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31.03.2012
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Parlamentswahl

Burma hofft auf goldene Zukunft

Aus Rangun berichtet Harald Bach
Rangun: Burmas Metropole im Wandel
Fotos
Hanz Sayami

Hotels können sich kaum retten vor Anfragen, die Preise schießen in die Höhe: Der Tourismus boomt - und krempelt Burmas Metropole Rangun um, viele Einwohner wittern die Chance auf mehr Wohlstand. Die Parlamentswahl an diesem Wochenende soll die Aufbruchstimmung weiter befeuern.

Rangun - Die Ankunft in Rangun hält einige Überraschungen bereit, aber zunächst auch eine Enttäuschung. Vor wenigen Monaten noch wurden Burma-Reisende bei der Einreise als potentielle Staatsfeinde grimmig behandelt: Sicherheitsbeamte durchwühlten die Koffer, Laptops mussten deklariert werden, Handys waren (im Prinzip) verboten. Nichts davon in diesem März. Das Flughafengebäude ist hell und neu. Die Passkontrolle geht zügig, die Beamten sind freundlich, das Gepäck bleibt unbehelligt. Die schöne neue Reformwelt von Präsident Thein Sein ist schon am Flughafen Wirklichkeit.

Wer am frühen Abend anreist, erhält nicht den besten ersten Eindruck von Rangun. Es ist dunkel, die Straßen sind nur spärlich beleuchtet, das gelblich-fahle Licht der Straßenlaternen nicht dazu angetan, ein "Wow"-Gefühl auszulösen. Das tritt aber doch noch ein, als das Taxi sich dem Stadtzentrum nähert und mit einem Mal die mächtige, hell angestrahlte Stupa der Shwedagon-Pagode wie ein goldenes Ufo über dem dunklen Rangun schwebt.

Beim Frühstück am nächsten Morgen kommt einem "Der Zauberer von Oz" in den Sinn. Der Anfang des Filmklassikers aus den vierziger Jahren ist schwarz-weiß, traurig, langweilig. Dann aber, als die kleine Dorothy im Zauberland Oz ankommt, wird aus der Tristesse schlagartig ein fröhliches Farbenmeer. Genau so bunt präsentiert sich die Stadt vom Panorama-Frühstücksraum im siebten Stock des Clover Hotel Rangun. Die goldene Shwedagon-Pagode, die so ziemlich von überall in Rangun zu sehen ist, hebt sich vor dem blauen Himmel ab. Zwischen sattgrünen Bäumen sind weiße alte Kolonialvillen, nicht ganz so alte Mietshäuser in Pastellgelb und unzählige golden-grüne Dächer von buddhistischen Tempeln auszumachen.

Schönheit und Verfall

Rangun, von den Burmesen Yangon genannt, ist bunt, lebendig, eine Stadt, die wie in einen tropischen Park gebaut wirkt. Die burmesische Metropole ist modern, moderner als man erwarten würde, hat sich aber gleichzeitig den Charme der alten, durch Romane und Filme romantisierten und verklärten Metropolen des Fernen Ostens mit ihrem verwirrenden Gemisch aus kolonialen und einheimischen, vielfach chinesisch geprägten Kulturen bewahrt.

Die jahrzehntelange Herrschaft und Misswirtschaft der Militärjunta hat wie ein unfreiwilliges Konservierungsprogramm gewirkt, auch wenn Moos, Schimmel und Zerfall den Kolonialbauten über die Jahrzehnte arg zugesetzt haben. Aber wie in Leipzig zu Wendezeiten ist die Schönheit der Architektur selbst unter den Symptomen des Verfalls noch sichtbar.

Es gibt viel zu entdecken in Rangun, einer Stadt mit vielen Parks, Seen und einem Fluss, mit Pagoden, Kirchen, Moscheen und einer kleinen Synagoge, mit Märkten und Garküchen, einem Völkergemisch, das davon kündet, dass Burma nicht nur die Heimat von 130 ethnischen Gruppen, sondern auch die Brücke zwischen Indien und China ist.

