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11.10.2010
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Emirates Palace in Abu Dhabi

Im verbotenen achten Stock

Von Helge Sobik
Helge Sobik

Gold, wohin man schaut: Der Emirates Palace in Abu Dhabi zählt zu den exklusivsten Hotels der Welt. Im obersten Stockwerk des Prunkbaus sind prächtige Suiten für Scheichs und Prinzen verborgen - streng bewacht, niemals an Normalsterbliche vermietet. Helge Sobik war trotzdem drin.

Neulich waren sie plötzlich da, standen unangemeldet vor der Tür. Der Pförtner salutierte eilig und öffnete die Schranke. Auf der von Arkaden getragenen Rampe fuhr die Maybach-Limousine bis in den fünften Stock und dort direkt durch eine Flügeltür ins Gebäude hinein: arabische Prinzen aus der kuwaitischen Herrscherfamilie auf Besuch in Abu Dhabi. Die Wagen parkten sie auf dem roten Teppich und fuhren mit dem für die anderen Hotelgäste unzugänglichen Privat-Fahrstuhl direkt in ihre Suite im achten Stock des "Emirates Palace".



Das gewaltige Luxushotel, das es auf eine Fassadenlänge von 1,4 Kilometer bringt, gehört der Herrscherfamilie von Abu Dhabi und umfasst neben 302 Zimmern, 60 Suiten und derzeit zehn Restaurants auch sechs Suiten, die in der offiziellen Zimmerzählung nicht auftauchen, nicht vermietet werden und über die seit der Eröffnung des rund drei Milliarden Euro teuren Prunk-Hotelbaus noch immer ein Mantel des Geheimnisses gebreitet ist.



Diese jeweils 680 Quadratmeter großen und weitgehend identischen Zimmerfluchten sind so etwas wie ein Geschenk der Herrscherfamilie von Abu Dhabi an die Regenten der im Golf-Kooperationsrat zusammengeschlossenen Nachbarn: an die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Oman, Qatar, Bahrain und Kuwait. Diese sogenannten Ruler Suites werden nicht vermietet - nicht mal wenn die Nachfrage noch so groß und das Haus ansonsten ausgebucht sein sollte. Für kein Geld der Welt.



"Herrschersuiten sind jederzeit bezugsbereit"



Und sie werden von reichlich Herren in dunklen Anzügen und mit Knopf im Ohr bewacht, die auf den zum Atrium hin offenen Fluren des achten Stocks Patrouille gehen. Auf manchen Urlauberfotos sind diese Männer als vage Kontur an der Brüstung zu sehen - denn bei Normaltouristen ist es besonders beliebt, im Lobby-Bereich im Erdgeschoss des überdachten Atriums zu knien und an blattgoldbelegten Säulen vorbei in die gewaltige 42-Meter-Kuppel hinauf zu fotografieren.



Die Suiten dort oben sind so etwas wie ein Zwitter aus Hotelzimmer und möblierter Eigentumswohnung: Jedem der Herrscher ist eine der weitläufigen Zimmerfluchten mit gut sechs Meter Deckenhöhe zugeordnet. Nur er kann bestimmen, ob ein anderes Familienmitglied oder ein enger Freund sie nutzen darf.



Und weil Herrscher oft nach Lust und Laune entscheiden, kann es sein, dass plötzlich eine Limousine über die Rampe in den Flur fährt: ohne Voranmeldung - wie kürzlich bei den kuwaitischen Prinzen. Oder dass das Hotel erst kurz nach der Landung des Privatjets erfährt, dass keine halbe Stunde später ein Gast in der Herrschersuite zum Beispiel des Oman absteigen werde. "Wir sind darauf eingestellt", heißt es bei Kempinski, dem Betreiber des "Emirates Palace": "Die Herrschersuiten sind jederzeit bezugsbereit."



Sie waren es auch, als George W. Bush vorfuhr und mit besonderer Zustimmung der Saudis in ihrer Suite abstieg. Diskret hatte der Secret Service zuvor das Gebäude inspiziert - und war dankbar über die Möglichkeit der Rampenzufahrt, übers Aussteigen im Gebäude, die ohnehin vorhandene Abriegelung des Stockwerks und darüber, dass der gewaltige Hotelpalast rund um die Uhr über mehr als 1000 fest installierte Überwachungskameras kontrolliert wird.



