Village - ein Kleinstadtidyll mitten in der Stadt, mit Fachwerkhäusern und dem "Well Court", einer historischen Arbeiterunterkunft aus dem 19. Jahrhundert, deren rötliche Sandsteingemäuer samt Uhrturm viktorianischen Charme ausstrahlen.

Lebendiges Hafenviertel Leith

Eine Viertelstunde zu Fuß flussabwärts gelangt man ins Vorortkleinstädtchen Stockbridge - das nächste Idyll, nur etwas moderner. Boutiquen, Cafés und Bars - "Stockerians ziehen nur selten in andere Teile von Edinburgh, wer einmal hier wohnt, will einfach nicht wieder weg", behauptet ein Passant vor Mellis Cheese am Bakers Place.

Der altmodische Craft-Cheese-Laden verkauft schottische Käsesorten wie "Blue Hebridean" und "Smoked Cheddar". Die schwarz gestrichene Kellerbar The Last Word in der benachbarten Stephen Street wäre der perfekte Ort für den Tagesausklang bei Torffeuer und Whisky - wenn es denn schon später wäre. Und wenn da nicht noch, eine Dreiviertelstunde flussabwärts, das angesagte Hafenviertel Leith an der Flussmündung warten würde.

"Dort verändert sich Edinburgh momentan am stärksten", sagt Amour. Vor 20 Jahren war Leith ihre erste Station in Edinburgh, lange Zeit lebte sie hier, zusammen mit Künstlern und Kulturschaffenden. "Damals war es einfach eine günstige Gegend zum Leben für Studenten und Künstler", erzählt sie. Heute ist Leith eine Melange aus modernem Waterfront-Viertel und alten Hafengebäuden.

Im Design-Center Custom Lane in einem alten Zollgebäude am Custom's Wharf kann man die Herrenkollektion des schottischen Designers Kestin Hare probieren, Veranstaltungen zu Kunst und Architektur besuchen oder einfach brasilianischen Kaffee trinken. Und in Teuchter's Landing, einem Pub in einem alten Wartehäuschen für die Leith-Fähre, findet sich dann doch noch der passende Tagesabschlussort: mit einer wandfüllenden Whiskysammlung, Feuerchen im Kamin und Blick aufs Wasser.

Olaf Tarmas ist freier Autor bei SPIEGEL ONLINE. Die Reise wurde unterstützt von Visit Scotland.

insgesamt 6 Beiträge
heinz.murken 17.03.2019
1. The Place to be!
Ich war mehrere Male in Edinburgh und konnte mir vom ersten Moment an vorstellen, in dieser Stadt zu leben. Edinburgh ist überraschend anders als erwartet, wenn man es sich zum ersten Mal erläuft, egal, ob es Frühjahr, Herbst, [...]
Ich war mehrere Male in Edinburgh und konnte mir vom ersten Moment an vorstellen, in dieser Stadt zu leben. Edinburgh ist überraschend anders als erwartet, wenn man es sich zum ersten Mal erläuft, egal, ob es Frühjahr, Herbst, Winter oder Sommer ist. Wer Edinburgh nicht kennt, hat eine der schönsten Städte der Welt verpasst!
zeisig 17.03.2019
2. Schottland ja, Edinburgh . . . .
Auf meiner Schottland-Reise besuchte ich am Ende für zweieinhalb Tage Edinburgh. Fazit meiner Reise: Schottland - Land und Leute einfach nur zum Lieben, nur zu empfehlen. Edinburgh: Hoffnungslos überlaufen, vor allem [...]
Auf meiner Schottland-Reise besuchte ich am Ende für zweieinhalb Tage Edinburgh. Fazit meiner Reise: Schottland - Land und Leute einfach nur zum Lieben, nur zu empfehlen. Edinburgh: Hoffnungslos überlaufen, vor allem natürlich die Sehenswürdigkeiten wie die Burg. Edinburgh ist inzwischen natürlch auch auf dem Schirm von asiatischen Reiseveranstaltern und was das bedeuted, davon konnte ich mich überzeugen. Es macht einfach keinen Spaß mehr. Nie mehr !
Nania 17.03.2019
3.
Dann waren Sie eindeutig in den falschen Ecken. Edinburgh war zumindest bei meinem letzten Aufenthalt vor drei Jahren keineswegs überlaufen. Ja, klar, wenn man sich am Schloss oder auf der Royal Mile aufhält, sind da [...]
Zitat von zeisigAuf meiner Schottland-Reise besuchte ich am Ende für zweieinhalb Tage Edinburgh. Fazit meiner Reise: Schottland - Land und Leute einfach nur zum Lieben, nur zu empfehlen. Edinburgh: Hoffnungslos überlaufen, vor allem natürlich die Sehenswürdigkeiten wie die Burg. Edinburgh ist inzwischen natürlch auch auf dem Schirm von asiatischen Reiseveranstaltern und was das bedeuted, davon konnte ich mich überzeugen. Es macht einfach keinen Spaß mehr. Nie mehr !
Dann waren Sie eindeutig in den falschen Ecken. Edinburgh war zumindest bei meinem letzten Aufenthalt vor drei Jahren keineswegs überlaufen. Ja, klar, wenn man sich am Schloss oder auf der Royal Mile aufhält, sind da natürlich Touristen, aber abseits der ganz klassischen Touristenpunkten findet man unheimlich viel Schönes, interessante Einblicke und vor allem eine spannende Atmosphäre.
kenneth2005 17.03.2019
4. Auf die Insel
fahr ich mit Sicherheit nicht.Es gibt so viele Länder,wo sich die Menschen freuen wenn man seinen Urlaub dort verbringt, ohne zu fragen wie lange man bleiben will
fahr ich mit Sicherheit nicht.Es gibt so viele Länder,wo sich die Menschen freuen wenn man seinen Urlaub dort verbringt, ohne zu fragen wie lange man bleiben will
Braveheart Jr. 17.03.2019
5. Mein erster Schottland-Besuch vor mehr als 30 Jahren ...
... führte mich nach "Embraah": ein Hotel auf der Princes Street (gibt es nicht mehr), Speisesaal mit 4m hohen Fenstern und Blick auf die Rückseite der Häuserzeile entlang der Royal Mile. Überwältigend schön, vor [...]
... führte mich nach "Embraah": ein Hotel auf der Princes Street (gibt es nicht mehr), Speisesaal mit 4m hohen Fenstern und Blick auf die Rückseite der Häuserzeile entlang der Royal Mile. Überwältigend schön, vor allem am Abend.
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP