19.12.2012
Apokalypse-Countdown
Unsere Traumziele für den Weltuntergang
Aloha from Hawaii
Schuld ist wahrscheinlich TV-Detektiv Thomas Magnum. Der charmante Schnurrbartträger ermittelte während meiner Jugend immer zu später Sendezeit (zumindest für schulpflichtige Fernsehgucker) in einem tropischen Paradies voller schöner Frauen, malerischer Strände und prächtiger Anwesen: Hawaii.
Für meinen Realschulabschluss wollte ich mich mit einer kleinen Reise in die Heimat meiner Lieblingsserie belohnen. Zusammen mit einem Klassenkameraden wälzte ich damals die Kataloge - und musste leider feststellen, dass die Kosten für den Traumurlaub das Einspielergebnis meiner Konfirmation bei weitem überstiegen. Ich blieb daheim, mein Freund ging stattdessen auf einen günstigeren Roadtrip an die Ostküste der USA.
An meiner geheimen Leidenschaft für die Inselkette im Pazifik hat sich seitdem nichts geändert. Hawaii ist noch immer der Ort, an den ich unbedingt reisen möchte. Die Landschaft soll einzigartig sein, und die Insulaner gelten als ganz spezielles Volk mit einem sehr entspannten Lebensstil. Gerade von Letzterem würde ich mich gerne selbst überzeugen. Und natürlich möchte ich auch die Drehorte von Magnum, dem Helden meiner Jugend, besuchen.
Dessen Filmheimat Robin's Nest liegt in Waimanalo auf der Insel O'ahu. Hier lebte Magnum einst im Gästehaus eines exzentrischen Bestsellerautors. Das Anwesen gibt es wirklich - das Anderson-Estate liegt am Kalaniana'ole Highway. Die Villa ist im Privatbesitz und für Touristen nicht zugänglich, aber in der Nähe liegt ein öffentlicher Strand, an dem auch Magnum schon aus Fluten stieg.
Nach dem Bad würde ich von dort in die Honolulu-Lodge in Waikiki fahren, die in der Serie den lautmalerischen Namen King-Kamehameha-Club trug. Bei einem kühlen Bier in der Abendsonne könnte man dann dort stilvoll das Strandleben und den Weltuntergang genießen. "Ich weiß, was Sie gerade denken, und Sie haben recht", wären wohl meine letzten Worte.
Denis Krick
Pack das Handtuch ein
Irgendwo zwischen Plymouth und Bristol, London und Exeter, mitten auf dem Land im Südwesten Englands. Dort würde ich sein wollen, sollte die Welt untergehen. Was ja im Prinzip jederzeit passieren kann. Zurzeit aber scheint die vorherrschende Meinung zu sein, dass die Existenz der Erde am 21. Dezember Vergangenheit sein wird.
Kurz zuvor möchte ich dort sein, wo Douglas Adams seinen Romanhelden Arthur Dent platziert hat. Einen nervösen, ungefähr 30 Jahre alten Radiomitarbeiter, "groß, dunkelhaarig und nie ganz mit sich im Reinen". So schreibt es der tragischerweise schon 2001 verstorbene Adams in seinem großartigen Science-Fiction-Roman "Per Anhalter durch die Galaxis". Wer fühlte sich von der Beschreibung nicht irgendwie angesprochen?
Genau dort hätte ich die Chance, auf einen Ford Prefect zu treffen, einen Alien in Menschengestalt. Dieser Ex-Bewohner eines kleinen Planeten in der Nähe von Beteigeuze nämlich rettet seinen Kumpel Arthur: Die beiden verlassen den Planeten mit Fords Subraum-Äther-Winker rechtzeitig, bevor die unsympathischen, hässlichen Vogonen die Erde zerstören. Der Grund ist ähnlich profan wie das Ende des Maya-Kalenders: Unser kleiner, unbedeutender Planet ist beim Bau einer galaktischen Hyperraum-Expressroute im Weg.
