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Reise

Marokkos Atlantikküste

Orient trifft Ozean

An Marokkos 2000 Kilometer langer Atlantikküste liegen ursprüngliche Küstendörfer, naturbelassene Strände und Surfparadiese. Ein Trip von Asilah bis Tan-Tan.

Manuel Meyer/ tmn
Mittwoch, 13.09.2017   04:53 Uhr

Enttäuscht stapft Yassin Said aus dem Wasser. Das Meer ist heute einfach zu ruhig. Der Surfer will schon seinen Neoprenanzug ausziehen, als ihn Ibrahim anspricht. "Die besten Wellen findest du dort drüben. Ich bringe dich hin, wenn du möchtest", sagt der Kameltreiber und zeigt ganz zum anderen Ende des fünf Kilometer langen Strandes von Essaouira.

"Einverstanden", antwortet Said, er würde gerne noch ein paar lange Wellen surfen. Ibrahim zieht kurz, aber heftig an der Leine. Das Kamel geht in die Knie und setzt sich in den Sand. Mit einem Schwung springt Said auf den Sattel, das Tier erhebt sich, Ibrahim reicht ihm das Surfbrett hoch. Gemächlich trottet das Kamel los. "So exotisch kann Surfen in Marokko sein", sagt Said.

Langsam verschwindet Essaouira im Hintergrund. Nur die mächtige Festungsmauer der Küstenstadt ist noch zu sehen, hinter der sich die Medina befindet. Die historische Altstadt mit ihren zwei Stadttoren und einem Labyrinth aus verwinkelten Gassen, Märkten, Ateliers mit Kunsthandwerk und gemütlichen Cafés wurde 2001 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt.

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Marokkos Atlantikküste: Von Asilah bis Sidi Ifni

In den Straßen riecht es nach Lederwaren, orientalischen Gewürzen, Minztee und natürlich Fisch, der in den Restaurants häufig in einer Tajine zubereitet und serviert wird, einer marokkanischen Tonpfanne. Den besten Fisch bekommt man allerdings direkt im Fischereihafen. In den zahlreichen Buden wird der Fang direkt am Kai auf den Grill geworfen. Man schaut den Fischern beim Entladen der Boote und Flicken der Netze zu.

Bereits in den Sechziger- und Siebzigerjahren entdeckten Hippies, Aussteiger und Künstler Essaouira für sich. Sogar Jimi Hendrix und Bob Marley kamen zum Relaxen. Danach fanden vor allem Wind- und Kitesurfer in Essaouira ihr Paradies. Schon seit einigen Jahren erobern sie auch die Küste nördlich und südlich von Essaouira. "Die Passatwinde und angenehmen Temperaturen locken Wellenreiter aus der ganzen Welt an", sagt Hafid.

Je weiter in Süden, desto einsamer

Der Marokkaner unterhält in dem kleinen Küstendorf Imsouane seine Surfschule mit einigen Zimmern zum Schlafen. Sie als Hotelzimmer zu bezeichnen, wäre wohl übertrieben. Wie bei fast allen Unterkünften am Strand handelt es sich um bunte, in die Klippen gebaute Steinhäuschen mit spartanisch eingerichteten Räumen - aber mit Meerblick. Wer nicht gerade surft, genießt die Ruhe.

Imsouane gehört mit Essaouira, Safi, Taghazoute und Sidi Kaouki zu den bekanntesten Surf- und Kitesurfspots an Marokkos Atlantikküste. Die Strandverkäufer kommen mit Tee, gebratenem Käse und frischem Obst, Strandbars gibt es dagegen kaum. So begeistern sich neben Wassersportlern auch immer mehr andere Urlauber für die naturbelassenen, kilometerlangen Strände im Süden Marokkos. Massentourismus wie im nahen Agadir gibt es hier noch nicht.

TMN

Im Norden von Essaouira lockt der einsame Strand Lalla Fatna mit klarem Wasser. Am Sandstrand von Cap Tafelney bekommt man nur heimische Fischer zu Gesicht. Je weiter es nach Süden geht, desto einsamer wird es. Stundenlang geht es mit dem Auto durch wüstenhafte Landschaften von einem Strand zum nächsten.

