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Reise

Schottische Insel Eigg

"Als wäre man am Ende der Welt"

Die Bewohner von Eigg verwalten ihre Insel seit über 20 Jahren selbst. Der Fotograf Danny North hat das Eiland mehrere Wochen besucht und zeigt die Menschen, die in Abgeschiedenheit und einer atemberaubenden Landschaft leben.

Danny North
Von
Mittwoch, 11.07.2018   04:41 Uhr

Etwa hundert Menschen leben auf der 31 Quadratkilometer großen Insel Eigg in den Inneren Hebriden, wenige Kilometer von der Westküste Schottlands entfernt. Der Fotograf Danny North brauchte trotzdem 13 Stunden, um dorthin zu gelangen. "Es fühlt sich an, als wäre man am Ende der Welt", sagt North. "Man ist von London aus schneller in Tokio als auf Eigg."

Als er schließlich die windgepeitschte Insel erreichte, war er beeindruckt: "Die Aussicht vom Strand in der Laig-Bucht ist eine der schönsten, die ich je gesehen habe." Er blieb 2016 zwei Wochen dort. Im darauffolgenden Jahr besuchte er die Insel weitere vier Male, insgesamt für rund acht Wochen.

Am 12. Juni 1997 kauften die Inselbewohner, die eine Stiftung gegründet hatten, ihre Heimat von den damaligen Grundstückseigentümern auf. Seitdem verwalten sie sich selbst, alle wichtigen Entscheidungen werden gemeinsam gefällt - zum Beispiel die für eine inseldeckende Stromversorgung aus erneuerbaren Energien. Bis 2008 nutzen sie nur Dieselgeneratoren, teuer und umweltverschmutzend.

Der Fotograf entdeckte einen besonderen Geist und eine Verbundenheit unter den Eiggern, wie sie genannt werden - und war fasziniert davon. Die Menschen stehen auch im Mittelpunkt seiner Serie "As I Found Her: A Portrait of Eigg". Seine Porträts zeigen Kinder, Bauern, Geschäftsleute oder Musiker, oft inmitten der wilden Landschaft.

Fotostrecke

Wilde Natur, großer Zusammenhalt: Leben auf der Insel Eigg

North nahm sich viel Zeit, die Menschen kennenzulernen. Als die Leute hörten, dass er länger bleiben wollte - die meisten Besucher halten sich sonst nur ein paar Stunden dort auf -, begannen sie, sich ihm gegenüber zu öffnen. "Am Ende meines ersten Aufenthalts hatte ich den ganzen Tratsch gehört und fühlte mich schon fast als ein Teil von ihnen."

Mit seinen Fotos will der Engländer zeigen, was es bedeutet, auf einer Insel in einer so engen Gemeinschaft zu leben. "Wenn dein Auto kaputt geht, kommen vier Leute, um es zu reparieren. Alle halten sehr zusammen", sagt North. Das Gemeinschaftsgefühl sei stark, persönliche Verbindungen sind immer noch die einzige wirkliche Währung.

Im vergangenen Jahr stellte North seine Fotos im Rathaus von Eigg aus - fast alle Bewohner kamen. "Sie weinten und lachten, weil ich ihnen einen Spiegel ihrer Gemeinschaft bot", sagt der Fotograf. "Vielleicht konnten sie zum ersten Mal seit Generationen sich selbst als Ganzes betrachten und darüber nachdenken, wie weit sie schon gekommen waren."

North bedauert das Ende seines Projekts sehr: "Ein Jahr lang war Eigg das Herz und die Seele meiner Kreativität und alles, woran ich dachte. Ich habe mich in die Insel und ihre Menschen verliebt." Daher träumt er auch davon, eines Tages dort hinzuziehen.

insgesamt 4 Beiträge
lachina 11.07.2018
1.
Wunderschön! Danke für diesen Beitrag. Es gibt sie also noch, die Nischen in Europa.
Wunderschön! Danke für diesen Beitrag. Es gibt sie also noch, die Nischen in Europa.
chrmayerer 11.07.2018
2. Was ist bei Mobbing?
Was macht die Inselgemeinschaft, wenn jemand aus der Gemeinschaft rausfällt, aus ihr austritt oder ausgestoßen wird? Wieso auch immer, ob er jetzt die Frau des Nachbarn verführt hat oder ob er deswegen verdächtigt wird. Oder [...]
Was macht die Inselgemeinschaft, wenn jemand aus der Gemeinschaft rausfällt, aus ihr austritt oder ausgestoßen wird? Wieso auch immer, ob er jetzt die Frau des Nachbarn verführt hat oder ob er deswegen verdächtigt wird. Oder weil er die "falsche" Musik hört oder zum Islam übertritt oder der einzige Fan des anderen Fußballclubs ist. Oder sonstwas. Kleine isloierte Gemeinschaften können auch ein Gefängnis sein.
touri 12.07.2018
3.
Ich vermute das gleiche wie wenn man im Job gemobbt wird. Entweder man löst den Konflikt, hält es aus oder geht. Aber ich denke mal gerade in kleinen Gemeinschaften kann man einen solchen Konflikt gut lösen, weil wenn jeder [...]
Zitat von chrmayererWas macht die Inselgemeinschaft, wenn jemand aus der Gemeinschaft rausfällt, aus ihr austritt oder ausgestoßen wird? Wieso auch immer, ob er jetzt die Frau des Nachbarn verführt hat oder ob er deswegen verdächtigt wird. Oder weil er die "falsche" Musik hört oder zum Islam übertritt oder der einzige Fan des anderen Fußballclubs ist. Oder sonstwas. Kleine isloierte Gemeinschaften können auch ein Gefängnis sein.
Ich vermute das gleiche wie wenn man im Job gemobbt wird. Entweder man löst den Konflikt, hält es aus oder geht. Aber ich denke mal gerade in kleinen Gemeinschaften kann man einen solchen Konflikt gut lösen, weil wenn jeder jeden kennt, dann sollte es auch immer jemanden geben der vermitteln kann. Wesentlich schwieriger ist es, wenn es zu einer Lagerbildung kommt. Dann ist ein Zusammenleben eigentlich nicht mehr möglich, da man sich bei sowenigen Menschen auf jeden verlassen können muss.
lachina 12.07.2018
4.
Bei früheren dörflichen Gemeinschaften , war eigentlich immer Verbannung die Lösung. Der Betreffende musste gehen.
Zitat von touriIch vermute das gleiche wie wenn man im Job gemobbt wird. Entweder man löst den Konflikt, hält es aus oder geht. Aber ich denke mal gerade in kleinen Gemeinschaften kann man einen solchen Konflikt gut lösen, weil wenn jeder jeden kennt, dann sollte es auch immer jemanden geben der vermitteln kann. Wesentlich schwieriger ist es, wenn es zu einer Lagerbildung kommt. Dann ist ein Zusammenleben eigentlich nicht mehr möglich, da man sich bei sowenigen Menschen auf jeden verlassen können muss.
Bei früheren dörflichen Gemeinschaften , war eigentlich immer Verbannung die Lösung. Der Betreffende musste gehen.

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