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03.01.2013
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Pekings Eunuchen-Museum

Entmannt, verachtet - und sehr mächtig

Von
DPA

Kastration auf kaiserliche Anordnung: Jahrhundertelang wurden Knaben in China Penis und Hoden abgeschnitten, damit sie als Eunuchen am Hofe dienen konnten. Ein Museum erinnert an die Verstümmelten, die Karriere machten - und an die grausame Prozedur, die nicht alle überlebten.

Drei Kaisern hat er gedient, sich auf der Karriereleiter langsam, aber sicher bis zum vierten Beamtengrad hinaufgearbeitet. Unparteiisch und aufrecht soll er gewesen sein - ein Staatsdiener, der es sogar wagte, dem Herrscher zu empfehlen, den Untertanen ungerechte Steuerlasten von der Schulter zu nehmen.

Als Tian Yi 1605 mit 72 Jahren starb, war er in der Verbotenen Stadt Chef der Abteilung Zeremonien, das ist wohl vergleichbar mit einem heutigen Kanzleramts-Minister. Der Kaiser ließ ihm deshalb im Westen von Peking an einem Berghang ein prachtvolles Grab bauen.

Tian Yi war ein besonderer Mensch, nicht nur wegen seiner Verdienste. Er war ein Eunuch, also ein Mann, dem in jungen Jahren Hoden und Penis abgeschnitten wurden. Dies galt damals als Voraussetzung für einen Aufstieg am Drachenthron: Die Kaiser wollten verhindern, dass Höflinge Kinder bekamen, damit die nicht in Streitigkeiten um die Thronfolge eingreifen konnten. Und sie selbst duldeten keine Konkurrenz in den Gemächern der Konkubinen.

Viele der Eunuchen überlebten die Operation nicht, andere waren ihr ganzes Leben lang inkontinent. Sie wurden als "niedrige Diener" verachtet. Ihr Ruf war nicht immer der beste: Man sagte ihnen nach, intrigant, diebisch und falsch zu sein. Manche Eunuchen allerdings brachten es zu angesehenen Politikern und Fachleuten. Der Seefahrer Zheng He, der im 15. Jahrhundert mit seinen Drachenbooten bis nach Afrika segelte, war ebenso ein Eunuch wie der Erfinder des Papiers, Cai Lun.

Gebissmodelle vom Klapptisch

Mit dem Sturz des letzten Kaisers 1911 hörte die Barbarei auf, der letzte Eunuch, Sun Yaoting, starb 1996 in Peking. Seit einigen Jahren haben die Behörden diesen Männern ein Museum gewidmet - auf dem Gelände des Grabes von Tian Yi.

Der Ausflug dorthin lohnt sich. Die U-Bahn braucht mehr als 40 Minuten vom Zentrum zur Endstation "Apfelgarten". Hier verpestete einst das Stahlwerk Shougang die Luft, bis die Regierung 2008 die Produktionsstätten der Industrieanlage aus der Stadt verbannte, damit Einwohner und Besucher zu den Olympischen Spielen freier atmen konnten. An der U-Bahnstation warten "schwarze" Taxis - es gibt hier draußen kaum legale. Der Wagen fährt eine schmale Gasse entlang zum Grab.

Der Stadtteil Shijingshan in der Nähe der Westberge mit seinen flachen grauen Häusern erinnert an das alte Peking. Bis hier ist die Glitzerwelt des Zentrums noch nicht vorgedrungen. Seine Bewohner sind einfach gekleidet, auf einem quirligen Markt vor dem Eunuchengrab kaufen sie Gemüse, Obst, Fleisch und Fische ein. Handwerker preisen auf Schildern um den Hals ihre Dienste an. Ein fahrender Zahnarzt wirbt mit Gebissmodellen, die er auf einen Klapptisch ausgebreitet hat.

In der Nachbarschaft lebten hier einst Eunuchen, die sich um das Grab von Tian Yi kümmerten. In späteren Zeiten wurden Gelände und Gebäude zu einem Kindergarten umfunktioniert.

Gefährliche Entmannung

Acht Yuan (knapp einen Euro) kostet der Eintritt zu einer der wohl seltsamsten Erinnerungsstätten in China. Die fünf Ausstellungsräume sind kalt und dunkel. Die Besucher müssen die Lichtschalter selbst ertasten. Zu sehen bekommen sie Erläuterungstafeln, Grabsteine von Eunuchen, Dinge, die der letzte von ihnen, Sun, besaß: zwei antike Dildos und eine in der Gegend gefundene Mumie.

Eine kleine Sichel liegt da, mit der die Jungen entmannt wurden. Eine Gruppe fast lebensgroßer grauer Figuren stellt die Operation nach: Das Opfer ist auf einem Tisch festgebunden, ein Helfer hält seine Beine fest. Im Hintergrund steht ein Mann mit einem Tablett, auf dem die Geschlechtsteile nach dem Schnitt landen werden. Damit die Prozedur gelingt, sind Hoden und Penis an einer Schnur hoch gebunden.

