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Reise

Norwegen per Bahn und Schiff

Ein Tag quer durchs Fjordland

Karge Hochebenen, schroffe Berge, enge Meeresarme: Norwegens Fjordland lässt sich in einer 24-Stunden-Rundtour per Bahn, Schiff und Bus erkunden. Doch wer sich Zeit lässt, hat mehr davon.

Samuel Taipale / visitnorway.com / TMN
Dienstag, 10.04.2018   12:10 Uhr

Odd Henrik Hansen kennt die Fragen seiner Fahrgäste: "Wann sehen wir die Moschusochsen und Rentiere?" Hansen ist Zugbegleiter auf der Dovrebahn zwischen Oslo und Trondheim. Mehrmals im Monat pendelt der Schaffner zwischen den beiden Städten.

Kurz hinter dem kleinen Bahnhof Kongsvoll zeigt Hansen auf einen Flecken Grünland neben den Gleisen. "In dieser kleinen Senke kann man im Frühjahr Moschusochsen sehen. Sie kommen vom kahlen Gebirge herunter, um hier das frische Gras zu fressen." Rund 250 Tiere leben wild auf dem Dovrefjell. Die karge Gebirgslandschaft mit dem 2286 Meter aufragenden Snøhetta-Gipfel ist auch der Namensgeber für die rund 500 Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen der norwegischen Hauptstadt und Trondheim in Mittelnorwegen.

Die Dovrebahn liegt im Dreieck Oslo-Bergen-Trondheim und kann auch als Teil einer Pauschaltour durch das Fjordland gebucht werden, bei der Urlauber völlig auf ein Auto verzichten. Die Rundtour per Bahn, Bus, Fähre und Hurtigruten-Schiffen wird von der Norwegischen Eisenbahngesellschaft (NSB), der Fährenreederei Fjord 1 und regionalen Tourismuspartnern angeboten. Das Motto: "Norway in a nutshell" (Norwegen in der Nussschale), was heißen soll: Norwegens Höhepunkte kompakt.

DPA

Wer es eilig hat, verzichtet auf die Dovrebahn und erlebt die Höhepunkte auch zeitlich kompakt. Wie ein Mitreisender aus Leipzig: "Ich mache die Tour in nur etwas mehr als 24 Stunden", sagt er. Sein Reiseplan:

Wer sich aber mehr Zeit lässt, sieht mehr. Und nicht nur die bekannten Touristenorte entlang der Route. Wer kennt schon Finse? Ein Bahnhof, ein paar Ferienhütten und das Berghotel Finse 1222 - das ist alles. Polarforscher wie Fridtjof Nansen und Roald Amundsen haben die Gegend auf der rauen Hardangervidda wegen ihres extremen Winterwetters einst als Trainingsgebiet vor ihren Expeditionen genutzt. Bis in den Juli hinein herrschen winterliche Temperaturen. Eis bedeckt den Finse-See, meterhoch türmt sich der Schnee an den Gleisen der Bergenbahn auf.

Finse auf 1222 Metern ist der höchstgelegene Bahnhof entlang der 471 Kilometer langen Eisenbahnstrecke Oslo-Bergen und zugleich die höchste Bahnstation in Skandinavien. Bis heute führt keine Autostraße dorthin, sondern nur der 28 Kilometer lange, felsige Wanderpfad ab Haugastøl, der letzten Siedlung mit Straßenanschluss auf der Hardangervidda. Alles, was zum Leben benötigt wird, muss mit der Bahn herangeschafft werden.

Von den harten Zeiten des Bahnlinienbaus zwischen 1894 und 1909 erzählt das Rallar-Museum im Ort. In Schnee und Eis kämpften sich die Rallar genannten Bahnbauer vom grünen Hallingdal hinauf zur einsamen Hochebene. 15.000 Männer waren für den Bau im Einsatz. Tunnel wurden in die Felsen gesprengt, das Gestein auf Karren abtransportiert. Am Ende wurden es 182 Röhren am Schienenstrang zwischen Oslo und Bergen - Rekordhalter ist der Tunnel bei Finse mit einer Länge von 10,5 Kilometern.

