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06.02.2013
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Mit Kindern auf Weltreise

Familienfrieden im Känguru-Zoo

Von Alexandra Frank
Alexandra Frank

Ein Koala mit Baby im Schlepptau und boxende Kängurus: Australiens Tierwelt verzückt Kinder wie Erwachsene. Doch der Familienurlaub in Down Under ist nicht überall harmonisch. Denn legendäre Küstenabschnitte und raue Surferstrände beeindrucken keine Vierjährige - und erst recht kein Baby.

Ich habe einen Blog. Meine vierjährige Tochter hat einen Block - ihr Reisetagebuch. Ich schreibe und fotografiere. Das Kind malt und klebt. Wir beide halten das fest, was uns auf unserer fünfmonatigen Weltreise bewegt.

Wer den Blog liest und den Block durchblättert, könnte manchmal den Eindruck gewinnen, wir machen zwei völlig unterschiedliche Reisen.

Zum Beispiel in Melbourne, unserem ersten Ziel in Australien. Ich schwärme von der Architektur. Am Federation Square ganz im Herzen der Stadt reihen sich alte Kirchen, spiegelglatte Hochhäuser, kubistische Bauten, hölzerne Hütten nebeneinander. Ich muss mehrmals hinschauen. Der Platz sieht aus als hätte jemand aus einem Reisekatalog verschiedene Bilder ausgeschnitten und zu einer neuen, etwas merkwürdigen Collage zusammengeklebt. "Eine Stadt, die so einen Platz hat", schreibe ich abends, "kann nur großartig sein."

Das Kind malt indessen zwei Strichmännchen, die sich an den Händen halten, in seinen Block. Das sind sie und ihr neuer Freund, den sie in Melbourne auf dem Campingplatz getroffen hat. Ein deutsches Kind, das wie meine Tochter mit Eltern und Babyschwester eine Weltreise macht. Nach zwei Tagen fliegt die Familie weiter nach Neuseeland, und wir fahren los mit einem gemieteten Wohnwagen.

Besuch bei Koalas und rotäugigen Emus

"Lass uns die Great Ocean Road entlangfahren", sagte ich meinem Mann. Eine der berühmtesten Straßen Australiens. Sie führt an Küstenabschnitten vorbei, die jedes Surferherz höher schlagen lassen, an schroffen Klippen, die wie steile Inseln aus dem Meer herausragen, an Hügeln, die von Urwald überwuchert sind.

Nichts, was das Kind beeindrucken würde. "Tiere!", fordert es stattdessen.

Also besuchen wir kurz hinter Melbourne das Jirrahlinga Koala Sanctuary, eine Mischung zwischen Wildgehege und Tierkrankenhaus, in dem außer den namensgebenden Koalas auch andere australische Tiere untergebracht sind.

Das Baby stiert interessiert auf bunte Papageien und rotäugige Emus.

Das Kind feuert Kängurus und Wallabys beim Hüpfen an.

Mein Mann blickt fasziniert auf einen Beutelmarder.

Ich beneide die schlafenden Wombats, die sich von nichts aus der Ruhe bringen lassen.

Dann kommen wir an das Koala-Gehege. "Ah", sagt der Wärter, "Ihr habt Kinder. Herein mit Euch!" Vorsichtig streicheln wir das weiche Fell der Tiere, die schläfrig in einem Eukalyptusbaum hängen.

Abends bemerke ich, dass sich an diesem Tag die Beiträge im Blog und im Block gleichen. Ich stelle Fotos der Tiere ins Internet, meine Tochter malt: Kängurus, Koalas, Papageien.

Neuseelands Delfine im australischen Reisetagebuch

Am nächsten Tag besuchen wir den Bells Beach, einen berühmten Strand an der berühmten Straße.

Das Baby läuft auf allen Vieren durch den Sand und richtet sich an einem Felsen wackelbeinig zum Stehen auf.

Das Kind sucht nach Muscheln und buddelt.

Mein Mann blickt auf die Wellen, die unablässig heranrollen. Und etwas wehmütig auf die Surfer, die sich - ohne Familie im Schlepptau - in die Brandung stürzen.