Rummel um "The Lady"

Im Rangun des Jahrs 2012 ist aber auch eine prickelnde Aufbruchstimmung zu spüren. Sichtbare Zeichen des burmesischen Frühlings sind die bis vor wenigen Monaten unter Strafe verbotenen Satellitenschüsseln an vielen Häusern, ausländische Zeitungen in Cafés und Hotels und - vor allem - die allgegenwärtigen Bilder von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. Am Samstag sind Wahlen, mit großer Wahrscheinlichkeit wird sie dann ins Parlament einziehen.

Fotos der Friedensnobelpreisträgerin prangen auf den Titelblättern der vielen burmesischen Zeitungen und zieren Tausende Schlüsselanhänger, die gewiefte Händler als Souvenirs feilbieten. Reißenden Ansatz finden auch raubkopierte DVDs des Films "The Lady" über Aung san Suu Kyi von Luc Besson. Nicht lange ist es her, als Suu Kyi unter Hausarrest stand, ihr Bild öffentlich nicht gezeigt werden durfte und schon das Flüstern ihres Namens einen in arge Schwierigkeiten bringen konnte.

Win Hlaing hat ein Abziehbild der Nationalheldin auf dem Armaturenbrett seines Taxis kleben. "Ich verehre Aung San Suu Kyi. Aber der Regierung traue ich noch nicht. Die verspricht demokratische Reformen. Was wir aber viel mehr brauchen, sind bessere Straßen und bessere Lebensbedingungen." Der 48-jährige Taxifahrer gibt aber auch freudig zu, dass er einer der Nutznießer der Öffnung Burmas ist. "Seit ein paar Monaten geht mein Geschäft richtig gut. So viele Besucher wie jetzt waren noch nie hier."

Thanil ist Student, er sieht die Reformen optimistischer als der Taxifahrer. Der 23-Jährige verdient seinen Lebensunterhalt als Kellner im "Romantic", einem chinesischen Restaurant am Thin Nandar See (dem kleinen Nachbarn des Kandawygi-Sees nahe der Shwedagon-Pagode), in dem man wahlweise bei tropischen Temperaturen auf einer Seeterrasse oder in einem der fünf auf arktische Temperaturen gekühlten Séparées dinieren kann.

Der junge Mann aus der Tempelstadt Bagan studiert Englisch. In Zukunft als Lehrer im heimischen Bagan jungen Landsleuten Englisch beizubringen, sieht Thanil als seinen Beitrag zum Aufbau Burmas. "Jetzt kommen Geschäftsleute und Touristen nach Burma. Das bringt Jobs. Aber wer in der Wirtschaft oder im Tourismus was werden will, der muss Englisch können."

Schön, dass so viele Ausländer kommen

Eine der Top-Sehenswürdigkeiten in Rangun ist in diesen Tagen das Hauptquartier der Oppositionspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD) in der Nähe der Shwedagon-Pagode. "Es ist schön, dass jetzt so viele Ausländer zu uns kommen", sagt Phwa Gyi, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der NLD, während eine Gruppe japanischer Touristen am Partei-Andenkenstand darüber diskutiert, welche T-Shirts sie kaufen sollen: das knallrote mit dem leuchtend gelben kämpfenden Pfau, dem Parteilogo der NLD? Oder doch lieber das mit dem Konterfei von Aung San Suu Kyi? Angesichts der vielen Besucher haben es die Beobachter der Staatssicherheit im Café vermutlich aufgegeben, das Kommen und Gehen bei der NLD fotografisch zu dokumentieren.

