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Reise

Thailands Neujahrsfest

Rüssel laden - Wasser marsch!

Die größte Wasserschlacht der Welt hat begonnen: Das Neujahrsfest Songkran wird in Thailand exzessiv gefeiert. Das verspricht viel Spaß, aber es lauern auch ernsthafte Gefahren.

AFP
Freitag, 13.04.2018   16:46 Uhr

Songkran ist da! Die wilde Mischung aus traditionellem Neujahr, Familienfeier und Wasserschlacht erreicht in diesem Jahr ihren Höhepunkt von Freitag bis Sonntag. Anfangs wird alles Mögliche rituell gesäubert, von der kleinsten Buddhafigur bis hin zum ganzen Haus. Im Lauf der Tage entwickelt sich daraus eine Spaßveranstaltung, in der jeder jeden nass machen darf, mit Hilfe von Schalen, Schläuchen, Wasserpistolen - oder Elefanten.

Die Feiertage werden jährlich im April in Thailand - und anderen Teilen Südostasiens - begangen. In der heißesten Zeit des Jahres kommt die Abkühlung gerade recht. Auch Touristen werden Ziel der Wasserattacken: Gefahr droht in den nächsten Tagen neben Bangkok auch in beliebten Urlaubsregionen wie Phuket, Pattaya oder Ko Samui.

Augen auf im Straßenverkehr

Gefahr bedeutet jedoch nicht nur, nass zu werden. Nicht umsonst heißt die Woche rund um das Neujahrsfest bei Experten auch: die "Sieben Tage des Todes". Wenn halb Thailand auf der Straße ist, um Familie und Freunde zu besuchen, und auch ziemlich viel gegessen und getrunken wird, gibt es noch mehr Verkehrsunfälle als ohnehin. Das südostasiatische Land gehört zu den Staaten mit besonders hohen Unfallziffern. Nach einer Statistik der Weltgesundheitsorganisation ist das Unfallrisiko nur in Libyen noch höher.

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Songkran in Thailand: Volle Breitseite!

Bereits am Donnerstag kamen 39 Menschen bei Verkehrsunfällen im ganzen Land ums Leben. Trotz Sicherheitskampagnen im Vorfeld sowie Geschwindigkeitskontrollen und Alkoholtests auf den Straßen seien 461 weitere Menschen dabei verletzt worden, teilten die Behörden mit. Alkohol am Steuer war der häufigste Grund für die Unfälle. Bei mehr als 80 Prozent der Vorfälle seien Motorräder beteiligt gewesen, erklärte das Amt für Katastrophenvorsorge des Innenministeriums.

Die Polizei greift inzwischen bei der Jagd auf Verkehrssünder zu ungewöhnlichen Mitteln: einem Videowettbewerb. Zusammen mit einer Zeitung wurden mehrere Videos von echten Unfällen prämiert, die Autofahrer mit am Armaturenbrett installierten Kameras aufgenommen hatten. Die Gewinnerin bekam umgerechnet etwa 520 Euro für ein Video, das den Zusammenstoß eines Autofahrers mit einem Motorrad Ende März zeigte. Der Mann, der nach dem Unfall Fahrerflucht begangen hatte, konnte mit Hilfe des Videos festgenommen werden.

Behörde: "Ziehen Sie sich nicht zu sexy an"

Jedes Jahr beklagen auch viele Teilnehmerinnen, bei den Festlichkeiten begrapscht worden zu sein. In einer Umfrage der thailändischen Stiftung Progressive Frauen- und Männerbewegung gaben mehr als die Hälfte der befragten Frauen an, während des Neujahrsfests 2016 sexuell belästigt worden zu sein.

Der Rat eines Regierungsbeamten stieß auf Kritik: "Es kann helfen, wenn Frauen sich angemessen kleiden. Ziehen Sie sich nicht zu sexy an oder seien Sie nicht allein (unterwegs)", sagte der Direktor der staatlichen Behörde für lokale Verwaltung, Suthipong Chulcharoen. "Mir ist klar, dass es ein persönliches Recht von Menschen ist, zu tragen, was ihnen gefällt, aber das ist nicht der Westen. Die Einheimischen sind solch sexy Kleidung noch nicht gewohnt."

"Frauen zu sagen, dass sie sich angemessen kleiden sollen, ist nicht die richtige Lösung", kritisiert Jaree Srisawat von der Stiftung. "Unseren Umfragen zufolge wurden Frauen, die sich bedeckten, immer noch begrapscht. Sogar eine 60-jährige Frau sagte, sie sei überall betatscht worden", berichtet Jaree. "Die thailändische Gesellschaft ist immer noch patriarchalisch. Es wird lange dauern, diese Einstellung zu ändern, aber zumindest die Regierung muss die Frauen besser schützen."

abl/dpa

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