Ich halte Ausschau nach Keanu Reeves.

Abends schreibe ich nieder, dass ich als Teenager mal den Film "Gefährliche Brandung" gesehen habe mit Patrick Swayze und Keanu Reeves in den Hauptrollen. Der Film spielte am Bells Beach. Der Strand gefällt mir - auch ohne Keanu. Meiner Tochter auch. Sie malt Muscheln in ihr Reisetagebuch - und einen Delfin. Nur: Wir haben am Bells Beach keinen Delfin gesehen.

"Egal", sagt meine Tochter, als ich sie darauf anspreche. "Wir haben doch in Neuseeland Delfine gesehen." Sie nimmt es nicht so genau mit Zeitabläufen und Entfernungen.

Wir schon. Regelmäßig machen wir Pausen, damit die Kinder nicht so lange im Auto sitzen müssen. Dazu halten wir immer mal wieder bei Aussichtspunkten an. Das Baby freut sich bei jedem Stopp, seinem Kindersitz zu entfliehen. Das Kind wundert sich, warum Erwachsene Aussichtspunkte mögen.

Außer bei einem, er wird Teddy's Lookout, also Teddys Aussichtspunkt, genannt. Zu unseren Füßen sehen wir die Great Ocean Road entlang der Küste. Die Wellen lecken an dunklem Gestein, das Meer glitzert Blaugrün.

Münze mit Kurzschnabeligel

Mein Mann und ich blicken Arm in Arm hinaus auf die See. Das Baby und das Kind spielen mit ihren Teddybären, die wir hierher mitnehmen mussten, nachdem meine Tochter gehört hat, wie der Aussichtspunkt heißt.

Abends beschreibe ich im Blog die Weite des Ozeans und dass wir in Begleitung von zwei Teddybären waren. Das Kind hat an diesem Tag keine Lust, etwas in sein Reisetagebuch zu malen. Stattdessen setzt es sich am nächsten Morgen hin und paust Münzen ab. Das hat es in jedem Land gemacht, das wir bis jetzt besucht haben. Dabei legt es das Geldstück unter eine Seite und rubbelt mit Buntstiften so lange darüber bis sich die Motive auf den Geldstücken abzeichnen. Auf den australischen Münzen entdeckt es Schnabeltiere, Kurzschnabeligel und Kängurus.

"Hm", denke ich, "Geld ist auch ein interessantes Thema." Vor der Reise hatten mein Mann und ich unsere Ersparnisse zusammengerechnet und überlegt, was für ein Tagesbudget wir uns leisten können. In Südamerika lagen wir meist weit darunter. In Neuseeland sind wir gut hingekommen, weil ich nebenher arbeite. Nun also Australien. "Ein teures Land", hatten uns Bekannte gewarnt.

Umgerechnet 55 Euro hat uns der Parkplatz auf dem Campingplatz in Melbourne gekostet. In kleinen Dorfläden muss man umgerechnet vier Euro für eine Packung Milch hinblättern. 65 Euro für eine Familienkarte wollte der Betreiber einer Bimmelbahn, die durch einen Wald tuckelt. Dagegen waren die 35 Euro für unseren Koala-Besuch geradezu ein Schnäppchen. "So geht das nicht weiter", sagt mein Mann.

In den nächsten Nächten suchen wir die Rastplätze in den Nationalparks auf, die zwar meist etwas abgelegen, aber dafür kostenlos sind. Als wir morgens verschlafen aus unserem Wohnmobil herauskommen, läuft ein Koalaweibchen mit seinem Baby auf dem Rücken an uns vorbei. Auf einem Feld beobachten wir boxende Kängurus. Ein Kurzschnabeligel begegnet uns auf einem Spaziergang.

"Die 35 Euro für das Wildgehege hätten wir uns sparen können", sagt mein Mann. "Oh nein", erwidere ich. Schließlich war das der einzige Tag, an dem das Kind und ich uns mal einig waren: Das Wildgehege gehörte in den Blog - und den Block.

Bis März 2013 wird Alexandra Frank regelmäßig von ihren Erlebnissen als Familie auf Weltreise bei SPIEGEL ONLINE berichten.

