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27.08.2011
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Inselgruppe Åland

Per Fähre zur Schäre

Åland in Finnland: Insel-Hopping mit Fähre und Fahrrad
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TMN

Eine einmalige Mischung ist dieses Åland: Offiziell gehört die autonome Region zu Finnland, die Amtssprache ist Schwedisch, die Nationalhymne eine Eigenkomposition. Am besten lassen sich die Inseln per Fähre und Fahrrad erkunden - nicht alle 6757 von ihnen lohnen jedoch einen Besuch.

Mariehamn - Man kann natürlich auch hinfliegen. Aber stilvoller ist die Anreise mit der Fähre, am besten von Stockholm aus. Weil die Inselgruppe Åland zwar offiziell zu Finnland gehört, eigentlich aber ziemlich schwedisch ist. Weil man sich auf den ersten zwei Dritteln der Fahrt schon mal ausführlich in das Thema Schären eingucken kann, die kleinen Inseln sind hier allgegenwärtig. Und weil man nach knapp sechs Stunden direkt in Mariehamn landet. Åland Hauptstadt ist nicht nur der beste Standort, um die Inseln zu erkunden, sie hat in diesem Jahr auch ein bisschen Extra-Ehrerbietung verdient: Mariehamn ist 150 Jahre alt geworden.

Åland brauchte Mitte des 19. Jahrhunderts dringend eine neue Hauptstadt, weil die Franzosen die alte im Krimkrieg in Grund und Boden geschossen hatten. Die Neugründung fiel mitten in die 100 Jahre, in denen die russischen Zaren in Finnland das Sagen hatten. Alexander II. entschied sich für eine Landzunge im Süden des åländischen Festlandes. Das bescherte der neuen Hauptstadt gleich zwei Häfen, einen im Westen und einen im Osten. Und die Zarengattin Maria, eine gebürtige Darmstädterin, spendierte den Namen: Mariehamn, Marienhafen.

Die dicken Pötte aus Stockholm, Turku und Helsinki kommen im Westhafen an. Das ist praktisch für Besucher, weil der Westen Mariehamns Schokoladenseite ist. Hier liegt die Pommern, ein stolzer Viermaster, letztes Überbleibsel der Segelflotte des åländischen Reeders Gustaf Erikson, die noch bis in die vierziger Jahre die größte der Welt war. Heute ist die Bark ein Museum. Gleich dahinter liegt ein Segelhafen, der noch hübscher ist als der im Osten. Hübscher vor allem deshalb, weil hier die Jugendstilvilla der Åländischen Segelgesellschaft ASS steht, ein Traum aus Holz in Ochsenblutrot, auf deren Terrasse es Abendessen mit Wasserblick und Sonnenuntergang gibt.

In 15 Minuten vom West- zum Ostufer

Das Einkaufs- und Politikzentrum der 11.000-Einwohner-Stadt liegt auf der Ostseite und ist bloß einen Spaziergang von der Westseite entfernt. Die Halbinsel, auf der Mariehamn liegt, ist kaum breiter als ein Kilometer. Zum Überqueren bietet sich die Norra Esplanadgatan an, eine Lindenallee, an der sich die Holzvillen der alten Reederfamilien aufreihen. Kurz vor der Ostküste zweigt das Fußgängerzönchen ab. Hier bekommen Urlauber alles, was sie brauchen, sogar Bücher und Zeitungen auf Deutsch, vor allem aber das berühmte Schwarzbrot, mit Malz und Sirup gebacken, und den genauso berühmten Käse, der schon in mehreren Jahren zum Besten Finnlands gekürt wurde. Ansonsten haben die Åländer aus der Ostküste ihrer Hauptstadt nicht viel gemacht. Auch hier finden Segler einen Hafen, der bequemer ist, weil sie nicht aufpassen müssen, dass sie den großen Pötten nicht ins Gehege kommen. Vor allem aber gibt es eine Durchgangsstraße mit viel Verkehr. Da helfen auch die ambitionierten Zeugnisse neuen skandinavischen Bauens nicht, die Stadtbibliothek oder das Veranstaltungszentrum Alandica.

Ebenfalls auf der Ostseite liegen der Landtag und die Landesregierung, Zeichen der Autonomie. Åland feiert in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen: Vor 90 Jahren, am 24. Juni 1921, schlug der Völkerbund die schwedischsprachigen Inseln Finnland zu. Allerdings zu einem hohen Preis: Die Åländer dürfen seitdem ihre Angelegenheiten weitgehend selbst regeln. Was im Lauf der Jahre zu eigener Fahne, eigener Nationalhymne, eigenem Nationalfeiertag, eigenem Autokennzeichen, eigenen Briefmarken und eigener Internetdomain geführt hat: ax. Der Gipfel der Eigenständigkeit: Ålands Nachwuchs muss nicht mal in der Schule Finnisch lernen.

Unterwegs mit Fähre und Fahrrad

Wer genug Hauptstadt geguckt hat, möchte vielleicht erfahren, wie die restlichen der 27.500 Åländer wohnen. Die meisten tun das in bunten Holzhäuschen in Streudörfern auf dem sogenannten åländischen Festland, umgeben von Wäldern oder Weiden, auf denen Kühe oder Schafe grasen. Die Busse dorthin starten von Mariehamn in fünf Himmelsrichtungen.

Man kann aber auch mit dem Rad fahren - oder mit beidem: Die Busse nehmen Fahrräder mit, was den Radius der Touren erweitert. Auf diese Weise lassen sich nicht nur die ältesten Feldsteinkirchen Finnlands, sondern auch die schönsten Badestellen finden: mal ein richtiger Sandstrand wie Degersand auf Eckerö, meist aber glatt geschliffene Granitfelsen.

Die Busse fahren auch in die beiden Häfen im Osten des åländischen Festlandes, von denen die Schärenfähren starten. Sie sind so was wie Busse zu Wasser und steuern ein paar der Inseln zwischen Festland und Finnland an. 6757 sollen es sein, wenn man jeden Felsbrocken zählt, der größer als ein Viertelhektar ist, 65 sind bewohnt.

Es gibt eine Nord- und eine Südroute. Wer ohne Auto unterwegs ist, darf umsonst mitfahren und stundenlang an Deck stehen und sich die Augen nach Inselchen mit und ohne Holzhäuschen ausgucken. Am Ende der Nordroute kann man auf die finnische Insel Osnäs übersetzen. Dort informiert ein Schild darüber, dass nun das "eigentliche Finnland" beginnt.

Birgit Karnath, dpa

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