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Reise

Andros und Tinos in der Ägäis

Comeback des Insellebens

Junge Griechen zieht es wieder auf ihre Heimatinseln - fern der Großstädte: Auf den Kykladeninseln Andros und Tinos entstehen Restaurants und Manufakturen, die Wert auf regionale Produkte legen.

TMN
Donnerstag, 07.06.2018   09:09 Uhr

Enge Gassen schlängeln sich um die weißen Häuser von Tripotamos. Dazwischen: Gänge, die ins Nichts führen. Die Einwohner der Kykladeninsel Tinos versuchten einst, Piraten so ein Schnippchen zu schlagen. Die Tinoten selber "sind über die Dächer von einem Haus zum anderen gegangen", sagt Sofia Passa.

Passa, eine promovierte Geologin mit fester Stelle an der Universität, ist vor einigen Jahren auf die Kykladeninsel in der Ägäis gezogen. "Tinos ist ein ganz besonderer Ort, hier will ich leben", sagt sie. Fernab vom Stress der Großstadt.

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Tinos und Andros in der Ägäis: Im Norden der Kykladen

Sie ist ihrer Mutter Ourania Diamantopoulou gefolgt, einer Architektin, die über viele Jahre hinweg verfallene Häuser in Tripotamos schmalen Gassen zu einzigartigen Hotelzimmern umgebaut hat. Jedes ganz anders und so in den 40-Einwohner-Ort eingepasst, dass sie nur durch ihre hellgrün gestrichenen Türen auffallen. Crossroads Inn heißen die Unterkünfte, weil sich hier die Wege vieler Menschen kreuzen.

So wie Sofia Passa gibt viele junge Leute, die auf die Insel gezogen oder wiedergekommen sind. Viele bauen sich dort eine Existenz auf: Mancher eröffnet ein Restaurant und kocht nur mit dem, was die Insel hergibt. Oder erzeugt selber Lebensmittel: Käse, Wein, Schnaps oder Louza, den traditionellen Schinken.

Viele Gastronomen haben sich zu den Food Paths zusammengeschlossen und halten einmal im Jahr ein Festival auf der ganzen Insel ab. Jeder kocht etwas, Touristen wie Einheimische können die Köstlichkeiten probieren.

Traditionen der Vorväter beleben

Landwirtschaft und Gemüseanbau haben hier genauso wie auf dem benachbarten Andros eine lange Geschichte: Die Venezianer herrschten einst auf beiden Inseln, die so etwas wie ein Garten für die italienischen Fürstenfamilien waren. Auch auf Andros sind lokale Küche und heimische Produkte heute auf den Speisekarten vieler Restaurants und Tavernen zu finden.

"Das war nicht immer so", erzählt Katerina Remoundou. "Als ich vor einigen Jahren an die Türen eines Bauern klopfte, um seine Kürbisse zu kaufen, sagte er: Womit soll ich dann die Schweine füttern?" In Athen hat sich Remoundou als Restaurantkritikerin einen Namen gemacht, heute kocht sie selbst für ihre Gäste. Mit dem, was ihr Garten hergibt und was die Bauern auf der Insel produzieren.

"Wir haben viele Quellen, darum sind große Teile der Insel das ganze Jahr über grün, und das Wasser für die Felder war immer da", erzählt Ariana Masselou, die Athen ebenfalls den Rücken gekehrt und sich wieder auf ihrer Insel angesiedelt hat - mit einem kleinen Unternehmen für Trekking und Yoga.

Andere sind nie weggegangen und tun sich nun zusammen, um die Traditionen ihrer Vorväter wiederzubeleben. So wie Yannis, der allein zwischen den zahlreichen Terassenfeldern in Plaka seine Bienenstöcke bearbeitet. Oder die Kooperative von Frauen in Batsi, die kleine Kuchen und Süßigkeiten herstellen.

In Chora, dem Hauptort von Andros, werden in einer Kooperative Seifen hergestellt, die nach den Düften der Insel riechen: Zitrone und Orange, Rosen und Lavendel, wilde Kräuter. Katerina Remoundou kommt heute einfacher an die Zutaten für ihr Restaurant, das sie zu Ehren ihres Großvaters Zozef's genannt hat. Es kommt eher wie ein gemütliches Wohnzimmer denn als eine straff durchorganisierte Gaststätte daher.

Baden und wandern wie auf Naxos

Es tut sich also etwas auf diesen Kykladeninseln, die immer im Schatten der berühmteren Nachbarin Mykonos oder gar von Santorin stehen. Dabei gibt es hier ebenso Strände und Buchten: "Manche sind wunderschön, aber nur per Boot zu erreichen", sagt Ariana Masselou.

Für andere braucht man entweder einen Geländewagen oder gute Kondition und Wanderschuhe. Wieder andere sind per Auto erreichbar, dort werden im Sommer auch Liegen und Sonnenschirme aufgestellt. In Beachbars gehen kühle Getränke über den Tresen.

Sowohl Andros als auch Tinos sind recht hügelig - gut für Wanderer, besonders im Frühjahr und im Herbst: Die Inseln haben jeweils mehr als 100 Kilometer ausgewiesener und beschilderter Wege. Auf Tinos finden Kletterer ihr Revier in einer Art Mondlandschaft bei Volax - der Name des kleinen Dorfes heißt auf Griechisch Fels.

Auf Andros liegt eine kühle Alternative unter der Erde: die Höhle von Foros mit fünf unterirdischen Räumen, die rund fünf Millionen Jahre alt sind. Stalaktiten, Stalagmiten, Marmor und Sandstein bilden teils bizarre Formationen, wie es sie nur an wenigen anderen Orten auf der Welt gibt.

Nur im August wird es voll auf Andros und Tinos. Dann ist in Athen Sommerpause - und die Städter genießen das Inselleben. Wenn die meisten auch nur für einen Urlaub.

Verena Wolff, dpa/abl

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