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Reise

Mit Familie und Wohnmobil durch Schottland

Wo "Braveheart" kämpfte

Den Freiheitskämpfer kennen die Söhne aus "Braveheart", die Eltern die Highland-Clans aus "Outlander". Eine Wohnmobiltour führt die Familie durch Schottland - und zu Stellplätzen in traumhafter Lage.

Dirk Sommer/ SRT
Freitag, 06.07.2018   08:27 Uhr

Von weitem ist das Seehundbaby kaum zu erkennen. Sein hellgraues Fell verschmilzt farblich mit den Kieselsteinen am Ufer der Isle of May, wo es erst vor zwei Tagen zur Welt gekommen war. Die Tarnung ist perfekt!

Wie gut, dass die Kamera, die einige hundert Meter entfernt an den Klippen angebracht wurde, zoomen und die Bilder in das Seabird Centre in North Berwick übertragen kann. Die Besucher können das Objektiv per Joystick steuern - und auf dem Bildschirm wirkt der kleine Wonneproppen mit seinen schwarzen Kulleraugen plötzlich zum Greifen nah.

"Mama, der guckt mich an", ruft ein kleines Mädchen. Andere Kinder sind eher an der Technik interessiert, mit deren Hilfe sich die interaktiven, auf mehreren Inseln an Schottlands Ostküste installierten Live-Kameras steuern lassen. Die imposanteste steht auf Bass Rock, einem Felsklotz in der Nordsee. Basstölpeln, Trottellummen und Papageientauchern können die Besucher so ins Nest gucken, ohne die Tiere beim Brüten zu stören.

Für Familien ist das ein gelungener Einstieg in diese Reise mit Wohnmobil quer durch Schottland, bei der - wie sich zeigen wird - das Beobachten von Tieren viel Raum einnimmt.

Die Katastrophe der Highlander

Auf der Fahrt in den Norden ist jedoch erst mal eine Lektion in schottischer Geschichte angesagt. Ganz in der Nähe der Stadt Stirling ragt auf einem Hügel das Wallace Monument in den Himmel. Mit dem 67 Meter hohen Turm haben die Schotten 1869 ihrem nationalen Helden ein Denkmal gesetzt: William Wallace.

Die Söhne kennen ihn aus dem Film "Braveheart". Seit sie den Hollywood-Hit im Fernsehen anschauen durften, waren sie wild darauf, die Heimat des Freiheitskämpfers kennen zu lernen, dessen Schwert (bewiesen ist das freilich nicht) im zweiten Stock des Wallace-Monuments ausgestellt ist. Der Legende nach hat er damit 50 Gegner hintereinander getötet.

Fotostrecke

Per Wohnmobil durch Schottland: Highlands und Küstenstraßen

In der Turmspitze analysieren die Jungs die - aus schottischer Sicht - äußerst günstige Lage des Schlachtfelds an der Stirling Bridge, das man von hier oben sehr gut überblicken kann. Tatsächlich brachten die Schotten unter dem Kommando von Wallace den Engländern im Jahr 1297 hier eine vernichtende Niederlage bei. In der langen Geschichte blutiger Auseinandersetzungen zwischen den beiden Völkern ist der schottische Sieg von Stirling Bridge jedoch eher die Ausnahme. Meistens siegten die Engländer.

Der letzte Kampf liegt schon lange zurück: die Schlacht von Culloden im Jahr 1746. Sie dauerte nur gut eine halbe Stunde, doch für die Schotten war sie eine Katastrophe und die Folgen sind bis heute sichtbar. Wo einst Tausende Kleinbauern das karge Land bewirtschafteten, dehnen sich heute unendliche Graslandschaften aus.

Schroffe Gipfel und baumlose Hochmoore

Was einst der Schotten Leid war, ist heute der Touristen Freud. Denn die große Einsamkeit, das Fehlen von Zivilisation und die große Stille machen den besonderen Reiz einer Highland-Reise aus. Zwischen den teils schroffen Gipfeln, die die Schotten Munros nennen, breiten sich Täler und Hochmoore aus, deren baumlose Ebenen an das Mittelerde aus der "Herr der Ringe" erinnern. Von Orks, Elben oder Zwergen ist allerdings nichts zu sehen.

Stattdessen blockieren wiederkäuende Schafe die Straße, und selbst die Hirsche sind hier erstaunlich zutraulich. Ein prächtiger Sechsender äst friedlich nur fünf Meter vom Wohnmobil entfernt. Zack, ein Foto! Für die Schulfreunde fotografieren die Jungs dann später auch die Gedenksteine auf dem Schlachtfeld von Culloden, auf dem etwa 1250 Highländer ihr Leben verloren: Mac Donald, Campbell, MacLeod, Fraser steht auf ihnen - die Clans der Highlander.

Sie gibt es wirklich - nicht nur in der beliebten Saga der US-Autorin Diana Gabaldon sowie in der auf dem Roman basierenden TV-Serie "Outlander". Es gab so viele Tote, dass die Erde auf dem Schlachtfeld von Blut triefte und die Gefallenen in Massengräbern verscharrt wurden. Das Besucherzentrum zur Schlacht und ihre Folgen ist unbedingt sehenswert.

Nach Culloden geht die Fahrt weiter nordwärts immer an der Ostküste entlang. Im Örtchen Dornoch, Sehnsuchtsort der Bestsellerautorin Rosamunde Pilcher, ist Zeit für eine Lunchpause. Vorbei geht es am majestätischen Dunrobin Castle, dem Stammsitz des Clans der Sutherlands, wo das Familienticket immerhin 40 Euro kostet.

Türkisfarbenes Meer im Norden

In Helmsdale biegt die Straße scharf links nach Nordwesten ab und windet sie sich nun durch Landschaften, die fast Minutentakt wechseln. Mit Erika bewachsene Hügel weichen flachen Hochebenen, auf denen ein Geflecht von Wasserläufen, Tümpeln und Seen in der Sonne glitzert. Gegenverkehr gibt es kaum. Deshalb ist die meist einspurige Straße auch mit dem Wohnmobil problemlos zu befahren. Entgegenkommende Autos warten geduldig in Ausweichstellen.

Nach vielen Ahhhs und Ohhhs ist dann ganz die Nordküste erreicht, die mit ihren Sandstränden und dem türkisfarbenen Wasser geradezu karibisch anmutet. Nur ein bisschen wärmer müsste es sein. Übernachtet wird - wie so oft - wild, auf einem Parkplatz direkt am Strand, denn hier gibt es sie tatsächlich noch: Plätze in traumhafter Lage ohne Verbotsschilder.

Am nächsten Morgen wandert die ganze Familie bis zum Ende Großbritanniens: Dunnet Head. Die Halbinsel mit ihrem weiß-gelb-gestrichenen Leuchtturm, ist der nördlichste Punkt der britischen Hauptinsel. Bei gutem Wetter kann man von hier aus die Orkney-Inseln sehen und die Seehunde beobachten, die am Fuße der Klippen ihre Babys säugen. Perfekt getarnt zwischen den Steinen.

Leider sind die interaktiven Kameras und der Joystick weit weg. Wie gut, dass Ferngläser dabei sind!

Video: "Braveheart" - Die wahre Geschichte des William Wallace

Foto: BBC

Dirk Sommer, srt/abl

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