Forum

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insgesamt 3 Beiträge
1. Is klar ......
spiegelleser_1981 06.02.2013
Und das ganze wohl noch wähend der Elternzeit gemacht und dabei noch Kohle vom Staat bekommen. Selbstverständlich mit gesetztlich garantiertem Arbeitsplatz nach der Elternzeit. Ich gönnen den Leuten das ! Bitte nicht [...]
Zitat von sysopAlexandra FrankBoxende Kängurus, ein Koala mit Baby im Schlepptau: Australiens Tierwelt verzückt Kinder wie Erwachsene. Doch der Familienurlaub in Down Under ist nicht überall harmonisch. Denn legendäre Küstenabschnitte und raue Surferstrände beeindrucken keine Vierjährige - und erst recht kein Baby. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/mit-kindern-auf-weltreise-familientaugliche-abenteuer-in-australien-a-881669.html
Und das ganze wohl noch wähend der Elternzeit gemacht und dabei noch Kohle vom Staat bekommen. Selbstverständlich mit gesetztlich garantiertem Arbeitsplatz nach der Elternzeit. Ich gönnen den Leuten das ! Bitte nicht falsch verstehen, doch beim jammern über die falsche Familienpolitik sind die Deutschen immer ganz groß ! Mutterschutz, Elternzeit, Bereuungsgeld, Kitaausbau, Kindergeld, Kinderfreibeträge, Betriebskindergärten, extra Urlaub (ich glaube 7 Tage) falls das Kind krank ist usw. In anderen Ländern bekommt man garnix von alledem ! In welchen Ländern wird denn noch mehr für Kinder und Familien gemacht als in Deutschland ? Deutschland hat übrigens neben Luxembourg das höchste Kindergeld in Europa. Naja aber deutsche waren immer schon Weltmeister im Jammern !
2.
agua 06.02.2013
Hallo,nach wie vor freue ich mich auf euren Reisebericht.Die Begeisterung fuer Melbourne deckt sich mit den Berichten einer Freundin,die dort vor zwei Jahren in einem Institut ein Auslandspraktikum machte.Hunderte Photos ueber [...]
Hallo,nach wie vor freue ich mich auf euren Reisebericht.Die Begeisterung fuer Melbourne deckt sich mit den Berichten einer Freundin,die dort vor zwei Jahren in einem Institut ein Auslandspraktikum machte.Hunderte Photos ueber Straende und Wellen sahen wir nach einer World around Reise des Sohnes eines Freundes mit seiner Freundin(4 Monate Spagetti mit Tomatensosse,um das Reiseboudget nicht ueberzustrapazieren:))Und eure Reise hat wie immer,andere Schwerpunkte wegen der Kinder.Weiter viel Spass,auch beim Entdecken eurer Kinder,geniesst es,dass ihr soviel Zeit miteinander verbringen koennt,auch wenn ihr dafuer verzichten muesst.
3. Gibt's was schöneres?
imoni77 14.05.2013
Mit Kindern in Urlaub zeigt einem wirklich erst wie schön das Leben doch sein kann. Windeln wechseln und alles was zu einem Kind dazugehört haben hier absoluten Nachrang. Doch ein Kind offenbart einem erst die waren Freuden am [...]
Mit Kindern in Urlaub zeigt einem wirklich erst wie schön das Leben doch sein kann. Windeln wechseln und alles was zu einem Kind dazugehört haben hier absoluten Nachrang. Doch ein Kind offenbart einem erst die waren Freuden am Leben. Mehr zu dem Thema gibt es unter folgendem Link, den ich gefunden habe: http://auto.pr-gateway.de/mit-kind-und-kegel-in-den-urlaub/

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    Die Journalistin Alexandra Frank, 36, ist fünf Monate lang mit Mann, 38, Tochter, 4, und Baby auf Weltreise. Die Route führt von Argentinien über Chile, Neuseeland, Australien bis nach Singapur. Anfang März endet der Trip in der Heimatstadt Hamburg. In ihrem Blog "4 um die Welt" berichtet sie von den Abenteuern ihrer Familie.

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