Pech für alle anderen Erdbewohner, Glück für Arthur. Denn das ist der Beginn einer faszinierenden Reise! Und was könnte es Spannenderes geben, als mit einem Reiseführer in der Hand ("Hitchhiker's Guide to the Galaxy"), sparsamem Gepäck (Handtuch) und einem guten Freund (Ford Prefect) unbekannte Welten zu erkunden? Sich treiben zu lassen, interessante Wesen kennenzulernen (Zaphod Beeblebrox, Slartibartfaß), gutes Essen zu genießen (Das Restaurant am Ende des Universums) und über den Sinn des Lebens zu philosophieren ("42")?
Ganz eindeutig ist Südwestengland ein wunderbarer Ort, um auf den Weltuntergang zu warten. Um dann extraterrestrische Abenteuer zu erleben. Und sollte das große Finale diesmal doch nicht kommen, gibt es noch exorbitant viele andere galaktisch gute Orte auf der kleinen Erde, an denen ich mit einem Reiseführer, guten Freunden und einem Handtuch zufrieden wäre. Bis zur nächsten Apokalypse.
Antje Blinda
Eine Münze gegen den Weltuntergang
Nirgends auf der Welt herrscht eine so schaurig-schöne Endzeitstimmung wie im Herzen des Vatikans - und das seit fast 500 Jahren. Täglich ziehen sich in der Sixtinischen Kapelle bis zu 20.000 Touristen eine Nackenstarre zu, während sie die wohl berühmteste bildliche Darstellung vom Jüngsten Gericht betrachten, die Michelangelo im Jahr 1541 vollendete.
Ob die vielen Besucher aus Japan, Deutschland oder den USA überhaupt wissen, worum es bei dem gigantischen Fresko geht? Ob sie auch nur einen Moment darüber nachdenken, auf welcher Seite sie stünden, hätte der Weltenrichter kurz vor der Apokalypse eine Entscheidung über sie zu fällen? Würden sie zu den Guten oder zu den Verdammten gehören? Zugegeben, ich hab mir bei meinem letzten Besuch der Sixtinische Kapelle keine Gedanken darüber gemacht. Würde die Welt untergehen, hätte ich Besseres zu tun, als mir einen Sermon über meine Sünden anzuhören.
Vielleicht würde ich ein paar Minuten lang still Michelangelos Farbenpracht bewundern - aber dann hinausstürmen aus dem Vatikan. Um mich von der Lebenslust der Italiener anstecken zu lassen. Rom ist der perfekte Ort dafür. In der Via del Corso ließe ich mir von einer zu stark geschminkten Verkäuferin etwas Schickes zum Anziehen andrehen. Gut gekleidet bestellte ich in einer Trattoria ein Glas Rotwein und einen großen Teller Bucatini all'amatriciana mit viel Parmesankäse.
Und dann machte ich einen langen Spaziergang. Die 2000 Jahre alten Ruinen rechts und links des Weges, die historischen Statuen aus Marmor und Bronze wären dabei nichts weiter als eine Kulisse für meinen Abschied vom Abendland. Sie erinnern an Gemetzel (das Kolosseum), Macht (Kaiser Neros Domus Aurea) und Hass (Romulus und Remus). Doch in Rom werden nicht nur die Makel der Menschheit zur Schau gestellt. Ich würde mir für meine letzte Reise vor der Apokalypse nicht Italiens Hauptstadt aussuchen, wenn ich dort nicht eine Flut von Glücksgefühlen erwarten würde.
Warum das so ist? Weil an Orten wie dem Kapitolsplatz der Begriff Schönheit definiert wurde. Weil im Schaum eines Cappuccinos alle Sorgen versinken, wenn ein römischer Barista ihn zubereitet hat. Und weil man in der Ewigen Stadt nur eines tun muss, wenn man sie wiedersehen will: mit der rechten Hand eine Münze über die linke Schulter in einen Brunnen werfen. Willkommen, Weltuntergang!
Julia Stanek

