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28.01.2013
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Vulkane für Skifahrer

Brettern, wo es brodelt

Corbis

Mordsabfahrten am Mordor-Krater, Schneevergnügen am Ätna: Zwischen Neuseeland und Sizilien führen Skipisten die Flanken von Vulkanen hinab. Wenn jedoch plötzlich Asche statt Pulverschnee staubt, sollte man schnell einen Zahn zulegen.

Vulkan. Das Wort weckt Assoziationen an glühende Lava, Feuerfontänen und fliegende Felstrümmer. Aber viele Vulkane sind auch prädestinierte Skiberge, denn die ebenmäßigen Flanken der Giganten bieten lange Hänge, grenzenlose Aussicht und den Reiz unberechenbarer Naturgewalten.

Da Vulkane meist einsam in den Himmel ragen, treffen Wolken mit ihrer ganzen Feuchtigkeit auf die Berge. Im Winter heißt das: Es gibt satten Schneefall. Lesen Sie hier, wo auf der Welt Sie Vulkane auf Brettern hinuntersausen können.

Europa: Feuerhänge zwischen Italien und Russland

Der Ätna auf Sizilien ist mit 3340 Metern der höchste aktive Vulkan Europas. Seit den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wird an den sanften Flanken des rastlosen Riesen Ski gefahren - mit eruptionsbedingten Unterbrechungen. Seit 2004 läuft der Skibetrieb auf der Südseite oberhalb von Nicolosi aber ohne Störungen durch Asche oder Lava. Mit den von Stardesigner Pininfarina entworfenen Sechserkabinen der wieder aufgebauten Gondelbahn schweben Skifans bis auf 2500 Meter Höhe, ein anschließender Schlepplift führt noch etwas weiter. Die Kulisse sucht ihresgleichen: azurblaues Meer, saftig grüne Orangenhaine und als Krönung das rauchende Haupt des Ätna.

Nicht ganz so weit ist es bis zur Plomb du Cantal (1855 Meter) im französischen Zentralmassiv. Schon seit 1967 breiten sich hier die Skigefilde der Station Super Lioran aus. Vom Zentrum fährt eine Seilbahn bis knapp unterhalb des Gipfels. Buckelfreaks stürzen sich von dort in die Steilhänge von La Combe oder Les Crêtes, die mit bis zu 70 Prozent Gefälle nur für Könner geeignet sind. Eine leichte, knapp fünf Kilometer lange Variante ins Tal gibt es ebenfalls. Die Baumgrenze liegt auf 1400 Meter, und auf der Rückseite der Plomb locken weite Tiefschneehänge. Insgesamt stehen 42 Kilometer Abfahrten zur Verfügung.

Der 5642 Meter hohe Elbrus ist nicht mehr aktiv, explosiv geht es an dem stark vergletscherten Riesen in Russland bisweilen trotzdem zu: Im Februar 2011 sprengten Terroristen die neue Seilbahn an der Asau-Alm in die Luft. Die fährt aber inzwischen wieder. An der Bergstation "Mir" findet man außer einem Café ein Militärmuseum. Ein uralter Sessellift führt von dort weiter bis auf 3800 Meter, per Pistenraupe gelangt man sogar auf 4100 Meter, höher als in jedem anderen erschlossenen Skigebiet der Welt. Die Skisaison dauert hier oben bis in den Juni hinein.

In rund drei Flugstunden Entfernung von Deutschland bietet Zentralanatolien fast die gleichen klimatischen Bedingungen wie die Wasatchberge in Utah oder die Rockies in Colorado. Bislang fehlte es dort bloß an ausreichender Infrastruktur. Nicht mehr: Im Dezember gingen am Vulkan Erciyes (fast 4000 Meter) in Kappadokien vier neue Liftanlagen in Betrieb. Bereits vorigen Winter hatten sechs neue Bahnen die bestehende Flotte von fünf Anlagen ergänzt. Mit 50 Kilometer Pisten über baumlose Hänge (160 sollen es noch werden) rückt Erciyes damit zum größten Skigebiet zwischen den Alpen und Japan auf.

AP

Erst Skifahren, dann Wellness: Am Niseko in Japan, gibt es viele heiße Quellen

Asien: Schneegebiete in China, Japan und Iran

Der Kuh-e-Sabalan (4811 Meter), ein erloschener Schichtvulkan, ist der zweithöchste Berg in Iran. Er liegt im Nordwesten, nahe der Stadt Ardabil. Von dort geht es über eine gut ausgebaute Straße bis zur kleinen Skistation Alvares. Ein einsamer Doppelsessellift bedient sanfte und überaus sonnige Skihänge, es gibt einen Verleih, ein Restaurant an der Bergstation - Frauen und Männer dürfen auf der gleichen Piste fahren. Wer Tourenski dabei hat, der kann noch höher aufsteigen, die Optionen sind schier endlos.