Langsam nimmt die Vegetation ab. Die Nähe zur Sahara ist spürbar. Nicht ohne Grund trägt Sidi Ifni, eine alte spanische Garnisonsstadt, den Beinamen "Tor zur Sahara". Die Spanier unterhielten hier von 1476 bis 1968 einen Stützpunkt für den Sklavenhandel und den Fischfang. Kurios, hier im Süden Marokkos eine architektonisch so spanisch geprägte Küstenstadt im Art-Decó-Stil zu finden.

Nördlich von Sidi Ifni trifft man auf die wohl spektakulärste Küstenlandschaft ganz Marokkos. In Legzira haben bis vergangenes Jahr zwei gigantische Felsbögen den gleichnamigen Strand überspannt, an dem auch immer wieder gerne Werbefilmer drehen. Einer davon ist inzwischen zusammengebrochen.

Im Süden von Sidi Ifni liegen mit der Hafenstadt Tan-Tan und mit Dakhla noch zwei weitere Strand- und Surfparadiese. Dakhla jedoch gehört bereits zum sogenannten Westsahara-Gebiet, einer Region, in der es immer wieder zu Konflikten zwischen der Befreiungsarmee Frente Polisario und den marokkanischen Streitkräften kommt, die das Gebiet nach dem Abzug der Spanier einfach besetzten. Von Fahrten in das Gebiet rät das Auswärtige Amt in seinem Reisehinweis zu Marokko ausdrücklich ab.

Marokkos Atlantikküste

Reisezeit
Die Sommer in Marokko können sehr heiß werden. Beste Reisezeit ist daher der Herbst von September bis November und der Frühling zwischen März und Anfang Juni.
Anreise und Formalitäten
Zahlreiche Airlines fliegen von Deutschland nach Rabat, Marrakesch, Casablanca oder Agadir. Von hier aus weiter mit dem Mietwagen. Für die Einreise braucht man nur einen Reisepass, der noch sechs Monate nach Reisebeginn gültig sein muss.
Übernachtung
Marokko ist ein beliebtes Reiseland, man findet in allen Küstenorten Hotels oder kleinere Pensionen.
Geld
Die Landeswährung ist der marokkanische Dirham (MAD). Für 1 Euro bekommt der Reisende etwa 11,14 MAD (Stand: 31. August).
Informationen
Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Straße 59, 40210 Düsseldorf (Tel.: 0211/37 05 51, www.visitmorocco.com).

Doch Marokkos Atlantikküste ist 2000 Kilometer lang, auch weiter im Norden gibt es noch einige Highlights. Wer Ursprünglichkeit sucht, verpasst nicht viel, wenn er an Agadir und Casablanca vorbeifährt. Auf dem Weg vom Süden nach Rabat machen vor allem Feinschmecker in Oualidia Halt. Der bei Marokkanern beliebte Küstenort mit Lagune ist für seine frischen Austern, Seeigel, Schwert- und Entenmuscheln bekannt, die direkt am Strand an kleinen Ständen vorbereitet werden.

Marokkos Hauptstadt Rabat gehört zu den unterschätzen Orten der marokkanischen Küste. Dabei ist Rabat, seit 2012 Unesco-Weltkulturerbe, längst nicht so touristisch wie etwa Marrakesch: Neben dem Souk vor allem die Altstadt hinter der Festungsmauer - ein Gassengewirr in Blau und Weiß, mit andalusisch-maurischen Gartenanlagen und Cafés, von denen man auf die Flussmündung und den Strand schauen kann.

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Und wenn die Hauptstadt am Atlantik zu anstrengend wird? Dann gibt auch in ihrer Umgebung zahlreiche Strände - und das verschlafene Asilah, eine der schönsten marokkanischen Küstenstädte überhaupt. Dennoch wird sie kaum von Ausländern besucht. Marokkanische Künstler verzierten die schneeweißen Häuserfassaden in der niedlichen Altstadt mit Wandmalereien. Dort steht auch der prachtvolle Rassouli-Palast. Die Medina mit ihrer mittelalterlichen Festungsmauer liegt direkt am Meer. Hier trifft der Orient in seiner ganzen Schönheit auf den tosenden Ozean.

Manuel Meyer, dpa/abl

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