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15.01.2013
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Skifahren in Utah

Schwarze Diamanten, weiße Hänge

TMN

Die USA gelten als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die Pisten von Park City machen diesem Ruf alle Ehre. In dem Skigebiet in Utah wedeln Winterurlauber durch lichte Wälder, sie entdecken unpräpariertes Gelände und fahren mit dem Schlitten zum romantischen Dinner im Wikingerzelt.

Park City - Vor gut 100 Jahren war Park City noch ein verruchtes Silberminennest im Wilden Westen. Wo sich einst trinkfreudige Glücksritter und schießwütige Cowboys mit leichten Mädchen vergnügten, stapfen heute Skifahrer zu den Liften. Der Wintersport hat den zwischenzeitlich zur Geisterstadt verkommenen Ort in Utah vor dem Verfall gerettet. Seit den Olympischen Spielen von Salt Lake City 2002 boomen Park City und seine Nachbarn Deer Valley und Canyons.

Zur Eröffnung des Skigebiets 1963 wurden die ersten Skifahrer noch in einem alten Förderzug unterirdisch durch einen düsteren Minentunnel auf den Berg gebracht. Heute erschließt ein modernes Liftsystem das Skigebiet von Park City, das 2002 das alpine Herz der Winterspiele war. Fast alle alpinen Rennen fanden unter dem 3047 Meter hohen Jupiter Peak statt.

Olympia bescherte Park City internationalen Ruhm, die Silberminen-Geschichte des Ortes sorgte für das besondere Flair. "Selbst im Skigebiet stehen noch alte Fördertürme und Minengebäude", erzählt Pamela Graves-Longley vom Sky Lodge-Hotel direkt an der Main Street. Park City ist keines dieser künstlichen Skiresorts in den USA, die mit pseudoalpiner Architektur die Sehnsucht der Amerikaner nach Schweizer Bergromantik stillen. Hier reihen sich Backsteingebäude und pastellfarbene Holzhäuser an Cafés, Restaurants und Galerien.

Auch George Baker liebt die Atmosphäre in Park City - und den berühmten Schnee im Wüstenstaat. "In Utah schreiben sie völlig zurecht 'Greatest Snow on Earth' auf ihre Autokennzeichen", erzählt der pensionierte Pilot. Nicht einmal ein Schneeball lässt sich aus dem extrem trockenen Pulverschnee pressen. "Utah hat wegen der Höhe und Ausrichtung der Wasatch-Mountains das ideale Schneeklima", erklärt Brian McInerney vom Nationalen Wetterdienst.

Schwarze Diamanten am Jupiter-Gipfel

"Einige Ski-Gebiete mögen noch trockeneren Schnee und andere noch mehr Schnee haben - Utah aber hat die beste Kombination", behauptet George. Als einer der vielen ehrenamtlichen Guides beweist er dies auf den kostenlosen Kennenlerntouren im Skigebiet immer wieder gern. "Europäer sind vor allem von den schier unendlichen Möglichkeiten begeistern", erzählt George. Innerhalb der Skigebietsgrenze dürfe man überall weg von den Pisten und rein in die lichten Wälder, die über 3000 Meter hoch reichen.

Seine Lieblingspisten sind die Double-Black-Diamond-Abfahrten vom über 3000 Meter hohen Jupiter-Gipfel. Als Double Black Diamonds bezeichnen die Amerikaner die schwierigsten, meist unpräparierten Geländeabfahrten. Einige sind nur mit einem kurzen Aufstieg erreichbar. Direkt zugänglich sind die steilen Wald- und Geländeabfahrten der McConkey's Bowl.

Dort steht die "Viking Yurt", das Wikingerzelt, in das Touristen abends mit einem Schlitten zum romantischen Dinner gebracht werden. Während der Olympischen Spiele 2002 schaute hier der norwegische König vorbei.

Gekrönte Häupter lassen sich in dem bodenständigen Park City ansonsten selten blicken. Hollywoodstars und Filmsternchen geben sich dagegen jedes Jahr im Januar bei Robert Redfords Sundance-Kinofilm-Festival die Klinke in die Hand. So viel Trubel herrscht auf der Main Street selten und im Skigebiet nie. Dafür ist es mit über 13 Quadratkilometern zu groß und von zu vielen Konkurrenten umgeben. Rund um Salt Lake gibt es 13 Resorts, die alle nur knapp eine Stunde vom Flughafen entfernt sind.

Park City, Party City

Direkt neben Park City liegt das noble Deer Valley, und zehn Autominuten entfernt Utahs neuestes und größtes Skigebiet Canyons. Am Fuße des gigantischen Bergs sprießen Luxushotels aus dem Boden. 21 Lifte erschließen das Areal, das sich die Wintersportler allerdings mit einem Dutzend Elchen teilen müssen. Unbeeindruckt vom Pistentrubel blockieren die nicht ungefährlichen Tiere gern mal Pisten. "Deshalb hat die Bergwacht extra eine Elch-Patrol eingeführt", erzählt Ski-Guide Art Brothers.

Von ihrer Hütte auf dem 3045 Meter hohen Ninety-Nine-Gipfel überwachen die Elch-Patroler eine Skiarena der Superlative. Die Rückseite des Berges ist ein Paradies für Freerider, die mit Totenkopfschildern mit "You can die!"-Aufschriften vor Leichtsinn gewarnt werden. Mit Bergführern oder auf den direkt aus dem Skigebiet startenden Heliski-Touren der Wasatch Powder Guides ist das Offpiste-Abenteuer jedoch sicher.

Freerider und Skifahrer treffen sich dann spät nachmittags an der Talstation. Auch im Mormonenstaat wird gern getrunken, Europäer müssen in Utah nicht auf einen feuchtfröhlichen Après-Ski verzichten. Im Gegenteil: Abends wird Park City zur Party City. Dann platzt der "No Name Saloon" an der Main Street aus allen Nähten. Die Kneipe sieht aus wie eine Western-Filmkulisse. Fehlen eigentlich nur noch Whisky bechernde Minenarbeiter und Pistolen schwingende Cowboys.

Inspiration für den Urlaub

Bernhard Krieger/dpa/jus

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