Der aktive Vulkan Changbaishan in China ist bisher vor allem wegen seiner Naturwunder bekannt: Der legendäre Himmelssee ist der größte vulkanische Kratersee Chinas, in den Birkenwäldern und Schluchten leben Bären und Zobel. Am Fuße des Berges tummeln sich seit zwei Jahren aber auch Skifahrer. Die Dalian Wanda Gruppe investiert hier insgesamt 3,4 Milliarden Dollar in Skipisten und Gondelbahnen, Golfplätze und Fünfsternehotels, um China als Skidestination auf die internationale Landkarte zu hieven.

Internationales Publikum lockt der Vulkan Niseko auf der japanischen Insel Hokkaido schon länger an. Vor allem Australier haben ihn für sich entdeckt. Im Gegensatz zu den Alpen oder Rockies liegt er in der gleichen Zeitzone wie ihre Heimat, und der Flug ist kürzer. Massenhaft Pulverschnee gibt es trotzdem. Am Gipfel des Berges laufen die Liftstaffeln von drei Skiarealen zusammen, für die es einen gemeinsamen Liftpass gibt. Das Panorama ist atemberaubend: Gegenüber dem Niseko liegt der Mount Yotei, der ähnlich kegelförmig ist wie der Fuji, der höchste Berg Japans. Dank der vulkanischen Aktivität gibt es zahlreiche heiße Quellen, die Onsens, in denen man nach einem Skitag entspannen kann.

AP

Klare, kalte Luft: Am Mount Bachelor staubt der Schnee

Nord- und Südamerika: Vulkanerlebnisse zwischen Oregon und Chile

Wie ein Kegel ragt der Mount Bachelor im US-Staat Oregon in den Himmel. Mehr als die Hälfte der rund tausend Höhenmeter seines Skiterrains liegen oberhalb der Waldgrenze, in einer Mondlandschaft mit Schlackekegeln und Lavarinnen. Bei klarem Wetter bietet er ein phantastisches Panorama: weites Wüstenland im Osten, Vulkankegel im Norden und im Süden der fast 300 Kilometer entfernte Mt. Shasta in Kalifornien. Das im Pistenplan markierte Skigelände breitet sich fächerförmig auf der Nordseite des Berges aus. Das Beste am Mount Bachelor ist, dass man seine vollen 360 Grad befahren kann. So entdecken Geländefans auf der Rückseite des Berges famose Freerider-Areale, über Skiwege gelangen sie problemlos zurück zu den Liften.

Eine Gondelbahn bringt Skifahrer zum höchsten Punkt des Mammoth Mountain in Kalifornien. Der 3369 Meter hohe Berg in der Sierra Nevada bildet den Südrand einer riesigen Caldera. Das Skigebiet, das zu den populärsten des Golden State gehört, ist zugleich auch das größte Vulkanskiareal weltweit. Anders als die meisten Skigipfel der Rockies ragt der Mammoth Mount weit über die Baumgrenze, was dem Terrain einen enormen Abwechslungsreichtum beschert. An den Wochenenden überfluten die Skisportler aus Los Angeles die 150 Abfahrten, unter der Woche geht es meist ruhig zu. Mit Schneeschuhen, per Motor- oder Hundeschlitten kann man Exkursionen zu Kratern, Seen und heißen Quellen unternehmen. Ein Bad sollte man nicht nehmen - die jederzeit möglichen Heißwassereruptionen enden meistens tödlich.

Echte vulkanische Erlebnisse gibt es auch am Villarica in Chile. In dessen Krater kocht nicht nur Wasser, hier brodelt Magma. Die ersten Skiläufer waren Deutsche, die sich in den nahen Städtchen Valdivia und Osorno niedergelassen hatten. Das erste Skigebiet wurde 1948 durch einen Ausbruch zerstört. Der zweite Versuch, hier Wintersport zu etablieren, scheiterte am extremen Wetter. Seit 1991 laufen die Lifte wieder. Von deren Bergstation benötigt man mit Fellen zwei Stunden für den Aufstieg. Der Blick auf die glühende Masse, die sich hebt und senkt als würde der Berg atmen, ist die Mühe allemal wert, die grandiose Abfahrt auch.

Neuseeland: Die Pisten von Mittelerde

Während des australischen Winters pilgern skibegeisterte Aussies bevorzugt nach Neuseeland. Auf dessen Nordinsel erhebt sich der Vulkan Ruapehu, an dem Peter Jackson Szenen für "Der Herr der Ringe" drehen ließ - auch Mordor, das "Schwarze Land" von Mittelerde, nahm hier Form an. Dunkel und grau ist die Natur am Ruapehu im Winter aber nicht. Oberhalb von 1600 Metern strahlt der Schnee in drei Skigebiete.

