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21.02.2013
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Architektur in der Einöde

Wurst mit Gipfelblick

Von Maren Hoffmann
Evolver Photographs

Wer träumt nicht von einem Rückzugsort, an dem die Probleme schrumpfen und die Freiheit groß ist? Architekten in aller Welt haben solche Orte gebaut, Baumhäuser, Hütten, Wohn-Wolken. Ein Bildband zeigt Ferien-Unterkünfte, die den Luxus des Verzichts bieten.

Hamburg - Das Leben ist kompliziert. Im Büro Intrigen und IT-Probleme, zu Hause drohen Steuererklärung, Großeinkauf und Kellerentrümpelung. Wer träumt nicht von einem unkomplizierten Rückzugsort, an dem die Probleme klein sind und die Freiheit groß ist? Ein lauschiger Platz zum Schlafen, Lesen und Nichtstun, ein verträumter Blick über Baumwipfel oder einen Bergsee, Geborgenheit ohne Gerümpel?

Das scheint ein universaler Wunsch zu sein. Aber die Art seiner Erfüllung kann sehr viele, sehr unterschiedliche Formen annehmen. Der neue (englischsprachiger) Bildband "Rock the Shack" des Gestalten Verlags stellt beispielhafte Projekte in aller Welt vor - vom Teepavillon über das Baumhaushotel bis zu Strandhütten und prächtig aufgeputzten Scheunen.

Auch den Luxus des Verzichts muss man sich natürlich erst einmal leisten können. Hinter den meisten Entwürfen sitzen renommierte Architektenbüros, die teils minimalistisch ausgestatten Übernachtungsmöglichkeiten im Wald verlangen Preise, die sich nur wohlhabende Urlauber leisten können.

Alternativen zum Konsumwahn

Aber manche der Projekte sind auch Low-Budget-Bauten, die eher von einem glücklichen Händchen ihres Gestalters und einer klugen Einbettung in eine sichtlich respektierte Natur zeugen. Und manche sind gar keine Fluchthütten für überdrüssige Workaholics, sondern tatsächlich Alternativen zum uferlos konsumgetriebenen Immermehr - oder gemeinschaftlich genutzte Orte des Naturerlebens, des konzentrierten Arbeitens oder des künstlerischen Schaffens.

In den USA gibt es schon länger das Tiny House Movement: Die Bewohner der winzigen Häuser verstehen sich zumeist als Minimalisten, die es zum einen als Befreiung empfinden, sich nicht um weitläufige Wohnräume und jede Menge Zeug kümmern zu müssen, zum anderen als kreative Umsetzung der Idee eines möglichst umweltfreundlichen und nachhaltigen Lebensstils.

Der wird natürlich eher konterkariert, wenn man sich als Ausgleich für den 400-Quadratmeter-Loft noch zusätzlich einen Hüttenpalast irgendwo in die Wildnis setzt. Aber ein Wochenende in gepflegter Einöde kann ja auch Anlass sein, die eigene Lebensweise mal grundsätzlich zu überdenken.

Forum

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insgesamt 7 Beiträge
1. Sorry....
Jonny_C 21.02.2013
...für mich als Pragmatiker ist es Kunst, Baukunst um es genauer zu sagen, und "schön" ist es auch, nur der praktische Nutzen ist marginal. Für 4-5 Stunden, oder 2-3 Tage bestimmt reizvoll, aber für länger ? Zum [...]
...für mich als Pragmatiker ist es Kunst, Baukunst um es genauer zu sagen, und "schön" ist es auch, nur der praktische Nutzen ist marginal. Für 4-5 Stunden, oder 2-3 Tage bestimmt reizvoll, aber für länger ? Zum richtigen Wohnen auf Dauer ? Da muss man schon zu einer speziellen Sorte Mensch gehören, oder ein Minimalist sein um das längerfristig "geniessen" zu können.
2. Wie wäre es denn mit Häuserewbtwürfen foür die dritte Welt
Koda 21.02.2013
so wie dier Wettbewerb mit den 300$-Häusern? Da wäre es schon sinnvoll mit den Menschen vor Ort zu sprechen und -angepasst- Sozialen Wohnungsbau zu betreiben, der dann tatsächlich 300$ pro Haus kostet. So könnte man [...]
Zitat von sysopEvolver Photographs Wer träumt nicht von einem Rückzugsort, an dem die Probleme schrumpfen und die Freiheit groß ist? Architekten in aller Welt haben solche Orte gebaut, Baumhäuser, Hütten, Wohn-Wolken. Ein Bildband zeigt Ferien-Unterkünfte, die den Luxus des Verzichts bieten. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/bildband-rock-the-shack-friede-den-palasthuetten-a-884613.html
so wie dier Wettbewerb mit den 300$-Häusern? Da wäre es schon sinnvoll mit den Menschen vor Ort zu sprechen und -angepasst- Sozialen Wohnungsbau zu betreiben, der dann tatsächlich 300$ pro Haus kostet. So könnte man Slums entlasten und den Menschen eine menschenwürdigere Behausung bieten. (*Träum*)
3. das sieht mir
laxness 21.02.2013
nicht nach einem Schneckenhaus, sondern die Ähnlichkeit mit einem Scheisshaufen ist unverkennbar ;-) Das haben die Berge nicht verdient :-((
nicht nach einem Schneckenhaus, sondern die Ähnlichkeit mit einem Scheisshaufen ist unverkennbar ;-) Das haben die Berge nicht verdient :-((
4.
Muddern 21.02.2013
Eine Idee, die soweit recht nett klingt. Haben Sie vielleicht einen Link zum Thema? Da sind Sie mir doch glatt zuvorgekommen. Vielleicht war ich etwas zu häufig in Prenzlauer Berg und Friedrichshain unterwegs, um keine [...]
Zitat von Kodaso wie dier Wettbewerb mit den 300$-Häusern? Da wäre es schon sinnvoll mit den Menschen vor Ort zu sprechen und -angepasst- Sozialen Wohnungsbau zu betreiben, der dann tatsächlich 300$ pro Haus kostet. So könnte man Slums entlasten und den Menschen eine menschenwürdigere Behausung bieten. (*Träum*)
Eine Idee, die soweit recht nett klingt. Haben Sie vielleicht einen Link zum Thema? Da sind Sie mir doch glatt zuvorgekommen. Vielleicht war ich etwas zu häufig in Prenzlauer Berg und Friedrichshain unterwegs, um keine unwillkommenen Assoziationen beim Anblick des "Schneckenhauses" zu haben... ;)
5.
thomas387 21.02.2013
Gott sei Dank hat man diesen Effekt: 'Wenn man die Schneckenwindung emporschreitet, öffnen sich immer wieder neue Blickwinkel auf das Bergpanorama...' auch, wenn man sich einmal um sich selbst dreht. Das ist vollkommen [...]
Gott sei Dank hat man diesen Effekt: 'Wenn man die Schneckenwindung emporschreitet, öffnen sich immer wieder neue Blickwinkel auf das Bergpanorama...' auch, wenn man sich einmal um sich selbst dreht. Das ist vollkommen kostenlos und verschandelt nicht die letzten unverschandelten Naturalien. Für den Rest genügt eine Hängematte, die man zwischen zwei Bäume spannt, meinetwegen in 10 Meter Höhe, für einen im echten Sinn atemberaubenden Ausblick. Statt eskapistische Architektur zu installieren, empfiehlt sich die Anschaffung von Liegematte und Schlafsack.

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