Tabletts voller Pralinen, dazu Berge von frischem Obst



Kommt ein Gast für die Ruler Suites angefahren, stehen Pagen an den Flügeltüren zur Luxuseinfahrt im 5. Stock Spalier. Und auf dem gut 20 Meter langen roten Teppich in der eher schmal und lang geschnittenen voll klimatisierten "Garage" mit viel Goldschmuck rollt der Wagen aus. Blumen-Bouquets warten auf Marmortischchen, und Tabletts voller süßer arabischer Pralinen stehen bereit - immer und für alle Fälle. Erst im letzten Moment, unmittelbar bevor die Limousine einbiegt, nimmt einer der Butler die Frischhaltefolie ab, unter der die Häppchen zu Pyramiden arrangiert sind.



Die meisten Ankömmlinge haben keinen Blick dafür, springen aus den Autos direkt in den mit offener Tür wartenden Fahrstuhl und rauschen in die Suite drei Stockwerke höher. Dort ist das Bild ähnlich: in jedem Raum ein Tablett voller Pralinen, dazu Säfte, Mineralwasser, Berge von frischem Obst, außerdem Blumen-Deko.



Durch den Flur geht es in einen Sitzungssaal mit thronartigem Sessel an der Stirnseite und Sofas entlang der Wände - ein Raum für Empfänge. Daran schließt sich ein ebenso großzügig dimensionierter Wohnraum an, dann das Haupt-Schlafzimmer in fast den Abmessungen eines Tennisplatzes mit wenig Mobiliar auf den schweren, weichen Teppichen. Dort an der Stirnseite steht das große Bett des Herrschers - immer frisch gemacht, mit faltenfrei straff gezogener Tagesdecke.



Einen Speisesaal gibt es, ein zweites Schlafzimmer, ein Ankleidezimmer, ein großes Wohnzimmer, alles mit Kronleuchtern, außerdem mehrere Toiletten, mehrere Bäder mit großem Whirlpool und vielen Spiegeln. Und mit massiv goldenen Waschbecken. Fast alles einschließlich der Tapeten, der Teppiche, der schweren Vorhänge ist in Goldtönen gehalten, manches in seidigem Blau oder in Silber, alles sehr nach orientalischem Geschmack, nichts minimalistisch oder gar nach westlichen Vorstellungen modern. Lediglich der Speisesaal ist heller gestaltet: Die Herrschaften sollen sich wie zu Hause fühlen - und sie sollen wissen, dass sie sich in einem Palast bewegen.



Unter dem Porträt des Herrschers



Auf Unterschiede in Ausstattung und Gestaltung der einzelnen Ruler Suites wurde bewusst verzichtet: Die Herrscher sollen einander ebenbürtig sein, keiner der arabischen Brüder hier in Abu Dhabi gegenüber dem anderen vorgezogen oder hervorgehoben werden. Alle haben sie die gleichen gold lackierten oder mit Blattgold belegten Prunkmöbel, sogar die gleichen Pralinen-Pyramiden, die gleichen 61-Zoll-Plasmaschirme, die gleichen Elektronik auf dem Nachttisch, mit der sich Gardinen auf und zu bewegen und Lichter dimmen lassen.



Und alle müssen sie hinnehmen, dass im Sitzungssaal ihrer jeweiligen Suite, dem sogenannten Majilis, zwei Porträts über dem Thron hängen, auf dem sie Platz nehmen werden: das von Scheich Khalifa bin Zayed al-Nayan, dem Herrscher von Abu Dhabi. Und das seines noch immer hoch verehrten verstorbenen Vaters Scheich Zayed. Schließlich ist Khalifa der Gastgeber, schließlich zahlt er die Rechnung - für das Gebäude ebenso wie für den Aufenthalt.



Offiziell gibt es dazu ebenso wie zur Auslastung vor Ort "keinen Kommentar". Hinter vorgehaltener Hand aber heißt es, die Herrscherfamilie komme dem Hotel gegenüber für den Unterhalt der Ruler Suites auf.


Information: Wer so ähnlich wohnen will wie die arabischen Herrscher kann eine der 16 Palace Grand Suiten im 6. und 7. Stock des Gebäudes direkt unter den Ruler Suites mieten - offizieller Listenpreis 33.000 Dirham (7285 Euro/Nacht). Die Frühbucher-Rate liegt bei 14.850 Dirham (3278 Euro); www.emiratespalace.com.



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