Ein paar Meter weiter können Besucher in die Gruft von Tian Yi hinunterklettern. Die Chinesen glaubten damals an ein Leben nach dem Tode, deshalb bekamen die Verstorbenen zahlreiche Grabbeigaben. Die Gruft von Tian Yi ist allerdings leer, auch seine Knochen sind nicht mehr da. Vor über 100 Jahren schon haben Kriegsherren das Gewölbe ausgeräumt, um mit der Beute ihre Soldaten zu finanzieren.

Verschwunden ist auch die kleine Tasche, die Tian Yi bei sich hatte, als er starb. Die Eunuchen trugen ihre abgeschnittenen Körperteile immer mit sich. Sie wollten die Chance nicht verpassen, nach einem plötzlichen Tod im Jenseits ein ganzer Mann zu sein.

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Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
1. Tradition
Herr Hold 03.01.2013
Das war lange Tradition in China. Solange es von einem fachkundigen Menschen durchgeführt wurde, sollte man sich nicht dagegen stemmen.
Zitat von sysopDPAKastration auf kaiserliche Anordnung: Jahrhundertelang wurden Knaben in China Penis und Hoden abgeschnitten, damit sie als Eunuchen am Hofe dienen konnten. Ein Museum erinnert an die Verstümmelten, die Karriere machten - und an die grausame Prozedur, die nicht alle überlebten. Peking: Museum für Eunuchen am Grab von Yuan Ti in Shijingshan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/peking-museum-fuer-eunuchen-am-grab-von-yuan-ti-in-shijingshan-a-875347.html)
Das war lange Tradition in China. Solange es von einem fachkundigen Menschen durchgeführt wurde, sollte man sich nicht dagegen stemmen.
2.
Alimentator 03.01.2013
Wozu braucht ein Eunuch Dildos? Sämtliche Libido dürfte mit Entfernung der Hoden verschwunden sein. Außerdem war der Kaiser bestimmt nicht sehr erbaut von einem dildoschwingenden Eunuchen bei seinen Konkubinen.
Zitat von sysopDPAKastration auf kaiserliche Anordnung: Jahrhundertelang wurden Knaben in China Penis und Hoden abgeschnitten, damit sie als Eunuchen am Hofe dienen konnten. Ein Museum erinnert an die Verstümmelten, die Karriere machten - und an die grausame Prozedur, die nicht alle überlebten. Peking: Museum für Eunuchen am Grab von Yuan Ti in Shijingshan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/peking-museum-fuer-eunuchen-am-grab-von-yuan-ti-in-shijingshan-a-875347.html)
Wozu braucht ein Eunuch Dildos? Sämtliche Libido dürfte mit Entfernung der Hoden verschwunden sein. Außerdem war der Kaiser bestimmt nicht sehr erbaut von einem dildoschwingenden Eunuchen bei seinen Konkubinen.
3. gruselig und eine Schande was menschen mit
hobbysechs00 03.01.2013
Menschen machen. Die instinktlosigkeit der macht kennt keine grenzen.da kann man nur hoffen dass dieses Museum dazu beiträgt auch die Gegenwart kritisch zu beaeugen damit man erkennt wo das Messer der mächtigen heute angesetzt [...]
Menschen machen. Die instinktlosigkeit der macht kennt keine grenzen.da kann man nur hoffen dass dieses Museum dazu beiträgt auch die Gegenwart kritisch zu beaeugen damit man erkennt wo das Messer der mächtigen heute angesetzt wird . an einer Gleichheit unter gleichen ist man nicht wirklich interessiert. auch bei uns nicht. Beispiel auslaenderbehoerde. dort ist rassistische Verfolgung Standard .meine afrikanische ehefrau musst zum zwecke der familienzusammenfuhrhng Deutschland verlassen. nach 2 jahren und 8 Monaten schrieb mich das Amt an ich möge den Mietvertrag und notwendigen Wohnraum nachweisen damit meine ehefrau wièder einreisen kann. wo bleiben da die Medien ?? Die hoden wurden ihnen nicht geraubt aber Etwas anderes. die instinktsicherheit
4.
lab61 03.01.2013
Achja. Deshalb haben es ja auch viele, laut dem Atikel, nicht überlebt. Recht krude, Ihre Ansichten dazu.
Zitat von Herr HoldDas war lange Tradition in China. Solange es von einem fachkundigen Menschen durchgeführt wurde, sollte man sich nicht dagegen stemmen.
Achja. Deshalb haben es ja auch viele, laut dem Atikel, nicht überlebt. Recht krude, Ihre Ansichten dazu.
5. Tradition
Teile1977 03.01.2013
Wenn sie das so toll finden dürfen sie sich gerne von der traditionellen Chinesischen Medizin behandeln lassen, ich verzichte gerne darauf. Sie sollten aber bedenken das der Schließmuskel im Penis für ihre [...]
Zitat von Herr HoldDas war lange Tradition in China. Solange es von einem fachkundigen Menschen durchgeführt wurde, sollte man sich nicht dagegen stemmen.
Wenn sie das so toll finden dürfen sie sich gerne von der traditionellen Chinesischen Medizin behandeln lassen, ich verzichte gerne darauf. Sie sollten aber bedenken das der Schließmuskel im Penis für ihre "Dichtigkeit" recht wichtig ist, und das die im Hoden gebildeten Hormone auch noch andere wichtigen Funktionen im Körper bestimmen.
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