Im Angebot sind auch Tassen mit dem aufgedruckten Bild von "The Lady" und ihrem Vater Aung San, der Burma von der britischen Kolonialherrschaft befreit hat. Ein anderes Bechermodell trägt zwischen den Fotos von Aung San Suu Kyi und Hillary Clinton in fetten Lettern die Inschrift "The Greatest". "Das ist unter den Ausländern der Bestseller", sagt Gyi. Der Besuch von Hillary Clinton in Burma im Dezember 2011 war der historische Augenblick, der Burma aus der Isolation holte. "Wenn Hillary da hinfährt, dann dürfen wir das auch", sagen sich seitdem Investoren, Diplomaten, Politiker aus aller Welt - und vor allem Touristen. Der Fremdenverkehr im Land boomt. Die touristische Infrastruktur ist dem Ansturm jedoch nicht gewachsen. Die Hotels aller Kategorien in Rangun erfreuen sich einer Auslastung von nahezu einhundert Prozent, die Zimmerpreise sind in den ersten drei Monaten 2012 um 25 bis 50 Prozent gestiegen.

Für Htein Lin macht sich der Boom bezahlt. Erst vor einem halben Jahr hat er das neu erbaute Clover Hotel eröffnet. "Seit knapp drei Monaten sind wir permanent so gut wie ausgebucht", freut er sich. Das Clover ist bereits das zweite Hotel, das Htein Lin zusammen mit einem Neffen betreibt. Er vertraut darauf, dass die Reformen weitergehen, und setzt auf eine goldene touristische Zukunft Ranguns. "Wir haben schon Pläne für den Bau eines weiteren Hotels."

