07.03.2011
Neuer Shinkansen in Japan
Highspeed-Zug mit Entenschnabel
Tokio - Die Premiere des "Hayabusa" (zu Deutsch: Falke) begann mit einer Panne: Obwohl sich die Schnellzüge in Japan vor allem durch ihre Pünktlichkeit auszeichnen, konnte das neue Shinkansen-Modell unter den Augen von mehr als tausend Eisenbahnfans erst mit sieben Minuten Verspätung aus dem Bahnhof von Tokio rollen. Ein Passagier war kurz vor dem Start auf die Gleise gefallen, konnte aber aus eigener Kraft wieder auf den Bahnsteig klettern.
Am Samstag hat der neue japanische Hochgeschwindigkeitszug "Hayabusa" seine Jungfernfahrt mit 300 km/h absolviert - er ist die erste Shinkansen-Neuerung seit 14 Jahren. Der Chef der Eisenbahngesellschaft East Japan Railway Co., Mutsutake Otsuka, weihte den Hochgeschwindigkeitszug ein. Tickets für den Einsatz waren so begehrt unter den Bahnfans, dass Tausende von Euro für die Fahrt bezahlt wurden, wie japanische Medien berichteten. Die Fahrkarten waren innerhalb von 20 Sekunden ausverkauft.
Künftig wird der Hayabusa die Hauptstadt Tokio zweimal täglich mit der Stadt Aomori im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu. Sie wurde bisher nicht mit Hochgeschwindigkeitszügen angefahren und wird nun verstärkt als Ausflugsziel beworben.
Die Strecke von 675 Kilometern legt der futuristische Zug mit der extrem flachen Schnauze in gerade einmal gut drei Stunden zurück. Im nächsten Jahr soll er dann mit einem Tempo von 320 km/h der schnellste Zug Japans werden. Die "GranClass" des Hayabusa ist mit Ledersitzen, individuell einstellbarem Leselicht und Fußstützen eingerichtet, angeboten werden für einen Aufpreis von 9490 Yen (82 Euro) auch alkoholische Getränke und leichte Mahlzeiten
Japan entwickelt seit den sechziger Jahren immer wieder neue Modelle des Schnellzugs Shinkansen und hofft, die Technologie auch ins Ausland verkaufen zu können. Der erste Zug wurde 1964 zu den Olympischen Spielen in Tokio eingeweiht.
Reisende ziehen die Bahn zwar einem Flug oder einer Autofahrt vor, allerdings dürfte wegen der schnell alternden Gesellschaft in Japan die Kundenzahl in Zukunft deutlich sinken. Regierung und Industrie versuchen deshalb, auch im Ausland neue Märkte für den Shinkansen zu erschließen.
abl/AFP/Reuters