Die längste Saison hat Turoa auf den schneesicheren Südhängen, die Lifte laufen manchmal bis in den Sommer. Von der höchsten Station erreicht man in einer Stunde Aufstieg den Gipfel mit seinem phantastischen Blick in den kochenden Kratersee und bis zum Pazifik. Die anschließende Abfahrt über 1200 Höhenmeter ist ein Traum.

Sie haben jetzt Lust auf Vulkane, aber keine Zeit für eine Fernreise? Kein Problem. Das größte geschlossene Basaltmassiv Europas liegt im Osthessischen Bergland: der Vogelsberg. Wirklich heiß geht es hier zwar schon seit Jahrmillionen nicht mehr her und auch der Schnee macht sich eher rar. Aber wenn Frau Holle, die ebenfalls aus Hessen sein soll, dann doch mal ihre Betten ausschüttelt, kann man am längsten Skilift des Bundeslandes (1025 Meter) schon ein paar Schwünge machen. Glühen tut dann aber allenfalls der Wein in der Skihütte.

Die Vulkan-Pisten im Überblick
Ätna (Italien)
1924 bis 2608 Meter, fünf Lifte, 12 Kilometer Pisten, www.funiviaetna.com/
Super Lioran (Frankreich)
1160 bis 1850 Meter, 22 Lifte, 44 Kilometer Pisten, www.lelioran.com
Erciyes (Türkei)
2088 bis 3370 Meter, 15 Lifte, 50 Kilometer Pisten www.kayserierciyes.com.tr
Elbrus (Russland)
2300 bis 3800 Meter, sechs Lifte, 35 Kilometer Pisten www.prielbrusie-hotels.ru
Alvares (Iran)
3040 bis 3190 Meter, ein Lift, zwei Kilometer Pisten www.iranski.com
Wanda Changbaishan International Resort (China)
845 bis 1200 Meter, zwölf Lifte, 30 Kilometer Pisten www.china-cbs.com
Turoa (Neuseeland)
1600 bis 2322 Meter, neun Lifte, 36 Kilometer Pisten www.mtruapehu.com
Ski Pucón (Chile)
1200 bis 1930 Meter, neun Lifte, 39 Kilometer Pisten www.skipucon.cl
Mammoth Mountain (USA)
2456 bis 3362 Meter, 33 Lifte, 114 Kilometer Pisten www.mammothmountain.com
Mount Bachelor (USA)
1731 bis 2733 Meter, 13 Lifte, 101 Kilometer Pisten www.mtbachelor.com
Hoherodskopf/Vogelsberg
580 bis 745 Meter, zwei Lifte, zwei Kilometer Pisten www.skilifte-hoherodskopf.de

Christoph Schrahe/SRT/jus

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insgesamt 2 Beiträge
1. Ruapehu
Layer_8 28.01.2013
"Von der höchsten Station erreicht man in einer Stunde Aufstieg den Gipfel mit seinem phantastischen Blick in den kochenden Kratersee und bis zum Pazifik" Kochender Kratersee. lol. Vielleicht hat der Author zu [...]
Zitat von sysopCorbisMordsabfahrten am Mordor-Krater, Schneevergnügen am Ätna: Zwischen Neuseeland und Sizilien führen Skipisten die Flanken von Vulkanen hinab. Wenn jedoch plötzlich Asche statt Pulverschnee staubt, sollte man schnell einen Zahn zulegen. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/aetna-niseko-elbrus-die-besten-skigebiete-an-vulkanhaengen-a-878131.html
"Von der höchsten Station erreicht man in einer Stunde Aufstieg den Gipfel mit seinem phantastischen Blick in den kochenden Kratersee und bis zum Pazifik" Kochender Kratersee. lol. Vielleicht hat der Author zu viele Indiana Jones Filme gesehen oder er verwechselt Hawaii mit Neuseeland. Haben beide ja was mit dem Pazifik zu tun ;-)
2.
Reso 28.01.2013
Oder Sie waren wohl noch nie auf dem Vulkan Villarica und wissen deshalb nicht, dass es dort tatsächlich einen permanten Lavasee im Krater gibt...
Zitat von Layer_8"Von der höchsten Station erreicht man in einer Stunde Aufstieg den Gipfel mit seinem phantastischen Blick in den kochenden Kratersee und bis zum Pazifik" Kochender Kratersee. lol. Vielleicht hat der Author zu viele Indiana Jones Filme gesehen oder er verwechselt Hawaii mit Neuseeland. Haben beide ja was mit dem Pazifik zu tun ;-)
Oder Sie waren wohl noch nie auf dem Vulkan Villarica und wissen deshalb nicht, dass es dort tatsächlich einen permanten Lavasee im Krater gibt...

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