Forum

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insgesamt 11 Beiträge
1. Hoffen wir, daß auch die Armen etwas von der Öffnung haben
wohlmein 31.03.2012
und der Neokapitalismus noch Jahrzehnte benötigt, um die Traditionen zu verkitschen, die gefühlte Geborgenheit der Menschen hinwegzufegen und die Ellbogengesellschaft zu installieren.
Zitat von sysopHotels können sich kaum retten vor Anfragen, die Preise schießen in die Höhe: Der Tourismus boomt - und krempelt Burmas Metropole Rangun um, viele Einwohner wittern die Chance auf mehr Wohlstand. Die Parlamentswahl an diesem Wochenende soll die Aufbruchstimmung weiter befeuern. Parlamentswahl: Burma hofft auf goldene Zukunft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,824783,00.html)
und der Neokapitalismus noch Jahrzehnte benötigt, um die Traditionen zu verkitschen, die gefühlte Geborgenheit der Menschen hinwegzufegen und die Ellbogengesellschaft zu installieren.
2. ...
seine_unermesslichkeit 31.03.2012
So in etwa hat manch Wessi auch über die Zonis 1989 geurteilt, vor allem jene, die sich im linken, nach Gleichschaltung sehnenden Millieu verorten lassen!
Zitat von wohlmeinund der Neokapitalismus noch Jahrzehnte benötigt, um die Traditionen zu verkitschen, die gefühlte Geborgenheit der Menschen hinwegzufegen und die Ellbogengesellschaft zu installieren.
So in etwa hat manch Wessi auch über die Zonis 1989 geurteilt, vor allem jene, die sich im linken, nach Gleichschaltung sehnenden Millieu verorten lassen!
3. Ja!
Onkel Mattel 31.03.2012
Es ist wirklich sehr schön zu erleben, wie Myanmar (wieso Burma?) sich in den letzten 18 Monaten entwickelt hat. Ich reise seit 25 Jahren immer wieder nach Myanmar (bislang rund 20 Reisen) und habe bei meinem letzten Besuch [...]
Zitat von sysopHotels können sich kaum retten vor Anfragen, die Preise schießen in die Höhe: Der Tourismus boomt - und krempelt Burmas Metropole Rangun um, viele Einwohner wittern die Chance auf mehr Wohlstand. Die Parlamentswahl an diesem Wochenende soll die Aufbruchstimmung weiter befeuern. Parlamentswahl: Burma hofft auf goldene Zukunft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,824783,00.html)
Es ist wirklich sehr schön zu erleben, wie Myanmar (wieso Burma?) sich in den letzten 18 Monaten entwickelt hat. Ich reise seit 25 Jahren immer wieder nach Myanmar (bislang rund 20 Reisen) und habe bei meinem letzten Besuch (Dez. 2011) eine richtige Aufbruchstimmung wahrgenommen. Absolut nicht nachvollziehbar ist aber die Beschreibung der Einreise am Flughafen von Yangon (von der SpiegelOnline Redaktion Rangun genannt). Das Flughafengebäude existiert seit Jahren und ist somit seit Jahren hell, aber längst nicht mehr "neu". Mein Gepäck wurde auch in den 80er Jahren nie besonders kontrolliert. Jedenfalls nicht mehr als Gepäck bei Einreisen in andere Länder SO-Asiens auch kontrolliert wurde. Die Einreise ist heute so unkompliziert wie vor 5 oder 6 Jahren. Ich musste noch nie mein Laptop deklarieren, auch nicht, wenn ich es erkennbar in entsprechender Tasche bei mir trug. Handys waren auch vor 5 Jahren nicht "verboten". Man konnte (und kann) sie eh nicht nutzen, weil es keine entsprechende Roaming-Partner gibt. Noch vor der chinesischen hat die indische Kultur Myanmar und auch Yangon (von den Briten Rangoon genannt) geprägt. Satellitenschüsseln gibt es in Yangon seit Jahren, heute kaum mehr als vor zwei oder drei Jahren. Ein angebliches Verbot hat niemanden intersssiert und wurde auch nie durchgesetzt. Geschäftsleute und Touristen kommen seit Jahren nach Myanmar, der Cyclone Nargis und die im Westen so genannte "Safran-Revolution" haben zwischen 2008 und 2011 zu einem Rückgang geführt. Das touristische Niveau 2012 liegt immer noch deutlich unter dem von 2007. Das Hauptquartier der Oppositionspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD) war nie ein Top-Besichtigungsziel und ist es auch heute nicht. Im Gegenteil. Die meisten Touristen, die nach Yangon kommen, haben noch nie davon gehört und werden auch nicht dorthin gebracht.
4.
Onkel Mattel 31.03.2012
Selten so einen Schmarrn gelesen. Sie waren wahrscheinlich nie in Myanmar, kennen nicht seine Kultur und Traditionen und schwafeln hier was von Neokapitalismus und Ellenbogengesellschaft. Man muss ja nicht zu allem etwas [...]
Zitat von wohlmeinund der Neokapitalismus noch Jahrzehnte benötigt, um die Traditionen zu verkitschen, die gefühlte Geborgenheit der Menschen hinwegzufegen und die Ellbogengesellschaft zu installieren.
Selten so einen Schmarrn gelesen. Sie waren wahrscheinlich nie in Myanmar, kennen nicht seine Kultur und Traditionen und schwafeln hier was von Neokapitalismus und Ellenbogengesellschaft. Man muss ja nicht zu allem etwas sagen. Insbesondere dann nicht, wenn man eben keine Ahnung hat.
5. Jaja, ist ok
HeisseLuft 31.03.2012
früher war natürlich alles besser. Wußte unsere Großeltern auch schon. Damals gab es immerhin viel weniger Kriminalität. Jedenfalls wenn man nur die private rechnet. Ich wünsche den Burmesen viel Glück. Oder sind es nun [...]
Zitat von wohlmeinund der Neokapitalismus noch Jahrzehnte benötigt, um die Traditionen zu verkitschen, die gefühlte Geborgenheit der Menschen hinwegzufegen und die Ellbogengesellschaft zu installieren.
früher war natürlich alles besser. Wußte unsere Großeltern auch schon. Damals gab es immerhin viel weniger Kriminalität. Jedenfalls wenn man nur die private rechnet. Ich wünsche den Burmesen viel Glück. Oder sind es nun Birmanen? Egal, allen Völkern, die dort leben.

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