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21.02.2012
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Eurovisions-Stadt Baku

Wo der Kaukasus abrockt

Von Helge Bendl
Helge Bendl

Glitzernde Fassaden, ambitionierte Bauvorhaben und neue Luxushotels: Baku putzt sich heraus. Aserbaidschans Hauptstadt bereitet sich auf den Eurovision Song Contest vor - und manch einer hofft, dass pünktlich zum Gesangswettstreit auch die Stimme der Demokratie zu hören ist.

Es war einmal ein Ort, den die Perser "bad kube" nannten, Stadt der Winde. Die Wellen des Kaspischen Meers brandeten an ihre Befestigungen, hinter ihr lagen die schneebedeckten Berge des Kaukasus. Es war ein wildes Land des Feuers, wo die Erde Flammen ausatmete, weshalb man ihr in Tempeln huldigte.

Händler, unterwegs auf der Seidenstraße, genossen hier den Schutz des Schahs, der in einem prächtigen Palast residierte. Karawansereien gab es und Dampfbäder, Moscheen und einen Jungfrauenturm, von dem sich einst eine Prinzessin ins Wasser gestürzt haben soll, um einer arrangierten Ehe zu entgehen.

So klingen die alten Märchen, wie Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Und mit ein wenig Phantasie spürt man in den verwinkelten Gassen der Altstadt Bakus, inzwischen Unesco-Weltkulturerbe, noch einen Hauch dieser vergangenen Zeit.

Jenseits des herausgeputzten historischen Zentrums mit seinen Teppichhändlern und Teeverkäufern, den altertümlichen Hammams und den Herbergen, die seit gut 500 Jahren existieren, baut man in der alten "Stadt der Winde" dieser Tage an einer neuen Märchenkulisse. Schon vor hundert Jahren ließen sich Ölbarone hier prächtige Villen errichten und setzten an die Stadtmauer gar ein Casino wie in Monte Carlo, das heute als Philharmonie dient. Jetzt befeuern die Einnahmen aus den Ölquellen vor den Toren der Stadt erneut einen Rausch.

"Baku verändert sich rasend schnell. Quasi über Nacht baut man Wolkenkratzer", sagt Orkhan Alakbarov. Der Manager arbeitet für die amerikanische Hotelkette Hyatt, die 1995 das erste Fünf-Sterne-Hotel in Aserbaidschan eröffnete und später mit einem weiteren Haus nachlegte. Aserbaidschan habe gerade seine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2020 abgegeben, und auf einer künstlichen Inselkette im Kaspischen Meer solle nun sogar das höchste Gebäude der Welt entstehen.

Boomtown dank sprudelnder Ölquellen

Inzwischen wollen in Baku alle großen Hotelketten vertreten sein: Sheraton, Hilton und Kempinski haben schon eröffnet, Four Seasons und Marriott starten im Mai. Und Fairmont baut an den "Flame Towers", in deren Glasfassade sich die Minarette einer türkischen Moschee spiegeln.

Baku boomt. Das sieht man an den Luxusboutiquen, die sich in den prächtigen Gründerzeitbauten niederlassen. Und weil im Mai der Eurovision Song Contest ansteht und ganz Europa auf die Metropole am Kaspischen Meer blicken wird, lässt die Regierung die Stadt nun aufhübschen, wo es nur geht.

Tausende von Scheinwerfern beleuchten nachts die Gebäude an den wichtigsten Boulevards. Und wenn die Häuser trotzdem zu sehr nach Sowjetunion aussehen, kleben eben Handwerker schnell eine Portion Sandstein auf die Fassaden - natürlich nur auf den der Straße zugewandten Seiten. Potemkinsche Dörfer mitten in der Stadt.

Das echte Baku findet man als Besucher trotzdem. In verrauchten Bars rockt der halbe Kaukasus - das Nachtleben der Stadt ist legendär. "Aserbaidschan ist eine Republik. Wir haben zwar den Iran als Nachbar und sind Moslems. Gefeiert wird hier trotzdem", sagt ein Mädchen im Minirock. In Karaoke-Kneipen läuft Pop aus Russland, aber auch ein Oldie wie "Hotel California".