Hinter Finse bringt die 1923 erbaute Flåmbahn die Reisenden nach Bergen. Vom 866 Meter hoch gelegenen Bahnhof Myrdal winden sich die Gleise an steilen Berghängen über 20 Kilometer hinunter zum Aurlandsfjord zur Station Flåm, zwei Meter über dem Meeresspiegel. Eine technische Meisterleistung, da die Strecke ein Gefälle von bis zu 55 Promille aufweist, einen Meter auf 18 Meter Länge.

Die Flåmbahn gehört damit zu den weltweit steilsten Eisenbahnstrecken - und ist eine der am meisten besuchten Attraktionen Norwegens. 2016 transportierten die Züge der Flåmbahn 926.000 Gäste. Kreuzfahrtpassagiere aus China, Südkorea und Japan stellten das Gros. In Flåm mit seinen 450 Einwohnern machen mehr als 150 Kreuzfahrtschiffe pro Jahr fest - dementsprechend voll kann es werden.

Per Hurtigruten durch den Geirangerfjord

Ab Flåm schippert die Fähre durch den Aurlandsfjord bis zum schmalen Naerøyfjord, der zum Unesco-Weltnaturerbe zählt. Dann geht es weiter mit dem Überlandbus und der Eisenbahn bis Bergen. Abends legt zwar schon ein Hurtigruten-Postschiff zur 2400 Kilometer langen Fahrt entlang der norwegischen Küste ab. Doch in der Hafenstadt lässt sich gut ein Stopp Tag einlegen.

Für viele gehört der Bummel vom Fischmarkt zum weltbekannten Hanseviertel Bryggen mit den hölzernen Lagerhäusern zum Pflichtprogramm. Dort allerdings drängen sich zur Hochsaison Tausende Besucher. Nur ein paar Straßenecken weiter ist die 300.000-Einwohner-Stadt gemütlich und fast dörflich. Vor Straßencafés sitzen die Menschen und genießen die Sonne, die sich hier viel zu selten blicken lässt. Bergen gilt als die regenreichste Stadt Europas.

An Bord des Hurtigruten-Postschiffes geht es von der Stadt in die Natur. Ab Ålesund kreuzt es gut fünf Stunden durch die Fjordwelt und hinein in den Geirangerfjord. Den Abstecher fahren die Postschiffe nur von Anfang Juni bis Ende August. Schneebedeckt sind die schroffen Berge, immer enger werden die Meeresarme. Unter den mehr als 1000 Fjorden Norwegens ist der 14 Kilometer lange Geirangerfjord der Star und inzwischen Unesco-Weltnaturerbe: Wasserfälle prasseln von den Bergen, die "Sieben Schwestern" sind der bekannteste.

In Geiranger verlassen Hunderte Passagiere das Postschiff und steigen in Busse zur Fahrt nach Molde über den schmalen Trollstigen, die "Leiter der Trolle" mit elf Haarnadelkurven. An manchen Tagen begleitet Wolfgang die Reisegruppen. Der Auswanderer zog von Bonn in die Kleinstadt Åndalsnes am Trollstigen. "Die Bergen- und Flåmbahn sind schon imposant. Aber wir haben die Raumabahn."

Auf einer Länge von 114 Kilometern fahren die Schienentriebwagen zwischen Åndalsnes und Dombås durch das wilde Raumatal, vorbei an Wasserfällen und schroffen Gipfeln. In Dombås besteht wieder Anschluss an die Dovrebahn - oder es geht per Bus zurück nach Bergen oder Oslo.

Video: Auswandern nach Norwegen

Foto: SPIEGEL TV

Bernd F. Meier, dpa

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