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Reise

Eiszeit an den Niagarafällen

Staunen und Bibbern

Sie rauschen und donnern noch ungehindert in die Tiefe: die Niagarafälle. Doch die Rekordkälte in Nordamerika verwandelt das Naturspektakel in ein eisiges Kunstwerk. Ein ungewöhnliches Schauspiel für Touristen - wenn sie durchhalten.

AFP
Donnerstag, 26.02.2015   13:46 Uhr

Vom Lärm her ist alles wie immer. Ein gewaltiges Rauschen kündigt sie schon von Weitem an, aber wenn man erst einmal da ist - sind sie weg. Eiseskälte sorgt dafür, dass die Niagarafälle an der Grenze zwischen Kanada und dem US-Staat New York auf der USA-Seite nicht mehr sichtbar sind.

Ein dicker Eispanzer und große Wasserdampfschwaden verbergen die Wasserfälle, die zu den bekanntesten der Welt gehören. Den Besuchern bietet sich ein atemberaubendes Schauspiel - wenn sie die Kälte denn ertragen.

Eines vorweg: Die Wasserfälle an der Stadt Niagara Falls sind nicht gefroren. Sie sind nicht zu gewaltigen Eiszapfen erstarrt und bilden auch keine 1200 Meter lange Eisfront. Fast 2500 Tonnen Wasser rauschen hier jede Sekunde in die Tiefe. Eine Temperatur, die diese Gewalt erfrieren könnte, gibt es nicht. Einmal, 1848, floss wegen der Kälte tatsächlich zwei Tage kein Wasser. Aber da hatten Eisschollen den Weg des Flusses Niagara versperrt. Die Niagarafälle waren also verstopft, nicht gefroren.

Minus 20 Grad Celsius und Wind machen Wangen und Lippen taub und die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass man auch jedes Grad Kälte spürt. Nur ein paar Touristen tun sich das an. "Man hat uns gewarnt. Aber das hier tut richtig weh", sagt Steven Brinton. Der Waliser hat mit seiner Frau Mary extra einen Zwischenstopp gemacht. "Das müssen wir jetzt drei Tage aushalten. Aber es ist faszinierend. Und danach: Bahamas." Er versteckt sein Grinsen hinter einem dicken Schal.

Heiratsantrag bei minus 20 Grad

Die Niagarafälle sehen aus wie im Winterwunderland. Während in Kanada alles fast wie immer fließt, versteckt sich das Wasser auf der amerikanischen Seite hinter dickem Eis und dem Wasserdampf, der ständig aufsteigt.

Die Bäume sind mit einer Eisschicht überzogen, die fast unwirklich schön ist. Das Eis auf den Fernrohren für Touristen ist fünf, vielleicht zehn Zentimeter dick. Brillenträger und Fotografen haben es schwer: Die Gischt der Wasserfälle, die vom starken Wind weitergetragen wird, erstarrt auf dem Glas sofort zu Eis.

"Ich kann mich an keinen Winter erinnern, der so lange so kalt war", sagt Brian Toss. Er kommt aus Buffalo, nur 20 Minuten mit dem Auto entfernt. "Ich bin Einheimischer, aber jetzt wohl Tourist", sagt er und guckt versonnen auf die vereiste Landschaft. "Das alles ist wunderschön." Kurze Pause. "Aber mittlerweile nervt es auch."

AP

Romantik an den Niagarafällen: Hochzeitsantrag ja, aber kürzer

"Ach, das ist doch wie Frühling", sagt dagegen Alexander. "Ich komme aus Sibirien, da haben wir solche Temperaturen noch im Mai." Er lacht, zieht sich aber doch die Handschuhe ein bisschen fester. Ein anderer neben ihm scheint wirklich zu leiden. "Alicante, Spanien", sagt Dimis Fernández nur durch den dicken Wollschal. "Solches Wetter haben wir nie. Nie!" Rasch ein paar Selfies - Fälle im Hintergrund zu sehen? Ja? Gut! - dann schnell in ein Gebäude, irgendeines.

Die kleine Leidensgemeinschaft der Touristen sorgt dafür, dass man teilt. Eine reicht ihre Thermoskanne herum, ein Engländer bietet einer Japanerin gar seine Handschuhe an. Eine Französin kommt mit einer anderen Frau ins Gespräch. "Korea? Ah!", sagt sie. Und obwohl beide kein Englisch sprechen, trennen sie sich lachend. Und bibbernd.

Nur einer scheint auch vor Nervosität zu zittern. "Eigentlich wollte ich meine Freundin hier fragen, ob sie mich heiratet", sagt David Green. Und jetzt nicht? "Doch, klar, natürlich", beteuert er. "Ich werde nur meine kleine Ansprache deutlich kürzen."

Chris Melzer/dpa/beh

insgesamt 5 Beiträge
weitWeg 26.02.2015
1. Sieht toll aus ...
Ich war letzten Sonntag da, und die Faelle sehen toll aus. Baeume, Laternen Pfosten, Straeucher, alles was nicht weglaufen kann ist mit einem Eispanzer ueberzogen.
Ich war letzten Sonntag da, und die Faelle sehen toll aus. Baeume, Laternen Pfosten, Straeucher, alles was nicht weglaufen kann ist mit einem Eispanzer ueberzogen.
rgriese77 26.02.2015
2. Das solte es doch nicht geben??
Global warming???
Global warming???
Hatch 26.02.2015
3.
Einfach mal den Unterschied zwischen Klima und Wetter erforschen ;) Und von Anfang an haben die Klimaexperten kältere und extremere Winter vorrausgesagt, von daher keine Ahnung was Sie zu so einem Kommentar wirklich [...]
Zitat von rgriese77Global warming???
Einfach mal den Unterschied zwischen Klima und Wetter erforschen ;) Und von Anfang an haben die Klimaexperten kältere und extremere Winter vorrausgesagt, von daher keine Ahnung was Sie zu so einem Kommentar wirklich verleitet hat
dunkelpeter 26.02.2015
4. Das Geländer hat ja keinen Eispanzer.
Ich war vor 25 Jahren um Weihnachten dort, auch -20 Grad, und in meiner Erinnerung waren die Geländer 30 cm dick. weil ein Einpanzer drum war.
Ich war vor 25 Jahren um Weihnachten dort, auch -20 Grad, und in meiner Erinnerung waren die Geländer 30 cm dick. weil ein Einpanzer drum war.
Kismett 26.02.2015
5. Auf Fotos von diesem Naturereignis habe ich wirklich gewartet.
Nachdem der Spiegel sonst gerade aus den USA ständig Wetterphänomenen prognostizierte, die dann nicht eintreten. Das beste Foto ist das schwarz-weiss Foto von 1951. Ein ganz anderer Ausdruck in Dramatik, Zeichnung und [...]
Nachdem der Spiegel sonst gerade aus den USA ständig Wetterphänomenen prognostizierte, die dann nicht eintreten. Das beste Foto ist das schwarz-weiss Foto von 1951. Ein ganz anderer Ausdruck in Dramatik, Zeichnung und Komposition. Das hat ein Fotograph* gemacht und kein Smartphone-Knipser. Für so ein Foto braucht man Zeit. *Leider mit einer nur mittelmässigen Kamera. Noch nicht einmal Leica. Man stelle sich dieses Foto von einer Plattenkamera vor.
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