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26.02.2013
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Reisen auf der Panamericana

Roadtrip mit Lücke

TMN

45.000 Kilometer durch 14 Länder: Die Panamericana zieht sich von Alaska bis nach Argentinien. Fans großer Roadtrips geraten auf der Route durch Nord- und Südamerika ins Schwärmen. Sie führt zu Vulkanen, bunten Hochlandmärkten und ins ewige Eis.

Panama-Stadt - Im Darién-Nationalpark endet die Straße mitten im Busch, in einem Schutzgebiet mit vielen seltenen Pflanzen und Tieren im Süden Panamas. Doch manch ein Reisender sucht hier nicht ein Unesco-Weltnaturerbe-Gebiet, sondern die Straße, die in seiner Landkarte eingezeichnet ist: die Panamericana. Die geht aber erst nach knapp 100 Kilometern in Kolumbien weiter. Die Lücke, "Darién Gap" genannt, ist der Übergang von Mittel- zu Südamerika.

Die Idee, Amerika vom Nord- bis zum Südzipfel mit einer durchgehenden Straße zu verbinden, ist fast 90 Jahre alt. 1925 unterschrieben 17 amerikanische Staaten in Buenos Aires einen Vertrag zum Bau der Mammutstraße. Die Strecke entstand nach und nach, Anfang und Ende in Alaska und im argentinischen Feuerland sind bis heute nicht geteert, andere kleine Abschnitte auch nicht.

Das "Darién Gap" ist eine noch recht ursprüngliche Gegend mit kleinen Wasserstraßen, Sümpfen und Trampelpfaden. Es ist das Land der Ureinwohner, aber hier regieren auch Wegelagerer, Drogenmafia, Malaria und Cholera. Im Darién-Nationalpark wird die Asphaltstraße, die 300 Kilometer zuvor zehnspurig durch Panamas Hauptstadt führte, nach und nach zur Sand- und Holperpiste. Wenige Kilometer hinter dem Ort Yaviza ist an einer Reihe von Bretterbuden im tiefsten Busch endgültig Schluss.

Die durchgehende Kartenmarkierung der weltbekannten Strecke, die in den USA Pan-American Highway und weiter südlich Carretera Panamericana heißt, ist politischen Träumern und schlecht informierten Kartografen zu verdanken. Wer mit Wohnmobil, Geländewagen oder VW Käfer von der Prudhoe im Norden in Alaska bis zum Südzipfel Amerikas in Argentinien unterwegs ist, der muss an einem gewissen Punkt aufs Containerschiff umsteigen. Es bringt Reisende von Colón in Panama nach Cartagena in Kolumbien und umgeht den Darién. 1300 bis 2600 US-Dollar (rund 970 bis 1940 Euro) kostet die Überfahrt. Hinzu kommen die Flugkosten für die Reisenden.

45.000 Kilometer durch 14 Länder

Die Panamericana zieht sich rund 45.000 Kilometer weit durch 14 Länder - Nebenstrecken eingerechnet. Nur ein Teil ist als klassische Schnellstraße befahrbar, vor allem durch die USA und Mexiko geht es recht flott. Doch auf dem Land - vor allem in Zentralamerika, in Peru und Ecuador - machen mancherorts Pferdekarren, Ziegen und andere Tiere die Reise zur Geduldsprobe. Und weil die Traumstraße seit Jahrzehnten Millionen Touristen anlockt, schmückt sich jedes Dorf, jede Kirche, jeder See im Umkreis von 100 Kilometern mit dem Etikett der berühmten Route.

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Manche Globetrotter sind mit Auto und schwerem Bike ein bis zwei Jahre unterwegs, Radler brauchen drei bis fünf. Es geht auch schneller, doch unterwegs locken Maya- und Inka-Ruinen, feinsandige Palmenstrände, Kraterseen, Kolonialstädte, Wüste und Urwald mit üppiger Flora und Fauna sowie das ewige Eis.

Eines der berühmtesten Ziele nahe der Panamaricana ist der Atitlán-See im Hochland von Guatemala. Eine Verbindungsroute durch die Berge Anfang der vierziger Jahre hat die Region mit ihren Vulkanen, Märkten und ursprünglichen Dörfern überhaupt erst auf die touristische Landkarte gesetzt. In der Kleinstadt Panajachel leben über 10.000 Gringos, darunter auch Künstler, Geschäftsleute und Aussteiger aus Deutschland. Manche sind auch während ihres Trips von Alaska nach Feuerland hier hängengeblieben oder später zurückgekehrt.

"Natürlich profitieren wir am See auch von der Panamericana", sagt Hans Schäfer. Er stammt aus Allmendingen im Alb-Donau-Kreis und betreibt im 600-Seelen Dorf Jaibalito am See eine Posada. Schäfer, der früher viel Motorrad fuhr, hat noch einen Tipp: "Bitte nicht nach Sonnenuntergang auf der Panamericana fahren. Wegen der häufigen Erdrutsche gibt es Behinderungen und Baustellen, die kaum beleuchtet und schlecht gesichert sind."

Sicherheitsrisiken in Darién

Viele Opfer hat die Panamericana gefordert: bei Unfällen, Überfällen und auch bei Mordanschlägen, vor allem im Grenzgebiet zwischen Panama und Kolumbien. Aber auch der Verkehr kann gefährlich sein. In Nicaragua, nahe der Grenze zu Costa Rica, fahren viele Autos ohne Licht. Und 7000 Kilometer weiter südlich in der Atacama-Wüste im Norden Chiles sind Auto- und Buswracks sowie Holzkreuze Zeugnisse von Unglück und Tod.

Und wann wird die Panamericana zur Vollendeten und das Loch geschlossen? Die nächsten Jahre sicher nicht. Denn die fehlende Landverbindung nach Kolumbien schützt Urvölker und Natur im Darién und erschwert die Einfuhr von Drogen und die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche. Da ist sich die Mehrheit der Panameños sicher.

Abenteurer haben die Durchquerung der Darién-Lücke zu Fuß, mit Rucksack und Kanupassagen geschafft und darüber detailliert berichtet. Doch das Auswärtige Amt in Berlin warnt: "Im Osten und Süden der Urwaldprovinz Darién, insbesondere im Grenzgebiet zu Kolumbien, bestehen hohe Sicherheitsrisiken. Es wird dringend davon abgeraten, sich dort aufzuhalten."

Karte

Bernd Kubisch/dpa/jus

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