Und morgens, nach einer durchwachten Nacht, muss niemand Wodka und Schafskopf-Suppe frühstücken (eine lokale Spezialität). Auf den Basaren der Stadt gibt es auch weniger fettige Alternativen. Die High Society trifft sich inzwischen ohnehin beim Brunch.

Alternatives Musikfestival geplant

Für Teilnehmer des Eurovision Song Contest und Fans, die mit ihnen nach Baku reisen, wird der Weg zum Ruhm vom Heydar-Aliyev-Flughafen über die Heydar-Aliyev-Avenue führen, vorbei am gerade neu entstehenden Heydar-Aliyev-Kulturzentrum (der Heydar-Aliyev-Park mit Statue liegt nicht auf der Strecke) zum Bulvar, der grünen Uferpromenade.

Warum diese nicht den Namen des Ex-KGB-Kaders, Ex-Politbüro-Mitglieds und (nach seiner schnellen Abkehr vom Kommunismus) auch ersten Präsidenten der neu ausgerufenen Republik Aserbaidschan benannt ist, bleibt unklar. Der im Land allerorts gerühmte Heydar Aliyev ernannte vor seinem Tod Sohn Ilham zum Ministerpräsidenten; dieser wurde dann sein Nachfolger im Präsidentenamt.

Menschenrechtler werfen ihm die Gängelung der Medien vor, verweisen auf politische Gefangene, und wollen im Mai unter dem Motto "Sing for Democracy" ein Musikfestival für Einheimische und Touristen organisieren. "Niemand fordert hier einen Boykott des Eurovision Song Contest. Wir hoffen aber, dass Touristen nicht nur die schönen Seiten Aserbaidschans kennen lernen. Sie sollen auch über die Probleme des Landes Bescheid wissen", sagt Rasul Cafarov, ein 27-jähriger Jurist.

Inzwischen unterstützen 27 lokale Organisationen die Initiative. Diese dokumentieren unter anderem den nächtlichen Abriss von Wohnhäusern, mit dem schnell Platz geschaffen werden soll für neue Straßen und Gebäude. Weil die immer lauter werdenden Proteste nicht ins Bild des modernen Aserbaidschans passen, das die Regierung im Ausland vermitteln will, hat der Präsident nun Reformen angekündigt. First Lady Mehriban Aliyeva ist übrigens Chefin des ESC-Organisationskomitees.

16.000 Fans werden laut Europäischer Rundfunkunion das Finale des Sänger-Wettstreits bejubeln können - in der Arena "Crystal Hall", die gerade am Ende der Bucht von Baku gebaut wird. Viele mehr werden auf der Straße feiern. Doch ist die Stadt auf dieses Mega-Event vorbereitet? "Wir haben aktuell 8500 Zimmer in 104 Hotels. Vermutlich werden zwei Drittel von den Delegationen benötigt. Es gibt also Platz für Touristen", sagt Elchin Kadirov, der im ESC-Organisationskomitee verantwortlich für den Bereich Unterkunft und Transport ist. "Gäste können auch in Privatunterkünften unterkommen. Und wir werden noch Campingplätze bauen, im Norden und im Süden der Stadt."

Der 36-Jährige verspricht: "Wer nach Baku kommen möchte, um beim ESC mitzufeiern, wird nicht auf der Straße stehen." Die Direktive von oben ist klar: Beim Sommermärchen darf nichts schief gehen.

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insgesamt 1 Beitrag
1. Was fehlt
Ein_Forum_Schreiber 21.02.2012
Korruption ist sehr verbreitet. Nachts auf dem Weg zum Flughafen wurden wir von der Polizei 3 mal angehalten und jedesmal musste unser Fahrer ein paar Scheine übergeben. Seine Aussage nach ist das normal.
Zitat von sysopHelge BendlGlitzernde Fassaden, ambitionierte Bauvorhaben und neue Luxushotels: Baku putzt sich heraus. Aserbaidschans Hauptstadt bereitet sich auf den Eurovision Song Contest vor - und manch einer hofft, dass pünktlich zum Gesangswettstreit auch die Stimme der Demokratie zu hören ist. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,815743,00.html
Korruption ist sehr verbreitet. Nachts auf dem Weg zum Flughafen wurden wir von der Polizei 3 mal angehalten und jedesmal musste unser Fahrer ein paar Scheine übergeben. Seine Aussage nach ist das normal.

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